Manchmal entstehen aus den albernsten Blödeleien die schönsten Gespräche. So passiert gestern, mit einem sehr lieben Freund. Unsere durchaus alkoholisch angehauchte Diskussion drehte sich, wie solls auch anders sein, um Männer und Frauen
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Wir erklärten uns gegenseitig Sinn und Unsinns des berühmten “Beuteschemas”, denn, sind wir doch mal ehrlich, irgendwie hat jeder eins, und irgendwie fällt auch jeder damit immer und immer wieder auf die Schnauze. Trotzdem halten wir immer wieder nach dem selben Typ Mann oder Frau Ausschau. Es lebe die Enttäuschungssehnsucht, denn wenns schiefgeht kann ich danach sagen: “Habs doch gewusst!” und alles ist wieder beim alten. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wie oft standen wir Mädels schon an irgendeiner Bar und ein netter (nein: “nett” ist nicht die kleine Schwester von Scheiße!) Mann kam des Weges und wir rollten nur die Augen, drückten ihm ganz unauffällig den Loser-Stempel auf und gaben ihm nicht die geringste Chance uns das Gegenteil zu beweisen. Im selben Moment beschweren wir uns aber, dass wir den “Richtigen” nicht finden. Wer zum Henker ist denn nun aber der “Richtige”? Wenn wir in uns gehen (gedanklich Männer, nur gedanklich!) dann wünschen wir uns alle einen Partner, der sich Zeit nimmt, liebevoll ist, aufmerksam, uns nicht nur wegen des C-Körbchens oder der schönen Beine schätzt, mit dem wir lachen können, reden können und der uns schon morgens beim Aufwachen lächeln lässt. Einlassen tun wir uns auf die in der Regel nicht. Nein, einlassen tun wir uns auf die Testosteron-Horsts, die lässig an der Bar ihr Bier trinken und uns mit dem Arsch nicht anschauen, es sei denn wir zupfen mit laszivem Blick in ihre Richtung unser Dekolleté zurecht und vermitteln so die Option auf Gratis-Sex. Umgekehrt dasselbe in grün: Der Single-Mann springt nur auf die blonde Uschi im knappen Mini an, die wiederum nur dann aufmerkt wenn sie den Edel-Prosecco nicht mehr selber zahlen muss.
Kaum gehts schief, sind wir wieder gefrustet, wünschen uns den süßen knuffigen Normal-Mann und wenn er dann vor uns steht, kriegt er wieder keine Chance. Die Oberflächlichkeit wurde Königin.
Wir alle kennen doch Männer, die die absoluten Hammer-Partner wären, nett, lustig, liebevoll, zärtlich, gebildet, meinetwegen auch gut situiert. Aber die langweilen uns. Oder “gehen optisch mal gaaar nicht”. Genauso lassen uns die Jungs links liegen, egal was für loyale Partnerinnen wir wären, wie geil wir kochen können, was für liebevolle Mamas wir wären. Langweilig. Kickt nicht. Erinnert zu sehr an Mutti. Also auf in den Blondinen-Bunker und die nächste Uschi angebaggert. Die Kriterien zur Partnersuche ändern sich, Aussehen, Wirkung, Status ist entscheidend. Da kann man so banale Dinge wie Unehrlichkeit, Extrem-Arschlochismus oder schlichte Dummheit schon mal vernachlässigen.
Unser schlaues Gespräch gestern brachte auch unweigerlich die Erkenntnis, dass diese Oberflächlichkeit mit der heute ach so modernen Unverbindlichkeit einhergeht. Eine “Bekanntschaft” ist ja heute nicht mehr als ein “Schau ma mal”. Sich wirklich einlassen, einander richtig kennenlernen scheint aus der Mode zu kommen. Da wo unsere Eltern und Großeltern noch halbe Ewigkeiten um die Gunst des / der noch heute Geliebten gebuhlt hatten, reihen wir heute zahllose Kandidaten in unseren Warenkorb und geben alle noch vor der Kasse wieder zurück. Wir tauschen Schuhe um, wir tauschen Kleider um, wir tauschen Partner um. Und suchen uns neue. Is ja so einfach heute. Dem “Netten” erklären wir dass wir gerne Freunde sein könnten, drei Wochen später löschen wir seine Nummer. Ja, wir sind schon ein bisschen verrückt. Aber immerhin nicht allein damit. Macht ja jeder so.
Wenn ich mich jetzt ganz speziell in meinem eigenen Freundeskreis umhöre, dann ist sich jede(r) des “Problems” bewusst. Wir sind ja klug und lernen aus Fehlern, oder Mädels? Jungs? Nur wie stellen wir das an, gehen wir beim nächsten Kneipenflirt in die Vollen und erklären unserem Gegenüber, dass wir nun selbstfindungstechnisch den totalen Durchblick haben und nur was totaaaal Festes wollen? Der is schneller weg als wir “Ober, zahlen bitte!” sagen können…
Ihr seht, eine Lösung haben wir nicht gefunden. Muss wohl doch jeder selber ran. Ich hab mal zu einem sehr süßen Mann gesagt: “Ich möchte nicht aufdringlich sein….” worauf er erwidert hat: “Baby, Du BIST aufdringlich, also steh dazu!” Ehrliche Antwort gepaart mit einem Wahnsinns-Kuss. Inwieweit es mir nun hilft, zu sein, wie ich bin, sei dahin gestellt. Vielleicht bin ich ne verkannte Perle. Vielleicht auch nur ne Uschi. Und mein lieber Freund von gestern macht sich als Traummann vielleicht auch nur zum Horst.
Die Welt ist grausam, aber es ist egal, solange es genug zum Trinken gibt. Lieber Freund, danke für den lustigen Abend. Wenn Dir die Erleuchtung kommt, sag Bescheid. Ich gebs gern weiter.
Herzlichst
Eure Uschipraline
