Pralinchen im Fahrstuhl


Gestern Abend hab ich eine liebe Freundin besucht. Sie wohnt im fünften Stock einer riesengroßen Wohnanlage. Ich beneide sie fast ein wenig, ist sie doch die einzige Person, die ich kenne, die privat eine „von bis“-Adresse hat. Also das klingt doch super, wenn man einen Brief bekommt, und da dann drauf steht: Frau Praline Killer, Schokoladenstr. 324-328… das hat doch mal Klasse, findet Ihr nicht?

Auf jeden Fall wohnt sie im fünften Stock, und weil ich ja die faulste Socke auf Gottes Erden bin, fahr ich da wohl mit dem Aufzug hoch. Der Aufzug ist jedoch ziemlich unzuverlässig, der Sohn meiner Freundin hat schon viele viele Stunden einsam und allein in diesem Aufzug zugebracht, bis es irgendjemandem mal aufgefallen ist, dass dieser stecken geblieben ist und der Hausmeister gerufen wurde. Es gibt zwar so einen Notruf-Knopf in diesem Aufzug, aber der hat wohl scheint’s nur eine dekorative Funktion. Ich glaube ja fast, dass, wenn man diesen Knopf drückt, vielleicht in der Tiefgarage das Licht angeht, oder bei Meiers im zweiten Stock der Türöffner summt, vielleicht löst dieser Knopf auch irgendwo auf der Welt ein Erdbeben aus, wer weiß. Den Hausmeister oder einen Fahrstuhl-Pannenservice benachrichtigt er aber mal definitiv nicht.

Jedes Mal, wenn ich meine Freundin besuche, stell ich mir wieder die Frage, riskiere ich den Fahrstuhl oder lauf ich hoch? Aber meine sagenumwobene Faulheit siegt immer. Und so ein kleines bisschen Nervenkitzel ist ja auch dabei. Also warte ich gestern, wie schon so oft, auf den Aufzug, während ein äußerst attraktiver junger Mann mit einem Kasten Bier unterm Arm die Eingangshalle betritt. Er gesellt sich zu mir, wir warten gemeinsam auf den Fahrstuhl und ich schau ihn mir etwas genauer an. Groß, volle dunkle Haare, dunkle Augen, lässiges Sommer-Outfit, Flip-Flops, sportlich trainierter, sonnengebräunter Körper. Sehr lecker.

Der Fahrstuhl kommt, wir steigen ein, er fragt mich „Wo musst Du hin?“ und ich antworte „in die fünf“. Er drückt die fünf, dann die drei und die Fahrstuhltür schließt sich. Der junge Mann lächelt mich an und nimmt seinen Bierkasten unter den anderen Arm. Der Aufzug stoppt, die Tür geht auf und der junge Mann sagt „Tschüss, schönen Abend noch!“

WARUM ZUM GEIER kann dieser verfluchte Scheiß-Drecks-Aufzug nicht ausnahmsweise heute mal stecken bleiben? Dauernd höre ich Horrorgeschichten von kleinen Kindern die stundenlang darin ausharren müssen, alten Omis, die Panikanfälle bekommen, Einkäufern aus dem sich darunter befindlichen Supermarkt, deren Tiefkühlware langsam vor sich hin schmilzt während sie auf den Pannendienst warten. Alle ärgern sich. Und nun komm ich, treffe einen Gott von einem Mann in diesem Aufzug, der noch dazu Bier mit dabei hat, und dieser Scheiß-Aufzug funktioniert einfach so als ob nichts wäre.

Stellt Euch vor, was dies für eine schicksalhafte Begegnung hätte werden können? Wir hätten uns in aller Ruhe kennen lernen können, er hätte mir seinen Namen verraten und ich ihm meinen, er hätte mir von seiner Wohnung im dritten Stock erzählt (in welcher er als Single natüüüürlich alleine wohnt), wir hätten zusammen Bier getrunken und gewartet und geredet, wir hätten lustige Mutmaßungen über unsere Rettung angestellt, hätten unsere Telefonnummern ausgetauscht, hätten für den Fall, dass wir hier jemals wieder rauskommen würden, ein Date vereinbart, wir hätten weiter Bier getrunken, wir hätten über unsere Kindheit geredet und unsere Zukunftswünsche, wir hätten rumgealbert, gelacht, und irgendwann wäre ich in seinem starken Armen eingeschlafen, der Hausmeister wäre gekommen, hätte uns gerettet und ein halbes Jahr später hätten wir geheiratet.

Aber nein, dieser beknackte Aufzug muss ja ausgerechnet gestern funktionieren. Scheiße aber auch.

In diesem Sinne, verlasst Euch nie auf die Technik.

Eure Fahrstuhlpraline

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15 Kommentare

  1. also ich hätte trotz des lecker typen die absolute panik geschoben. ich glaub ich hätte mit dem dann nur um den kasten bier geprügelt um meine panik zu ertränken 🙂

    aufzüge sind für mich der blanke horror! alleine steig ich eigentlich scho lange in keinen mehr und wenn ich in den 17.stock müsste!

    ich bin dann wohl nur noch die zweit faulste socke auf gottes erden 🙂

  2. Oooohhhh meine Liebe!
    Unser geschultes, technisch in höchstem Maße begabtes Fachpersonal von Administratoren hier im Haus sagt mir jedesmal wenn ich sie rufe: Die Technik ist nicht das Problem, sondern der Mensch der davor sitzt/steht. (nur so am Rande: ich könnte trotzdem immer wieder schwören der PC hat schuld, wurscht)

    Und ich glaube fast, das war bei dir gestern auch der Fall. Vielleicht war das genau der Knopf für diesen „Notfall“ und du hast es schlicht und ergreifend nur nicht erkannt. Bist davor gestanden, vielleicht war dein Herzbubi auch Admin und hat nur drauf gewartet, dass du drückst…*hach*

    Ich hoffe, du läßt die Sache nicht auf sich beruhen. Ich will wissen was es mit diesen Notknöpfen in Fahrstühlen näheres auf sich hat – für den Fall das mir das mal passieren sollte.

  3. @ mädels:

    nein, natürlich nicht. Ich hab danach schon zu meiner Freundin gesagt dass ich jetzt täglich auf der Matte stehe, bzw. bei ihr unten vorm Fahrstuhl rumlungern werde, solange bis Mr Flip-Flop wieder auftaucht. Und bis es soweit ist habe ich sämtliche Fachliteratur zum Thema „Knöpfe in Aufzügen“ gelesen.

    Seid Ihr dann meine faulen-Socken, äh Brautjungfern? 😉

  4. Ja Juhu! Ich bin dabei und steh gern Wachtposten um dir Bescheid zu geben wenn er um die Ecke schleicht und sich dem Fahrstuhl nähert 🙂
    Aber das mit dem Knöpfchen mußt du schon vorher testen, gell! Nicht dass die Technik doch streikt! Und dann… war alle Mühe umsonst! Naa naa, des woll ma net.

    Mit Braut-JUNGFER kann ich nicht mehr dienen….. wobei….. astrologisch betrachtet….wenn dir das genügt!?

  5. @kakarot:

    genügt mir völlig. Schon alleine aus dem Grund weil ich in unserer Altersklasse wohl keine echte Jungfer mehr auftreiben werde 😉

    Ihr müsst mir dann nur Bescheid geben, ob Ihr zu den Brautnichtmehrjungfernkleidern dann Push-Ups haben wollt *lach*

  6. Näääää – ich als nymphomanische Hausfrau, die keine Jungfer mehr ist – ich trag doch keine Unterwäsche – auch oben rum nicht. Wo denkst du hin? Ich kenn mich doch aus und weiß was Sache ist!

    *muhaha* Ich lach mich grad kringlig.

  7. @kakarot:
    Hab ich mir gedacht *lach*
    ich versteht den allrounder im übrigen eh nicht. Ich mein, hallo, ist eine von uns HAUSFRAU *looool*

  8. Nein – unter uns ist definitiv niemand HAUSFRAU! So eine Beleidigung! Hamma!

  9. @kakarot:

    eben! Hausfrauen! So ein Käse! Wir haben Jobs, wir haben Kinder, wir haben Männer, wir wir schreiben Blogs, wir haben Spaß. Uuuuund wir bemühen uns um tagtäglich um den Weltfrieden. Und das alles gleichzeitig.

    Und die Männer? Die sind schon stolz wenn sie zur selben Zeit rülpsen und furzen können. Also bitte. Hausfauen! *pah*

  10. Mal wieder ne Memo an mich: Zum Aufreißen von Ladys mit einem Sixpack unterm Arm den ganzen Tag Fahrstuhl fahren. Vorher irgendwie noch eine Fernbedienung für die Fahrstuhlbremse basteln.

    „Und die Männer? Die sind schon stolz wenn sie zur selben Zeit rülpsen und furzen können. Also bitte. Hausfauen!“

    Das hab ich lange versucht und kriegs immer noch nicht hin. Erfordert mehr Körperbeherrschung als Frau vielleicht glauben mag.

  11. Na ja, also, das mit dem Weltrieden überlaß ich dann doch meinem Mann – der nimmt dann immer die Zeitung und sein Handy und verschwindet für ne Stunde. Jaaaa, mein Mann auch zwei Dinge gleichzeitig 😛

    Und was den Allrounder betrifft – der könnt sich doch auch mal dazu äußern. Sonst muß ich tatsächlich Mutmaßen wie das denn ist mit den Pornohäschen und uns nymphomanischen Hausfrauen. Vielleicht ist die Theorie von den Häschen doch falsch und er ist in Echt ein hausierender Vorwerk-Vertreter der den gelangweilten Damen bevorzugterweise vor- und nachmittags zu Hause den Teppich saugt, während deren Männer hart schuften. Vielleicht hat er uns mit denen verwechselt … *auf den Tisch klopf* Allrounder ich bitte um Aufklärung!

  12. @kakarot!

    VORWERKVERTRETER!!!! Wie geil! So einer war viel vielen vieln Jahren auch mal bei mir. Als ich ihm gesagt hab ich will seinen Scheiß nicht kaufen, meinte er: „Ja sprechen Sie doch heute Abend mal mit Ihrem Mann, wenn Sie über eine so teure Anschaffung nicht alleine entscheiden dürfen!“

    So muss man mit sich reden lassen, wenn man den Ruf als (nymphomanische?) Hausfrau hat…. unglaublich.

  13. @Christian:

    ja, eigentlich hast du Recht. Bevor wir über das gleichzeitige rülpsen und furzen lästern sollten wir es doch besser selbst draufen haben, oder? Also, wenn das tatsächlich zum Weltfrieden beitragen kann, dann probier ich’s. Ehrenwort!

    Und was das Aufreißen von Frauen im Fahrstuhl betrifft: Vergiß die Flip-Flops nicht 😉

  14. Also bitte, dafür is der rote Knopf doch da, um ihn im „Notfall“ zu drücken!! Und wenn das kein „Notfall“ war, was denn dann!?!?! 🙂
    Wahrscheinlich hatte Mr. Flip-Flop blos keine Hand frei (einen Kasten Bier lässt man(n) nicht aus den Augen), sonst hätt er´s selber gemacht!

  15. @ dammerl:
    Mist! Mist Mist Mist! Das kommt davon wenn man wie ich so übervorsichtig ist! Zukünftig drück ich, egal wo ich bin erstmal alle Knöpfe um zu schauen was passiert. DAmit ich für einen echten Notfall wie diesen gerüstet bin!

    lg


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