Du kannst Sie zu mir sagen!


Also ich finde das ja wirklich faszinierend. Das mit dem „Du“ und dem „Sie“. Da ist man 30 Jahre alt und die Leute können sich immer noch nicht entscheiden ob sie Dich jetzt siezen oder duzen. Und lustigerweise wird man immer dann geduzt wenn man gesiezt werden will und umgekehrt.

Grundsätzlich gilt ja (glaube ich…. verbessert mich wenn ich jetzt was Falsches sage!) immer noch die Regel: Das „Du“ muss angeboten werden. Und zwar von der jeweils älteren Person. Das ist so ein Respekt-Ding. Und irgendwie erklärt es sich ja auch von selbst. Mir würde im Traum nicht einfallen, eine ältere Dame oder einen älteren Herren einfach so zu duzen. (Na gut, neulich hab ich den Erdbeermann an der Straße geduzt. Hm, ziemlich unhöflich noch dazu. „Hey, host du no Erdbeern?“ hab ich ihm aus dem Auto heraus zugerufen. Das war aber, und das möchte ich hiermit betonen, ein Versehen. Ein Ausrutscher sozusagen. Ich meine, anderen passiert ein Ausrutscher und sie sind gleich schwanger, ich hab halt einfach nur den Erdbeermann geduzt. In die richtige Relation gesetzt war das also gar nicht so schlimm. Aber wenn der Erdbeermann das hier lesen sollte: Es tut mir leid! Ich werde hart an mir arbeiten damit mir das in der nächsten Erdbeersaison nicht wieder passiert, versprochen!)

Also, aber ganz grundsätzlich bin ich schon ganz gut erzogen. Da haben meine Eltern, bzw. in erster Linie meine Oma, ganz penibel drauf geachtet, dass das Kind immer höflich ist, schön „bitte“ und „danke“ sagt und natürlich jedem die Hand gibt, der im Umkreis von drei Kilometern rumsteht. Als Kind schämst Du Dich natürlich immer bei sowas und außerdem gehen Dir die Sprüche á la „Mei, bist Du aber groß geworden!“ oder „Hach, Du bist ja schon eine richtige Dame!“ ziemlich auf den Wecker. Übrigens, an alle die damals immer solche Sachen zu mir gesagt haben: Ich bin NICHT mehr größer geworden. Und das mit der Dame, nun ja, ob das so funktioniert hat, wie Ihr Euch das vorgestellt habt?;-)

Auf jeden Fall, um zum Thema zurückzukommen, ich finde das manchmal echt unmöglich. Da melde ich mich am Telefon, wohlgemerkt in der Arbeit, nicht daheim, ganz freundlich und sag auch noch „Guten Tag“ oder „Grüß Gott“ und dann fliegt mir nur ein „Griasde, is da Chef a do?“ entgegen? Ja sagt’s mal, wo sind wir denn? Gut, aufm Bau. Ok, nee, is klar, da müssen wir schon Abstriche machen. Aber es passiert ja auch anderswo. In irgendwelchen Läden zum Beispiel. Du, Königin Kunde, läufst da ein und willst ein Vermögen von sagen wir mal 19,90 € verschleudern und alles was Du bekommst ist ein „Darf ich es Dir in ‚ne Tüte packen?“ Andersrum natürlich genauso unangenehm, wenn nicht gar schlimmer: Du sitzt zum Beispiel in einer Bar, am Nebentisch ein echtes Zuckerschneckchen von Vielleicht-Flirt und plötzlich kommt er her und fragt Dich: „Entschuldigen Sie, könnte ich diesen Stuhl haben?“ Baby Du kannst den ganzen Tisch haben, ich muss sowieso gleich zurück ins Altersheim! 🙂

Ja aber wie denn nun? Will ich jetzt ein „Du“ oder ein „Sie“? Ich kann mich halt wie so oft nicht entscheiden. Also so ganz pauschal hätt ich gerne in offiziellen Dingen ein „Sie“, schießlich bin ich eine erwachsene Frau, der man dementsprechend Respekt entgegenbringen soll. Und inoffiziell, also in der Kneipe oder so, da hätt ich lieber gern das „Du“. Denn ich geh ja weg weil ich noch so jung bin und so hip und so. Ist beides bescheuert, aber wenn ich schon rummeckere, muss ich hier ja noch eine abschließende Ansage machen. Oder auch nicht.

In diesem Sinne,

schau wieder rein und besuchen Sie mich bald wieder!

Deine / Ihre Identitätspraline

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7 Kommentare

  1. Also hier muss Frau Knigge dann doch noch eingreifen (Julia, hau mich nicht! ) – Wir sind ja alle wunderbar gut und gleichberechtigt erzogen, aber wo wir Frauen schon mal bevorzugt sind, da wollen wir es auch bleiben!
    Das DU wird von der Frau angeboten! Das mit dem Altersunterschied ist natuerlich richtig, aber nur bei 2 Personen gleichen Geschlechts, zwischen Mann und Frau nur wenn es echt ein Generationsunterschied ist… Also der Erdbeermann wird Dir das nicht uebel nehmen, allerdings darf er jetzt auch… 🙂

  2. @detta!
    Ja prima, hab ich mal wieder was gelernt! Und künftig lass ich mich von den Herren der Schöpfung nur noch siezen 😉

    Liebe Grüße!
    kp

  3. So nun aufgepasst. Es gibt tatsächlich Orte in unserem Land, da duzt man sich ausschließlich. Und an diesen Orten haben Dinge wie das Alter, das Geschlecht oder der Bildungs- bzw. der Berufsstand keine wirkliche Bedeutung. Dort zählt nur der innere Wille, die Leistungsbereitschaft, letztenendes das „gemeinsame“ Ziel, den Gipfel zu erreichen und heil wieder ins Tal zu gelangen. Wo diese Orte sind? Da muss man hoch hinaus, eine Faustformel gibt`s da leider nicht, aber ich würde mal sagen, so ca. 500-1000 Höhenmeter über den Punkten, zu denen noch eine personenbefördernde Technik führt. Wenn man die sandalen-tretenden Flachlandeier auf ihrem Höhenspaziergang sowie die möchte gern Bergsteiger (die überwiegend teure Marken-Ausrüstung tragen, und dann doch die Hütte als neues Endziel ausrufen) hinter sich gelassen hat, trifft man nur noch (das sind meine Erfahrungen) auf freundliche, gleichgesinnte und sich dutzende Menschen. Dies ist in den heutigen Zeiten, in denen Menschen sich immer mehr mit Nichtachtung gegenübertreten, eine willkommene Abwechslung.

  4. @nagoo:
    da gebe ich Dir vollkommen recht. Wobei ich denke, dass es gar nicht so sehr auf das „wo“ ankommt, sondern eher auf das gemeinsame Ziel, wie Du es beschreibst, bzw. die gleichen Beweggründe dieses zu erreichen. Man bildet eine Gemeinschaft und lässt sich aufeinander ein, und dann sind Oberflächlichkeiten auf einmal nicht mehr wichtig weil „das große Ganze“ alle Bedeutung einnimmt.

    Sehr schöner Beitrag, danke Dir!
    Liebe Grüße
    kp

  5. @nagoo

    dann dutz i di jetzt nur no wenn ma auf der burg san 😉
    vorher kauf i mir dann no richtige bergschua…

  6. Darf ich dich siezen ? 😉 Ich find das ganze Gesieze eher nervig und fühle mich irgendwie komisch wenn mich jemand siezt. Allerdings habe ich kein Problem selbst zu siezen. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass es sich beim „Du“ irgendwie besser gemeinsam arbeiten lässt. Dann lässt man sich, finde ich, auch eher auf die Belange des Gegenüber ein.

  7. @christian:
    hm, ein „Du“ entkrampft natürlich die Situation ungemein. Ich hab aber auch schon die Erfahrung gemacht, dass ein „Du“ schneller den Respekt wegnehmen kann, also gerade in einem Chef-Angestellten-Verhältnis. Ich für meinen Teil bin mir da immer noch nicht ganz sicher, wenn ich ehrlich bin.


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