Sexy Bauarbeiter


In der Werbung oder in Filmen sind Bauarbeiter ja immer die absoluten Trammänner.  Sie sind groß, braungebrannt, und sie tragen ein schmutziges Unterhemd, das ihre stahlharten Muskeln auf schönste Weise zur Geltung bringt. Sie lehnen lässig an Gerüsten, hieven mit schwerem Gerät mördermäßige Stahlträger durch die Gegend oder schaufeln Sand, wobei ihnen sexy Schweißperlen über das männlich-markante Gesicht laufen. Dann öffnen sie sich mit einem lauten Zischen eine Dose Coke und nachdem sie diese leergetrunken haben, ziehen sie sich das Hemd aus und wischen sich damit den Schweiß von der Stirn. Genau in diesem Moment stehen wir da, beobachten die Szene und sind sofort verliebt. Naja, verliebt vielleicht nicht, aber immerhin wissen wir wSexy Bauarbeiter © by martiniie nun unser Traum für die nächste Nacht aussieht.

So, und jetzt erzähl ich Euch, wie das mit den Bauarbeitern im wirklichen Leben ist. Jetzt gerade, in diesem Moment. Hier, direkt vor meiner Wohnung.

Da gibt es zum Beispiel Sepp, den Baggerfahrer. (Ich weiß dass er Sepp heißt weil ich mindestens achtmal am Tag seinen Kollegen schreien höre: „Seeeeeeeepp! Weida ummiiiiiiiii!“) Sepp ist geschätzte 55 Jahre alt, hat volles silbergraues Haar und einen ebenso vollen silbergrauen Schnauzbart. Sepp fällt für meinen erotischen Traum heute Nacht also schon mal aus.  Abgesehen davon umgibt Sepp auch ein wenig die Aura eines Trunkenbolds, insofern… nein danke!

Aber gut, schauen wir mal weiter. Da weiter hinten steht ein Junger. Jaaa, und der trägt tatsächlich ein weißes, aber schmutziges Muskelshirt. Cool! Nur hat er leider keine Muskeln. Eigentlich hat er noch nicht mal richtige Arme. Hm, an einem seiner zarten Ärmchen baumelt eine Tüte, aus der er nun ein paar Wurstsemmeln raus holt. Aha! Das ist also der arme Trottel hier. Lehrling, Hiwi, Prakitkant oder Ferienjobber. Zuständig für Brotzeit und Verkehr aufhalten. Na gut.  Die andern Arbeiter gesellen sich umgehend zu ihm, denn, und das ist faszinierend auf dem Bau, egal, was grad zu tun ist, und egal, wie penetrant einem Dreck, Staub und der üble Geruch von frischem Teer den Geruchssinn vernebeln, der Duft von Wurstsemmeln scheint immer durch zu kommen. Das fällt im Bauarbeiter-Bewerbungslebenslauf wahrscheinlich unter „Besondere Fähigkeiten“: „Lokalisieren einer Wurstsemmel innerhalb weniger Sekunden“.
Die Männer sitzen nun also alle zusammen vor so einem schicken Bauwagen in der Sonne und widmen sich ihrer Brotzeit. (Schön für mich, denn nun ist wenigstens mal ein paar Minuten Ruhe. Und Ihr könnt Euch ja ungefähr vorstellen wie Lärm im Moment auf mich wirkt, wo ich doch eh schon mehr als gereizt bin aufgrund meines Schlafmangels…) Ich beobachte die Szene, und mir sticht ein weiteres Wunderwerk der Schöpfung ins Auge. Auf einem staubigen Kasten Wittmann Urhell sitzt Ignaz. Ignaz, Ihr kennt doch sicher Ignaz, habt Ihr „Lissi und der wilde Kaiser gesehen? Also, dieser Ignaz eben. So einer, dem man ansieht, dass seine Mutter gleichzeitig seine Tante UND seine Cousine ist…. . Ignaz sitzt also da, auf seinem Witti-Hocker und zwischen dem Ende seines T-Shirts und dem Anfang seiner Hose erblicke ich eine wirklich besorgniserregend haarige Arschfalte. Gruuuuuselig! Ich persönlich bin ja der Meinung, dass Arschfaltenpräsentation wirklich nur hammermäßig hübschen Frauen mit Knackpo, Hüfthosen und einem dazu passenden sexy Stringtanga vorbehalten sein sollte. Und selbst das ist oft äußerst grenzwertig. Aber bei Männern! Nee, das geht mal gar nicht! Verschlimmert wird das Bild dadurch, dass Ignaz dauernd aufsteht, weil irgendeiner seiner Kumpanen ein Bier aus seinem Kasten haben will, und jedes Mal wenn er sich wieder hin setzt, rutscht die Hose ein Stückchen weiter nach unten… ich wende mich angewidert ab und lasse meinen Blick in die andere Richtung schweifen.  Da kommt ein LKW um die Ecke! Au weia, hoffentlich haben die für den Fahrer ne Wurstsemmel übrig gelassen, sonst gibts hier gleich Rabbatz! Aber der Lastwagen gehört gar nicht zu meinen lustigen Kanalarbeitern, nein, er rangiert ein wenig herum und kippt dann seine Ladung Sand direkt an die Bushaltestelle, wo einer armen alten Oma gerade die Kinnlade herunterklappt. Hm, die arme Frau sitzt da vermutlich schon seit Tagen und hat das Schild „Haltestelle verlegt“ wohl immer noch nicht gesehen.  Der Fahrer steigt aus seinem Lastwagen aus, redet kurz mit der Oma, deutet auf das rote Hinweis-Verhüterli an der Haltestelle und die Oma zieht von Dannen.  Immerhin, ein netter Trucker, das ser die Omi aufklärt, oder? Sogleich machen sich zwei eifrige Sandschaufler an den soeben gekippten Haufen und während ich mich freue, nun doch noch schöne Männer schwitzen zu sehen, fällt mir auf, dass der eine mindestens 70 ist, und der andere Ignaz‘ Bruder. Oder Schwester, das weiß man bei diesen Familien ja nie so genau.  Vorbei mit der Inspiration erotischer Träume 😦

Mein Nachbar kommt aus dem Haus und würde gerne mit seinem Auto wegfahren. Was aber nicht geht, denn in der Straße davor ist ein zweieinhalb Meter tiefes Loch und die Burschen vom Bau machen ja Mittag. Ich selber parke ja schon seit Tagen woanders. Ich bin da mehr so der Sicherheitstyp, Altersvorsorge, Radarfallen, Schwangerschaft… lieber auf Nummer sicher. Und eben auch bei Parkplätzen. Sonst stünde ich jetzt auch da, wie mein Nachbar und wäre auf die Gunst der haarigen Arschfalte angewiesen. Herr Nachbar geht rüber zu den Jungs, offenbar will er auf sich aufmerksam machen, doch ich höre nur Sepp rufen: „Iatz wart hoid, mia samma’s jo eh glei!“. Eine gefühlte halbe  Stunde später (die Gesichtszüge meines Nachbarn sind mittlerweile so hart wie die oben erwähnten Stahlträger…) haben Sepp, Ignaz und der Wurstsemmel-Hiwi es tatsächlich geschafft eine Abdeckung über das Loch zu legen und Herr Nachbar konnte los. Ach, wie würd ich mich freuen wenn die Besitzer der drei anderen Autos jetzt auch in halbstündigen Abständen wegfahren wollten…

Tja, das einzig Prickelnde, was ich diesen Jungs da vor meiner Tür noch abgewinnen konnte, war die Fußmassage. Denn, kaum war die Mittagspause beendet, gings los mit Geratter und das ganze Haus erbebte unter der Erschütterung von Rudis rasender Rüttelplatte. Nee, ich mach mich lieber weg bevor ich hier noch durchdrehe. Ich also schnell meine Siebensachen gepackt und raus aus dem Haus. Als das leere Hemd von Hiwi dann auch noch „Guuudn Doooch!“ zu mir sagte, wars endgültig vorbei. Mir tat er ein wenig leid, weil er ja keine Muskeln hatte, drum hab ich ihn angelächelt. Ich hätte ihm aber viel lieber gesagt dass wir hier in Bayern sind und da heißt das „Grüß Gott“ oder wenigstens „Servus!“. Hätt er bei Sepp und Ignaz ja längst schon lernen können. Aber ich hatte es auch eilig. Schließlich musste ich ja zu meinem weit entfernt geparkten Auto laufen. Hab ja verhütet 😉

Wenn Ihr also doch mal eine Baustelle findet, wo die Jungs dem von der Werbung angepriesenen Ideal entsprechen, dann lasst es mich wissen, ja? Bis es soweit ist, träum ich lieber nicht von Bauarbeitern.

Ach ja, liebe Mädels, Hinweise auf Schneckerlandi zählen nicht. Vom dem dürft Ihr träumen, aber ich hab ja nix davon 😉

In diesem Sinne Gruß vom Bau

Eure Praline

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5 Kommentare

  1. Liebstes Pralinchen,
    erst einmal: Gratulation zum Weblog und zweitens: GENIAL!
    Reich doch einmal Beiträge wie diesen bei diversen Frauenzeitschriften ein – deren Kolumnen sind nicht halb so witzig und geistreich geschrieben wie Deine Geschichten aus dem Leben hier!
    Es wäre wirklich schade, dieses Talent zu vergeuden.

    Also ich hab mich kaputt und Tränen gelacht.
    Denn – wie Recht Du doch hast mit Ignaz und allen möglichen Hiwis dieser Welt 🙂

    Danke für das grandiose Lachmuskel-Training und immer weiter so. Auch Deine anderen Beiträge sind wirklich TOLL!

    Glg bis demnächst
    die summerjen

  2. @ summerjen

    vielen lieben Dank für dieses schöne Kompliment. Von Dir freuts mich ganz besonders, aber noch mehr freu ich mich dass wir uns nach elf Jahren wiedersehen! Eeeelf Jahre! Das ist ja fast eine eigene Geschichte wert 🙂

    allerliebste Grüße!

  3. @pralinsche
    ..so – ich üb schon auf meinem (= Labtop meines Freundes :-)) Krankenhaus-PC die Handhabung des f….ing Touchpads…
    damit mir die Woche in LA nicht langweilig wird.
    Bestimmt gibt es aber dort dann keinen Hot-Spot und ich werd das dumme Teil ganz umsonst dabei haben und wieder in den Tiefen eines häßlichen weißen Plastikschrankes versenken müssen, damit es jaaaaa nicht gestohlen wird – wertvollerweise.
    Falls ich aber tatsächlich online sein werde, was ich ja ganz stark hoffe, brauch ich nicht mal ein Buch – es gibt ja Deinen Blog :-D.
    Jaja… E L F Jahre! Mei, wie die Zeit nur so rasen kann… und aus den süßen zwei braunhaarigen Twens sind nun die Ü30-Frauen des Jahrhunderts mutiert.
    Geschieden, Emotional angeknackst – trotzdem voll Lebensfreude… oder mehr denn je?
    Ich bin ja schon soooooo neugierig auf die alte neue Steffi!
    Warum habe ich eigentlich bei meinen gefühlten 856 Umzügen nur den Zettel mit Deiner Adresse verloren?
    Warum nie danach gesucht? Ich wusste nur noch Deinen Vornamen…
    Obwohl ich wirklich IMMER an Dich gedacht habe – jedes verdammte Mal, wenn mich Landshut gesehen hat…

    So ist es also.
    Schön Dich bald wieder zu sehen.
    Am Wochenende müsste ich fit sein.
    Ich speicher Dich – endlich! Und geb Dir noch Bescheid, wenn ich ansprechbar bin.

    Freude! und bis dann.
    deine summerjen

  4. Hab Dich grade erst entdeckt… und muß nach 18 Jahren auf Baustellen Deine Beobachtungen leider bestätigen 😉

  5. @spottdrossel:
    Ja, und es wird nicht besser 😉 Aber ist ja auch gut so, Bauarbeiter liefern super Geschichten!

    lg


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