Umgehend. Sofort. Also morgen. Oder nie.


Ach, wie einfach war das früher mit dem Geld. Dir wurde eine lustige Spardose geschenkt, handlich, stabil, aus lackiertem Holz und mit einem Grimm’s-Märchen-Motiv drauf. Die Oma hat Dir immer mal wieder ein paar Mark zugesteckt, die Du, natürlich noch vor Ihren Augen, dann brav OLYMPUS DIGITAL CAMERAreingeschmissen hast und einmal im Jahr war dann Weltspartag, die Mama hat den Schlüssel rausgerückt und stolz bist Du zur Sparkasse gelaufen, hast Deine siebenunddreissig Mark fünfzig ausleeren lassen und zur Belohnung einen Haufen Krimskrams geschenkt bekommen. Ein Malbuch, bunte Sticker und natürlich den obligatorischen Bogen Spielgeld, wo Du dann zuhause erstmal alle Pfennige und Zehnerl und Fuchzgerl rausgepfriemelt hast und dann wieder der King warst im Kaufmannsladen oder bei der Kinderpost.

Heute ist das nicht mehr so simpel. Ich hab zwar noch mein Kleingeld-Glas auf dem Kühlschrank stehen, aber bis da mal 37,50 drin sind, da vergeht schon mal ne Zeit. Irgendwann war nämlich mal mein letzter Weltspartag und statt Malbuch und Spielgeld hab ich mein erstes Girokonto bekommen. Und ich bin mir sicher, als ich dafür unterschrieben hab, stand wohl irgendwo ein klitzekleiner Passus im Kleingedruckten dass die Sparkasse jetzt sieben Zehntel meiner Seele besitzt. Aber was weißt Du als Teenager schon vom Kleingedruckten, geschweige denn von Seelen. Mit 15 tauscht Du die eh ohne nachzudenken sofort ein, wenn dafür nur der Hausarrest weg ist oder der süße Tom aus der 9b endlich mal checkt dass Du seine große Liebe bist. Von dem her, alles noch cool.

Die Regeln der Marktwirtschaft haben es vorgesehen dass Du erstmal ordentlich auf die Schnauze fällst mit Deinem Girokonto, weil jetzt hast Du ja eine niegelnagelneue EC-Karte und wozu ist das Ding denn gut wenn nicht um es zu benutzen? Unheimlich erwachsen schiebst Du bei H&M und Co. Deine Karte über den Tresen und ritsch-ratsch biep biep gehören Dir all die tollen neuen Sachen, über die Du Dich riesig freust, und zwar genau so lange bis Du merkst, dass Dein Geld nicht automatisch auf dem Konto bleibt nur weil Du ja jetzt mit Plastik zahlst. Irgendwann kommt die Erleuchtung über Dich und Du verstehst den Sinn hinter dem Wort „bargeldlos“, Scheiße verdammte!

Aber das legt sich und gehört wohl irgendwie zum Lernen dazu. Irgendwann hast Du’s verstanden und kommst halbwegs klar mit den Zahlen auf Deinem Kontoauszug. Plus ist gut, minus ist schlecht, ganz einfaches System. Im Laufe der Jahre summieren sich aber die Minuszahlen, weil plötzlich will da irgendein blöder Vermieter Kohle von Dir haben, für’s Wohnen, für’s WOHNEN! Ich hab noch nie für’s Wohnen bezahlt, ich hab ja immer nur mitgewohnt, also was soll das! Wer will schon Wohnen, wenn er sich auch neue Schuhe kaufen kann! Aber hilft ja nichts, Du hast also einen ordentlichen Betrag Minusgeld auf Deinem Auszug und daneben noch viele andere. Schließlich brauchst Du ein Telefon, und Internet, ein Handy, Strom (wenn schon wohnen, dann wenigstens nicht im Dunkeln), eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio, scheißegal ob du die nutzt, die muss einfach sein. Ja und natürlich noch den ADAC und überhaupt, GEZ! (A propos, warum wird GEZ eigentlich nicht gleich direkt über die Lohnabrechnung gemacht? Geht doch mit den anderen Zwangsabgaben auch?)

Eine ganze Latte an Minusposten hab ich übrigens mit Versicherungen. Wenn ich mir das jeden Monat so anschau, dann müsste mein Leben einschließlich Hab & Gut ja so wertvoll sein dass es zahlenmäßig gar nicht mehr erfasst werden kann. Dabei hab ich noch nicht mal was Besonderes, ein bißchen Auto, ein bißchen Haftpflicht und Hausrat, ein wenig Rechtsschutz und eine kleine Spaß-Versicherung zur Altersvorsorge, davon kann ich mir 2059 vielleicht mal ein Eis kaufen oder, wenn’s gut läuft eine neue Heizdecke.

Warum erzäl ich euch das alles? Weil ich letzte Woche mal meine Versicherung kontaktiert hatte. Ich hab eine einfache Frage gestellt und wollte darauf eine wennmöglich einfache Antwort. Der erste Sachbearbeiter sagte: „Ich klär das ab und rufe Sie am Mittwoch gegen 10:30 Uhr an.“ Der zweite antwortete auf meine E-Mail mit: „Kläre ich sofort ab und schreibe Ihnen die Daten dann spätestens morgen.“ So, „morgen“ war, ebenso wie „Mittwoch gegen 10:30 Uhr“ GESTERN und ich habe weder von Nr. 1 noch von Nr.2 auch nur einen Pieps gehört. Wahrscheinlich lachen sich die beiden noch immer scheckig, ganz nach dem Motto: „Stell Dir vor, hat die Frau doch tatsächlich ne Frage! Ne FRAGE!!! Hahaha, dabei hab ich die Provision von dem Vertrag doch schon vor Jahren auf den Kopf gehauen! Hahaha, unsere Kunden sind so lustig!“

Ich wollte jetzt heute nochmal nachhören und dann sollten mir die beiden Herren mal erklären was denn so schwer daran ist eine simple Information aus dem Rechner zu ziehen. Ich rechnete schon mit was wie „boah- suuuper-schwer, weil, also nämlich das mit dem Datenziehen wurde damals in der Schule nicht mehr unterrichtet, dafür gab’s aber ne Doppelstunde „Provision kassieren leicht gemacht“!“ Aber letzten Endes haben die zwei mir gar nichts erklärt. Der eine hat Urlaub, der andere ist krank. Aber ich könnte ja die „Service“nummer anrufen. „Servicenummer“, ja nee, is klar.

Manchmal wünsch ich mir einfach mein altes Sumsi-Konto zurück und die Holzspardose mit dem Rotkäppchen drauf. Dann würde ich wieder einmal im Jahr zur Bank laufen, meine Münzen zählen lassen und zur Belohnung können die mir ja jetzt eine Flasche Wein überreichen oder ein paar Pralinen. Mit Malbüchern hab ich’s nicht mehr so. Auf jeden Fall müsste ich mich dann nicht mit all dem Finanzkram beschäftigen, der mir sowas von gegen den Strich geht und sich vermutlich eh nicht lohnt, weil bis ich mal in Rente bin ist der Euro eh tot oder aber ich muss mit meinen paar Knutscherln noch ein paar Staaten retten, ich hab’s ja.

In diesem Sinne
„Don’t call us, we call you!“

Das mit den Grüßen klär‘ ich eben noch ab und schick sie Euch morgen, ok?

Eure Sparpraline

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