Haareschneiden bei Guns ’n‘ Roses!


Bei Friseuren verstehen wir Mädels ja mal so gar keinen Spaß. Da den richtigen zu finden, puh… das ist eine Odyssee. Die Suche nach einem vertrauenswürdigen Friseur ist nicht annähernd so einfach wie die nach einem kompetenten Frauenarzt oder gar einem Ehemann. Welche Frau hat nicht schon mal heulend einen Salon verlassen und sich gewünscht es möge sich ein Loch in der Erde auftun, indem man so lange verschwunden bleiben kann bis das Fiasko wieder zu beheben ist? Also ich war gerade mal vierzehn als ich meine erste Friseur-Horror-Erfahrung machen musste. Damals wollte ich ja uuuuuunbedingt eine Dauerwelle. Ihr müsst wissen, als Teenie hatte ich das, was man gemeinhin als „Spaghettilocken“ bezeichnet. Schnurgerade, dünne, langweilige lange Haare. Zum Glück, dem Alter sei Dank, haben sich die mittlerweile in eine halbwegs passable Naturwelle verwandelt, insofern, noch mal Schwein gehabt. Aber damals, lang lang ist’s her, konnte mich nichts und niemand davon abbringen meinen Spaghettischädel in einen ach so erwachsenen Lockenkopf zu verändern. Meine liebe Oma, die zeitweise, auch heute noch, geradezu in Friseursalons zuhause ist, war hellauf begeistert und hat mir gleich einen Termin bei der allerliebsten Carmen gemacht. (Diesen Namen werde ich nie im Leben vergessen!) Carmen war ein zuckersüßes Mädel und hat mir hingebungsvoll meine Haare auf die winzigsten Miniwickler gedreht die sie finden konnte und mich dann, „weil so eine Dauerwelle muss ja auch gut zur Geltung kommen“ noch dazu überredet, die Haare zu kürzen. Todesmutig und veränderungswillig wie pubertierende Gören sind, hab ich zugestimmt und somit nahm das Schicksal seinen Lauf. Schon beim Betrachten des Kunstwerks im Salonspiegel musste ich mir die Tränen verdrücken. Kaum zuhause hab ich mich dann erstmal in meinem Zimmer eingesperrt und geschätzte sieben Stunden nur geheult. Ich sah aus wie Slash von den Guns ‚n’ Roses, erinnert Ihr Euch? Und auch wenn ich damals ein großer Guns ‚n’ Roses- Fan war, alles „Baby, don’t you cry-y-y tonight“ hat alles nichts geholfen. Ich war kreuzunglücklich. Es erübrigt sich zu sagen, dass Carmen mich nie wieder gesehen hat. Von Friseuren hatte ich erst mal genug. Stattdessen hab ich angefangen, selbst zu experimentieren, und dabei vom damals trendigen Hennafärben über Stränchen bis hin zu revoluzzermäßigen blauen Punk-Haaren (die leider mit der Zeit ins schimmelgrün wechselten… tja) alles ausprobiert.
Irgendwann siegte dann doch die Vernunft und ich hab mich frisurentechnisch wieder in professionelle Hände begeben. An die Schulden, die meine ständigen Besuche bei the incredible Jörg verursacht haben, zahle ich heute noch hin. Aber Jörg hat mir das Vertrauen ins Friseurhandwerk wiedergegeben und somit steh ich da drüber. Inzwischen hab ich auch eine günstigere Alternative gefunden (nix für ungut Jörg) und bin damit auch sehr zufrieden. Meine jetzige Friseurin hat nämlich den Masterplan hinter meinen Frisurwünschen verstanden. Ich will nämlich immer so aussehen wie vorher. Nur besser. Und das macht sie seit Jahren so fantastisch, dass ich ihr sogar schon erlaubt habe, meine Haare abzuschneiden und mit Farben zu hantieren. Wunderbar, alles paletti.
Heute war ich auch wieder bei ihr. Und heute hat sie mir ein wenig Angst gemacht. Während ich ihr erklärte, sie solle bitte den Pony kürzen und die Spitzen schneiden, überkam sie die Muse und sie fing an mir zu erklären, sie würde nun meinen Kopf teilen, neue Linien schaffen, und es würde keine Verbindung mehr zwischen Oberkopf und Nacken geben. Hilfääääää! Wo bin ich? Hab ich irgendwas nicht mitbekommen? Äh… gute Frau, ich will nur Haare schneiden!!! Aber da legt sie auch schon los, schnipp schnapp, Locken ab und mein ehemaliger Oberkopf verteilt sich langsam aber sicher auf den edlen Bodenfliesen unter mir. Ich hab dann die Augen zugemacht und gebetet. Lieber Gott, ach sei so gut, erklär mir was die Frau da tut! Und bitte lass die Haare mein, nachher noch vorhanden sein! In der Zwischenzeit hat sich meine Henkerin schon den Fön geschnappt, mir geschätzte neununddreißig Rundbürsten ins Haar gedreht und losgefönt.
Ja, und letzten Endes ging dann doch alles gut. Mein Kopf wurde geteilt, es wurden neue Linien geschaffen, und eine Verbindung zwischen Oberkopf und Nacken gibt es tatsächlich nicht mehr. Ich hab in den Spiegel geschaut und sah aus wie vorher. Nur eben besser 😉

In diesem Sinne, haarige Grüße,
Eure Lockenpraline

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