Himmel Landshut, Tausend Landshut, Hallloooooo!

Nachdem das Wetter uns zur Zeit so arg im Stich lässt, setz‘ ich jetzt meine ganze Hoffnung auf Sommer auf die LaHo. Ich bin festen Glaubens dass wir dann vier Wochen toujours Sonnenschein haben werden und ich mich von Freitag Nachmittag bis Sonntag Abend mit meinen Freunden aufs Historischste betrinken kann. Jawoll.

Nur gestern kam jetzt in der Runde so das Thema auf, dass wir Landshuter unser weltweit bekanntes Fest zwar alle vier Jahre innigst zelebrieren, keiner aber so recht Bescheid weiß, wieso eigentlich. „Äh ja, da war doch diese Prinzessin mit dem Herzog und so….“ Genau, soweit schon mal richtig. Für alle Ahnungslosen, Zuagroasten, Touristen, Ingeschichtesechserschreiber und natürlich alle Freunde des gepflegten Betrinkens hier nun eine kurze Zusammenfassung. Umsonst und gratis von mir für Euch.

Es ward also im Jahre des LaHo ZugHerren 1475, als Herzog Georg der Reiche, Sohn von Herzog Ludwig und mit seinen blutjungen 20 Jahren schon mitregierender Herzog, die polnische Prinzessin Hedwig, Tochter von Polenkönig Kasimir IV., ehelichte. Ob das nun die große Liebe war sei dahin gestellt, damals gab’s im Gegensatz zu heute noch plausiblere Gründe für’s Heiraten, Geld und Macht zum Beispiel. Oder Schiss vor den Türken. Die hatten nämlich 1453 Konstantinopel erobert und irgendwie machte das den Herrscherhäusern rundherum Bauchschmerzen. So haben sich also Papa Ludwig und Schwiegerpapa Kasimir zusammengesetzt und beraten und die Verbindung der beiden Häuser besiegelt. Ich frag mich wie das heute wär, wenn sich die Bayern mit den Polen gegen die Türken zusammentun würden…. der Seehofer beschließt einfach mal dass in Dönerbuden nur noch Leberkäs verkauft werden darf und während die Türken deshalb auf die Barrikaden gehen, klauen ihnen die Polen ihre 3er-BMWs und schon wären sie nicht mehr mobil und das Reich wieder gesichert. Da muss heute nicht mehr extra eine schöne Holde aus fernen Landen anreisen, das schaffen wir so.

Aber ich schweife ab. Die Heirat war also beschlossene Sache und es ging an die Planung. Kurz noch einen päpstlichen Dispens eingeholt, weil irgendwie waren sowohl Georg wie auch die schöne Hedwig über tausend Ecken mit dem österreicheischen Herzoghaus verwandt und naja, der Papst sollte da halt seinen Segen geben für den Fall dass blöde Kinder rauskommen oder so, wie auch immer. Georg, der kleine Macho wollte aber dann partout nicht in Polen heiraten (gut, wer will das schon?), er sagte „Och nöö Papa, weißt Du, der Kaiser kommt doch bald nach Landshut und außerdem, die Straßen da rüber sind so kacke und überall lungern so diese Scheiß-Pestkranken rum, hey komm, das geb‘ ich mir nicht, soll die Alte doch herkommen wenn sie schon was von mir will!“ Der Papa hat dann nicht lange gefackelt und seinen Buddy, den Herzog von Neumarkt mit großem Gefolge losgeschickt um die Braut abzuholen. Im Übrigen hatten die bei allen Verhandlungen einen Übersetzer dabei, weil die schöne Hedwig, obwohl ihre Mutter Österreicherin war, nur sehr vage Kenntnisse der deutschen Sprache hatte (ah ge heast?).

Die schöne Hedwig trat also die beschwerliche Reise nach Landshut an (2 Monate hat das gedauert, naja, ddamals gabs noch keine 3er BMW und Ihr wisst ja, wie Frauen auf Reisen so sind „Mi friert’s“ „I muss pieseln!“ „Des blöde Pferd wackelt so!“, das zieht sich dann natürlich). Aber endlich angekommen wurde sie dann belohnt und durfte eine ganze Woche lang Hochzeit feiern. Spiele, Turniere, Tanz, Geschenke, und natürlich wurde ordentlich gefressen und gesoffen. Die Trauung selbst fand in der damals noch nicht im finalen Bauabschnitt befindlichen Kirche zu St. Martin statt *. Alles, was Rang und Namen hatte war eingeladen, also nicht nur die Daniela Katzenbergers und Lothar Matthäusse, sondern schon echt so die richtig wichtigen Leute im Reich. Drum ja auch der ganze Zinnober, man wollte ja die neugewonne Macht entsprechend gut promoten. Und weil die Landshuter immer schon cool waren, gab es auch ein Gebot vom Herzog, dass während der Festwoche kein Bürger der Stadt für Essen bezahlen darf, kein Wirt, kein MetzgerLaHo Ritter kein Bäcker durfte Geld für Waren nehmen, alle Bürger wurden in der Herzogsküche für lau verpflegt.

Nach einer Woche war der Wein alle, die Ochsen aufgegessen, die Tänzer müde und die Turnierritter samt Pferden tot oder wenigstens schwer verwundet und somit konnten die Frischvermählten wieder zum Tagesgeschäft übergehen. Soll heißen: Georg hat die Gattin zügigst von der Burg Trausnitz in die Zweitburg nach Burghausen verfrachten lassen (wer will schon auch mit der eigenen Frau in der selben Burg leben, ne ne, nachher mault die noch rum wegen liegengelassener Socken oder nicht rausgebrachtem Müll) und widmete sich wieder dem Regieren.

Für heutiges Verständnis wo jeder Bauer seine Frau mit Millionenpublikum ehelichen kann und ein „Bachelor“ schon mal 20 Prinzessinnen gleichzeitig den unbedeutenden Hof macht  relativ unspektakulär, aber historisch doch bedeutend genug um seit Beginn des 20. Jahrhunderts die Feierlichkeiten alle vier Jahre nachzuspielen. Haben 1903 noch nur knapp 150 Bürger das Spektakel nachgespielt, so sind heute ca 2500 aktiv daran beteiligt. Der große Festumzug findet immer sonntags statt und Glück dem der frühzeitig Karten ergattern konnte oder aber eine Wohnung in der Alt- oder Neustadt in Landshut sein Eigen nennt. Fensterplätze sind heiß begehrt, ich habe sogar schon Angebote gelesen, dass man sich für 60 EUR pro Person einmieten kann (max. 5 Mann pro Fenster, 1 Getränk frei). Wer sich hier finanziell nicht so ruinieren möchte, kann das historische Fest immer gerne im Lagerleben auf den Turnierplätzen erleben oder aber hat Glück und bekommt eine kleine Gratisvorführung der Gaukler, Sänger, Fahnenschwinger während er gemütlich mit Freunden ein kleines Tribünenfestl feiert (die schönste Nebensache der Welt. Also, während LaHo. Als Single.)

In diesem Sinne, ein großes Halllllloooooooo und ich freu mich auf die Landshuter Hochzeit 2013.LaHo Burg

Wenn irgendwer noch so ein schönes LaHo-Becherchen für mich übrig hat, her damit. Ich geb‘ dafür in den Tribünen auch gerne ein Weinderl aus.

Eure Hochzeitspraline

* für meine liebe Freundin K.: Mit 130,6 m tatsächlich der höchste Backsteinturm weltweit. Baumeister: Hans Krumenauer, Hans von Burghausen, Hans Stethaimer und Stefan Purghauser (Quelle: Wiki, ganz schön viele Hansens damals….?)

(Bilder: (c) „Die Förderer“ e.V. Landshut)

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Lieber Petrus, wir müssen mal reden…

Lieber Petrus,

setz‘ Dich, wir müssen reden!

Weißt Du, gestern war ich wie fast jeden Samstag beim Aldi und vor mir schiebt eine alte Oma so ihr Wägelchen vor mir her und murmelt die ganze Zeit in ihren nicht unerheblichen Damenbart: „Ja kruzefix, is des koid! Kruzefix, kruzefix, mei, so koid is des!“ Und ja, ich musste der OLYMPUS DIGITAL CAMERAverwirrten alten Dame leider recht geben. Auch heute, Sonntag, am MUTTERTAG, hat es hier gerade lächerliche 9,3°C. Relative Feuchte 82%, 21,7 km/h Westwind.

Sag mal, ist irgendwas nicht ok, hast Du Probleme, willst Du drüber reden? Komm, ich mach uns nen Tee und dann kotzt Du Dich mal richtig aus, einverstanden?

Seit 35 Jahren sind wir nun zusammen, Du und ich, und ich kann ja verstehen, dass die Luft ein bißchen raus ist bei uns. Aber deshalb alle Menschen auf der Erde mit Scheiß-Wetter bestrafen nur weil Du eine Krise hast, das ist so nicht ok. Ich hab ja schon langsam Angst dass mir morgens ein Mammut über’n Weg läuft wenn ich aus der Haustür raus geh. Schatz, es ist Mitte MAI!

Alles hab ich getan für Dich, den ganzen langen Winter hab ich für Dich gefroren, Eis gekratzt, ich hab Dir Weihnachten sogar Deine Lieblingsplätzchen gebacken. Aber Du wusstest das gar nicht zu schätzen, über Monate hast Du Dich in der Dunkeheit vergraben und sogar unsere Freundin die Sonne war total pissig auf Dich. Was ist denn los mit Dir? Ich mein, wenn Dir was auf der Seele brennt dann mach den Mund auf! Ich kann nicht riechen was Dich bedrückt! Haste Ärger mit’m Chef?

Du weißt doch noch, wie wir im letzten Urlaub Pläne gemacht haben für unseren nächsten gemeinsamen romantischen Sommer! Du hast mich „Liebling“ genannt, und mir gesagt ich soll die schönen offenen Schühchen aus dem Schrank holen und meine Kleidchen aufbügeln und dass Du mit mir endlich mal wieder in einem lauen Sommerlüftchen einen Cocktail schlürfen willst…. was ist daraus geworden? Ich hab bei meinen Freundinnnen total angegeben mit Dir, so von wegen, bald sitzen wir wieder alle im Biergarten und genießen Sonne, Wein und Obatzd’n! Hast Du Dich eigentlich mal gefragt wie Obatzda schmeckt bei 9,3°C??? Pah, natürlich nicht, kann Dir ja auch wurscht sein, der feine Herr frisst ja nur Himmelsbrot…. aber wir hier unten, wir wollen endlich wieder Kas und Brez’n! Himbeereis! Hugo auf Eis mit nem großen bunten Strohhalm! Keinen Pfefferminztee und warme Socken auf der Couch?

Weißt Du, ich hab Sonnencreme gekauft. Und meine Beine rasiert. Meine Nagellack-Kollektion auf Sommerfarben umgestellt. Und wozu? Dass ich jetzt mit den Anti-Frost-Socken vom Deichmann daheim rumlauf während ich mir eine heiße Kartoffelsuppe mit Würstl koch anstatt einfach in Flipflops durch die Stadt zu laufen und Pistazieneis zu schlecken. Ein toller Freund bist Du!

Sag mir doch mal bitte was los ist. Geht’s um den Kachelmann? Ich weiß der war Dein Freund, aber ICH kann nix dafür dass die den abgesägt haben! Und ich will jetzt endlich mal eine klare Ansage von Dir, was Sache ist. Ich helf Dir gern aus der Scheiße wenn’s ist, aber wenn Du nicht mir mir redest, dann kann ich das nicht. Ich will nicht länger zuschauen müssen wie Du Dich gehen lässt und Deine Scheiß-Laune an uns auslässt.

Ich will den alten Petrus zurück, den der auf’n Schlag Sommer macht und mir und allen meinen Mitmenschen ein Lächeln ins Gesicht zaubert! Ich will raus an die Sonne, will schwitzen und baden gehen und ja, von mir aus auch nen kleinen Sonnenbrand kriegen! Bei facebook hat letztens einer gepostet „I mog den Sommer in Bayern. Des is‘ de scheenste Woch im Jahr!“ Das fällt ja mal wohl komplett auf Dich zurück, willst Du Dir sowas echt nachsagen lassen?

Also komm, reiß‘ dich zusammen. Ich geb‘ dir kommende Woche noch Zeit zum Nachdenken, aber dann hab ich Urlaub und den werd‘ ich mit Sicherheit nicht mit Dir daheim auf der depperten Couch verbringen. Wenn Du Dich bis dahin nicht eingekriegt hast, dann muss ich wirklich ernsthaft eine Trennung in Erwägung ziehen. Und das willst Du doch nicht. Oder? Schatz? 😉

 

 

 

„Größen“-Wahn oder: „Da passt‘ ja dreimal rein!“

Es ist schlicht und ergreifend faszinierend.

Meiner Kollegin ist heute morgen durch ein blödes Missgeschick der Ärmel ihrer Bluse aufgerissen. Soweit kein Drama, würde nicht für den Nachmittag ein wichtiges Meeting anstehen, bei dem der Dresscode „Business Casual“ eben eine halbwegs schicke weiße OLYMPUS DIGITAL CAMERABluse erfordert. Was macht die Kollegin also? Nein, sie fährt nicht mal eben ins nächste Bekleidungsgeschäft, sondern, und jetzt kommts: schickt ihren MANN! Ruft den Göttergatten an, sagt sowas wie „Du, Schatz, ich hab mir meine schöne Bluse kaputt gemacht. Kannst Du mal eben los und mir eine neue kaufen und sie in die Arbeit bringen?“ Keine dreiviertel Stunde später steht der Gatte in der Tür, hat eine niegelnagelneu gekaufte Bluse in der Hand und das Ding passt ihr wie angegossen…. ich sag ja,faszinierend.

Die beiden sind seit 14 Jahren ein Paar, vielleicht liegt’s daran. Vielleicht ist ihr Mann auch einfach nur detailverliebt und kennt die Abmaße seiner Liebsten auf den Millimeter genau. Oder er war in einem früheren Leben mal Schneider oder Architekt oder vielleicht auch der Erfinder des Maßbands, ich weiß es nicht, ich stand nur da und konnt’s nicht fassen.

Mir hat auch mal ein Mann Kleidung gekauft. Er dachte er mache mir eine Freude damit. Somit durfte ich eines Tages ein wunderschönes Kleid auspacken, aus einer wunderschönen Schachtel von einem wunderschönen Laden, den ich sonst nur der Accessoires wegen betrete, weil Armreife und Ohrringe nun mal one size fits all sind, ganz im Gegensatz zu den Kleidungsstücken die es dort so gibt. Eine geschmeidige Größe 38 liegt also in der Schachtel und nach dem ersten Lacher werd‘ ich ein bißchen sauer und frag meinen Süßen ob er mich denn eigentlich verarschen will und dass ich schon selber wüsste dass ich ein paar Kilöchen zuviel mit mir rumtrage und dass ich keineswegs ein „Motivationskleid“ brauche und überhaupt, was er doch für ein unsensibler Arsch sei und verstehen würd‘ er mich sowieso nicht und Sex gäb’s jetzt auch keinen mehr und seine Mutter fänd‘ ich auch scheiße und überhaupt könnt‘ er ned autofahren und nie bringt er den Müll runter und und und…

Der Arme wusste gar nicht wie ihm geschieht. Er hat es wirklich nur gut gemeint und hat mich der Verkäuferin sogar noch beschrieben, damit er auch ja die richtige Größe kauft. Er hat mir sogar gestanden, dass er der Verkäuferin gesagt hätte ich wäre „etwas üppiger gebaut“, süß, gell? Und dann hat er einfach auf Anraten dieser offensichtlich äußerst versierten Fachkraft die größte Größe, nämlich eine 38 (!) gekauft und jetzt hält er dieses putzige Kinderkleidchen so neben mich hin und meint: „Ach geh, da passt Du doch dreimal rein!“ Netter Versuch, Schatz. Als er später dann weg war hab ich spaßeshalber dann doch eine vorsichtige Anprobe gestartet. Selten so gelacht. Und geweint.

Er hat aber nicht aufgegeben und nachdem irgendwann etwas Gras über die Kleidersache gewachsen war, kam er erneut mit einem Päckchen an. Ich hatte nämlich schon länger mit schöner, sündhaft teurer Wäsche geliebäugelt und da dachte er wohl, er könnte uns quasi beide damit beschenken.Ich also voller Vorfreude das Schleifchen aufgemacht und im Hinterkopf noch so meine Gedanken „Sowas wie mit dem Kleid wird ihm ja nicht nochmal passieren und hey, die Schachtel ist von …. hui, wie schööööön, wie geil, wie phänomenal großartig, genau das was ich wollte!“ Äh, nein. Doch nicht. Also, eigentlich ist es schon genau das wunderschöne Teil das ich unbedingt gerne wollte. Aber es ist… zu GROß!!! Wenn ich die Körbchen des BH’s so ansehe, dann hätte Dolly Buster damit vielleicht ihre Freude gehabt, aber ich hätte da noch gefühlte fünf Paar Socken reinstopfen müssen. Ein Blick auf das Schildchen bestätigt mir, dass mein Freund eindeutig Wahrnehmungsstörungen hat. Wie um alles in der Welt nimmt der meinen Busen wahr? Und da stell ich mir doch ernsthaft die Frage, wie kann es sein, dass die Häuser die mein Mann so baut (er ist von Beruf Statiker) noch stehen? Würden mir sein KLEID und sein BH passen, ich müsste wohl auf allen vieren gehen, bzw. bin ich mir nichtmal sicher ob ich mit der Anatomie überhaupt noch lebensfähig wäre…. Mann Mann Mann…

Letztendlich haben wir drüber gelacht und er hat es aufgegeben mir weiterhin Kleidung zu schenken. Irgendwie fand ich’s auch süß, war es doch ein perfekter Beweis dafür dass ich von ihm ganz anders wahrgenommen wurde als ich in absoluten Zahlen tatsächlich war und diese Zahlen somit keinerlei Rolle spielten und spielen. Und wenn man’s mal von der anderen Seite aus betrachtet. Würd‘ ich Männerzeugs kaufen gehen, ich würd‘ auch nur das Falsche mit heimbringen. Oder wenigstens 20 mal von unterwegs anrufen und nachfragen. Glaubt mir, MICH schickt sicher kein Mann mehr in den Baumarkt.

In diesem Sinne, Hut ab vor dem Mann meiner Kollegin, das hat mich schwer beeindruckt. Und weil wir grad bei Kollegen und beeindruckt sind: Danke an den lieben D. dafür dass das Pralinchen nun endlich auch ein Billy-Idol-Album besitzt! Ich freu mich!

Zu enge weite Größe, äh Grüße

Eure Kleiderpraline

Umgehend. Sofort. Also morgen. Oder nie.

Ach, wie einfach war das früher mit dem Geld. Dir wurde eine lustige Spardose geschenkt, handlich, stabil, aus lackiertem Holz und mit einem Grimm’s-Märchen-Motiv drauf. Die Oma hat Dir immer mal wieder ein paar Mark zugesteckt, die Du, natürlich noch vor Ihren Augen, dann brav OLYMPUS DIGITAL CAMERAreingeschmissen hast und einmal im Jahr war dann Weltspartag, die Mama hat den Schlüssel rausgerückt und stolz bist Du zur Sparkasse gelaufen, hast Deine siebenunddreissig Mark fünfzig ausleeren lassen und zur Belohnung einen Haufen Krimskrams geschenkt bekommen. Ein Malbuch, bunte Sticker und natürlich den obligatorischen Bogen Spielgeld, wo Du dann zuhause erstmal alle Pfennige und Zehnerl und Fuchzgerl rausgepfriemelt hast und dann wieder der King warst im Kaufmannsladen oder bei der Kinderpost.

Heute ist das nicht mehr so simpel. Ich hab zwar noch mein Kleingeld-Glas auf dem Kühlschrank stehen, aber bis da mal 37,50 drin sind, da vergeht schon mal ne Zeit. Irgendwann war nämlich mal mein letzter Weltspartag und statt Malbuch und Spielgeld hab ich mein erstes Girokonto bekommen. Und ich bin mir sicher, als ich dafür unterschrieben hab, stand wohl irgendwo ein klitzekleiner Passus im Kleingedruckten dass die Sparkasse jetzt sieben Zehntel meiner Seele besitzt. Aber was weißt Du als Teenager schon vom Kleingedruckten, geschweige denn von Seelen. Mit 15 tauscht Du die eh ohne nachzudenken sofort ein, wenn dafür nur der Hausarrest weg ist oder der süße Tom aus der 9b endlich mal checkt dass Du seine große Liebe bist. Von dem her, alles noch cool.

Die Regeln der Marktwirtschaft haben es vorgesehen dass Du erstmal ordentlich auf die Schnauze fällst mit Deinem Girokonto, weil jetzt hast Du ja eine niegelnagelneue EC-Karte und wozu ist das Ding denn gut wenn nicht um es zu benutzen? Unheimlich erwachsen schiebst Du bei H&M und Co. Deine Karte über den Tresen und ritsch-ratsch biep biep gehören Dir all die tollen neuen Sachen, über die Du Dich riesig freust, und zwar genau so lange bis Du merkst, dass Dein Geld nicht automatisch auf dem Konto bleibt nur weil Du ja jetzt mit Plastik zahlst. Irgendwann kommt die Erleuchtung über Dich und Du verstehst den Sinn hinter dem Wort „bargeldlos“, Scheiße verdammte!

Aber das legt sich und gehört wohl irgendwie zum Lernen dazu. Irgendwann hast Du’s verstanden und kommst halbwegs klar mit den Zahlen auf Deinem Kontoauszug. Plus ist gut, minus ist schlecht, ganz einfaches System. Im Laufe der Jahre summieren sich aber die Minuszahlen, weil plötzlich will da irgendein blöder Vermieter Kohle von Dir haben, für’s Wohnen, für’s WOHNEN! Ich hab noch nie für’s Wohnen bezahlt, ich hab ja immer nur mitgewohnt, also was soll das! Wer will schon Wohnen, wenn er sich auch neue Schuhe kaufen kann! Aber hilft ja nichts, Du hast also einen ordentlichen Betrag Minusgeld auf Deinem Auszug und daneben noch viele andere. Schließlich brauchst Du ein Telefon, und Internet, ein Handy, Strom (wenn schon wohnen, dann wenigstens nicht im Dunkeln), eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio, scheißegal ob du die nutzt, die muss einfach sein. Ja und natürlich noch den ADAC und überhaupt, GEZ! (A propos, warum wird GEZ eigentlich nicht gleich direkt über die Lohnabrechnung gemacht? Geht doch mit den anderen Zwangsabgaben auch?)

Eine ganze Latte an Minusposten hab ich übrigens mit Versicherungen. Wenn ich mir das jeden Monat so anschau, dann müsste mein Leben einschließlich Hab & Gut ja so wertvoll sein dass es zahlenmäßig gar nicht mehr erfasst werden kann. Dabei hab ich noch nicht mal was Besonderes, ein bißchen Auto, ein bißchen Haftpflicht und Hausrat, ein wenig Rechtsschutz und eine kleine Spaß-Versicherung zur Altersvorsorge, davon kann ich mir 2059 vielleicht mal ein Eis kaufen oder, wenn’s gut läuft eine neue Heizdecke.

Warum erzäl ich euch das alles? Weil ich letzte Woche mal meine Versicherung kontaktiert hatte. Ich hab eine einfache Frage gestellt und wollte darauf eine wennmöglich einfache Antwort. Der erste Sachbearbeiter sagte: „Ich klär das ab und rufe Sie am Mittwoch gegen 10:30 Uhr an.“ Der zweite antwortete auf meine E-Mail mit: „Kläre ich sofort ab und schreibe Ihnen die Daten dann spätestens morgen.“ So, „morgen“ war, ebenso wie „Mittwoch gegen 10:30 Uhr“ GESTERN und ich habe weder von Nr. 1 noch von Nr.2 auch nur einen Pieps gehört. Wahrscheinlich lachen sich die beiden noch immer scheckig, ganz nach dem Motto: „Stell Dir vor, hat die Frau doch tatsächlich ne Frage! Ne FRAGE!!! Hahaha, dabei hab ich die Provision von dem Vertrag doch schon vor Jahren auf den Kopf gehauen! Hahaha, unsere Kunden sind so lustig!“

Ich wollte jetzt heute nochmal nachhören und dann sollten mir die beiden Herren mal erklären was denn so schwer daran ist eine simple Information aus dem Rechner zu ziehen. Ich rechnete schon mit was wie „boah- suuuper-schwer, weil, also nämlich das mit dem Datenziehen wurde damals in der Schule nicht mehr unterrichtet, dafür gab’s aber ne Doppelstunde „Provision kassieren leicht gemacht“!“ Aber letzten Endes haben die zwei mir gar nichts erklärt. Der eine hat Urlaub, der andere ist krank. Aber ich könnte ja die „Service“nummer anrufen. „Servicenummer“, ja nee, is klar.

Manchmal wünsch ich mir einfach mein altes Sumsi-Konto zurück und die Holzspardose mit dem Rotkäppchen drauf. Dann würde ich wieder einmal im Jahr zur Bank laufen, meine Münzen zählen lassen und zur Belohnung können die mir ja jetzt eine Flasche Wein überreichen oder ein paar Pralinen. Mit Malbüchern hab ich’s nicht mehr so. Auf jeden Fall müsste ich mich dann nicht mit all dem Finanzkram beschäftigen, der mir sowas von gegen den Strich geht und sich vermutlich eh nicht lohnt, weil bis ich mal in Rente bin ist der Euro eh tot oder aber ich muss mit meinen paar Knutscherln noch ein paar Staaten retten, ich hab’s ja.

In diesem Sinne
„Don’t call us, we call you!“

Das mit den Grüßen klär‘ ich eben noch ab und schick sie Euch morgen, ok?

Eure Sparpraline

Cinderella mit Links-Rechts-Schwäche

Offensichtlich hab ich doch ein Problem mit all dem Weißwein…. wie sonst ist ist mein folgender Total-Ausfall zu erklären?

Ich besitze seit geraumer Zeit wahnsinnig schöne Sling-Pumps von naja, sagen wir mal einer nicht gaaaanz so billigen Marke. Die sind einfach der Hammer, schlicht schwarz, spitz zulaufend, kleiner Absatz, passen zu allem und sind (obwohl sie nicht so aussehen) saubequem.

Irgendwann nachdem ich mir das erste Paar gekauft hatte, wurden sie runter gesetzt, also hab ich (vorausdenkener Mensch, der ich nun mal bin) gleich noch ein zweites Paar erstanden. Die beiden Paare begleiten mich nun also schon eine geraume Weile und machen mir nach wie vor viel Freude!

Wie das mit Lieblings-Schuhen aber nun mal so ist, irgendwann ist der Absatz abgelaufen. Tja, bei mir nicht nur abgelaufen, sondern komplett durch. Ich laufe auf Eisen. Und weil ich ja ne Doofnase bin und mir immer denke, ach komm, einmal geht schon noch, wars halt nun irgendwann sooo weit dass nicht nur der Absatz, sondern auch das Leder drum rum komplett durch war (ich wohne in einer mittelalterlichen Stadt, wunderschön, aber das Kopfsteinpflaster ist der Tod für jeden Schuh. Also für jeden SCHÖNEN Schuh, mit Trekkingschuhen oder Bundeswehrkampfstiefeln wär’s glaub ich nicht so das Problem….)DSC_1635

Ich also meine Schätze eingepackt und ab zum Schuster meines Vertrauens damit.Hab dem, beinah unter Tränen, das Elend präsentiert und gefragt ob denn noch was zu retten sei. Klar, meint er, kein Ding, er kann den Absatz erneuern indem er ihn komplett neu mit Leder bezieht. Super Sache, ich bin begeistert. Nur nicht vom Preis, verlangt der gute Mann doch tatsächlich 35 EUR dafür…. 😦 Kurz drüber nachgedacht und entschieden dass ich erstmal nur ein Paar richten lasse, ist ja nicht gerade billig der Spaß. Ich also das zweite Paar wieder eingepackt und gut wars.

Vor ein paar Tagen hole ich meine Lieblinge also dort ab und texte den Schuster noch zu wie toll sie jetzt wieder aussehen und dass er mein Held sei und überhaupt, gebt dem Mann einen Preis! Und dann ab in die Tüte damit und zuhause erstmal liegen gelassen, ist ja noch Winter. Dann wollte ich sie gestern anziehen, weil man munkelt ja dass der Frühling käme und so und nehm die Teile aus der Tüte. Freu mich immer noch wie wunderschön und neu sie aussehen…. doch dann kommt mir irgendwas komisch vor…. sieht seltsam aus das. Hirn an Praline: „Finde den Fehler!“ Oh nein! Ich halte doch nicht allen Ernstes tatsächlich ZWEI RECHTE SCHUHE IN DER HAND???  Wie blöd kann man denn eigentlich sein? Da hab ich dem Schuster einfach zwei Schuhe gegeben und nicht geguckt obs überhaupt zusammen passt! 35 Euro für’n Arsch Du dummes dummes dummes Ding!

Tolle Wurst. Jetzt sitz ich hier, mit zwei wunderschönen niegelnagelneuen RECHTEN Schuhen…. und die LINKEN sind nach wie vor Müll…..jetzt werd‘ ich wohl doch nochmal investieren müssen…. aber ehrlich gesagt trau ich mich nicht zum Schuster. Der lacht sich doch nen Ast! Ich Dödel habt mich so überschwängelich bedankt und ihn und seine Schuhmacherzunft in den Himmel gehoben und er hat sich vermutlich nur gedacht „Mann, die Alte hat aber echt einen an der Klatsche….“

Mann Mann Mann, ich könnte mich so in meinen dicken Hintern beißen! Vor lauter Frust über die eigene Dummheit hab ich dann gleich mal online Schuhe bestellt. Zwei Paar, eins zur Frustkompensation und eins weil die so schön geglitzert haben auf dem Foto, was willst machen, ich bin auch nur Frau…

Wer’s nicht im Kopf hat, hat’s in den Beinen Schuhen. Aber bald kommt ja ein schönes Packerl vom Versandhaus und wer weiß, vielleicht trau ich mich bis zum Sommer dann doch nochmal zum Schuster. Dann kann ich ihm ja die Geschichte erzählen wie meine Füße jetzt nach jahrenlangem Kampf mit der Krankenkasse endlich endlich umoperiert wurden und jetzt bräuchte ich bitte doch auch noch die linken Schuhe repariert….

By the way, da fällt mir doch glatt noch der Witz ein, den eine Kollegin mir letztens erzählt hat: Was kauft eine Frau mit zwei linken Füßen im Schuhgeschäft? FLIP-FLIPS! 😉

In diesem Sinne, verwechselte Grüße

Eure Schuhpraline

Mia red’n boarisch… und Ihr?

Wenn man seinen Geburtstag an ein einem Ort feiert, der „Bierparadies“ heißt, dann ist das ja schon an sich eine Würdigung seiner bayrischen Heimat.

Aber in besagtem Paradies hängt auch tatsächlich ein Schild, auf dem steht: „I red‘ boarisch… und Du?“ und dieses Schild hat unter uns Gästen eine wundervolle Diskussion ausgelöst, über die mitunter schönste Sache an Bayern. Den bayrischen Dialekt. Wobei, „Diskussion“ ist eigentlich falsch, es wurde ja nicht gestritten, vielmehr wurden die Feinheiten undOLYMPUS DIGITAL CAMERA Unterschiede aufgedeckt, die sich trotz weniger Kilometer Entfernung (nahezu alle Gäste kamen aus Niederbayern, wobei es nochmal einen großen sprachlichen Unterschied zwischen Niederbayern und Bayrischer Wald (=Woid) gibt) herausgebildet haben. A Traum, i sog’s Eich! Die Klassiker: Pluralbildung des Wortess „Ei“. Ich in landshut sag „oa Oa, zwoa Oa“, der Waidler sagt „Oa Oa, zoa Oier“ Ich sag „Do werad ma ja narrisch“ Da Waidler sagt „Mia wuradn ja narrisch“ („Wuradn“ ist jetzt übrigens mein neues Lieblingswort, und nein, ich war nicht betrunken…) Und was ist jetzt eigentlich, wenn der eine von „Stoana“ red’t , der andere von „Steana“ und doch meinen beide das gleiche („für Nicht-Bayern, es geht um Steine)

Ich persönlich fand’s ja immer schon sehr erheiternd, wenn jetzt ein Nicht-Bayer mit großen fragenden Augen vor mir steht, nur weil’s draussen minus 10 Grad hat und ich eben gesagt hab „Leck, i gfrier mir ja de Glupperl ob!“ Ich erklär ihm das gerne, ebenso warum ich im Sommer gern „Glapperl“ anhab, aber keine „Sandalen“ oder warum „Spezi“ zwar spitze ist, aber in Bayern bestellst lieber „an Spääze“, wenn ned sogar einfach nur a „Gwasch“. Beim „Gwasch“ muss jetzt ned zwingend Cola die Orange küssen, „Gwasch“ funktioniert eigentlich mit allem was man an Getränken so zusammenmischt. Wobei glaub ich kein Alkohol dabei sein darf, weil Wodka-Bull zum Beispiel wär jetzt kein „Gwasch“ (auch wenn’s so schmeckt). Wenn Du aber jetzt eine Limo mit Bier kombinierst, dann musst auch wieder vorsichtig sein, weil das kann wiederum alles sein, a Radler, a Russ‘, a Neger, whatever. Kommt immer drauf an, was für ein Bier, was für ein Limo. Ja-haa, hat ja keiner g’sagt dass des einfach wird lieber Nicht-Bayer! Vielleicht fang‘ ma doch mit den Basics an und Du lernst erstmal, wie man „Oachkatzlschwoaf“ ausspricht und malst mir bei Gelegenheit einen Wolpertinger, ok?

Zugegeben, wenn man der bayrischen Sprache nicht mächtig ist, dann kann das schon mal für Verwirrung sorgen. Du stehst z.B. mit einem Nicht-Bayern in irgendeinem Laden an der Kasse und die Verkäuferin fragt Dich „Brauchst a grässerne Dittn?“ Und während Deine nicht-bayrische Begleitung wohl grad vor Scham in den Boden versinken will ob dieser offensichtlichen Beleidigung Deiner eigentlich ganz passablen Oberweite und sich vielleicht sogar schon überlegt wie er Dich seelisch wieder aufbaut, nimmst Du einfach dankend die größere Plastiktüte und freust Dich über die nette Verkäuferin. A prppos Oberweite, liebe Nicht-Bayern, a Deandl kann jederzeit a Dirndl anziehn, nie aber andersrum! Kapiert?

Was ich aber jetzt zum Beispiel gar nicht erklären kann, ist der bayrische Orientierungssinn. Und da konnten mir am Samstag auch die Gäste aus’m Woid nicht helfen (weil die machen’s wieder anders, es is‘ verhext!). Es ist für mich einfach nur logisch dass „i auf Minga auffe, noch Passau obe, in‘ Woid eine, aber auf Erding umme“ fahr, scheißegal wo was auf der Karte liegt, die les ich eh nicht. Ist halt logisch und würde mir ein Nicht-Bayer den Weg erklären, ich wär heillos überfordert. Ich brauch keine „an der dritten Ampel dann rechts“-Anweisungen, die kann ich nicht, ich find mein Ziel nur mit „oiwei grodaus, de Greizung wo da Metzga is umme, dann biagst o, de Straß‘ dann hintre bis’d ostehst und do is dann zweidast links a gross greans Diarl, dann bist do!“ Alles klar, bin in zehn Minuten bei Dir.

Es ist schon schön, mit so einer wundervollen Sprache leben zu dürfen, ich mein, was ham‘ wir tolle Wörter: Gnackwatschn, Schupfabrunz’n, Huastnguatl, Fotz’nspangler (keine Angst, das ist „nur“ ein Zahnarzt!), Wuggal, Schädlweh, Pfannakuacha, Nosenramme, schee, oda? Und überhaupt, so ein liebevolles bayrisches „Servus“ macht doch immer schnell Freunde. „Servus“ ist nett, freundlich, lässig und universell, funktioniert es doch zur Begrüßung genauso wie zum Verabschieden. Und ehrlich jetzt: Ich hör lieber tausend „Servus“ als auch nur ein „Gudn Dooch!“ oder gar ein „Tschüssi!“

In diesem Sinne, Servus, pfiad’s Eich und i hoff Ihr lasst’s Eich wieder moi o’schaung!
Eure Dialektpraline

PS: Hier noch ein Schmankerl der bayrischen Lässigkeit, ich denke die Jungs von VOXXCLUB haben nichts dagegen wenn ich das hier teile:

A Watsch’n is‘ schneller g’schmiert als a Butterbrot…

Wo wir doch beim Thema „Kinder“ waren letztens, da muss ich Euch doch gleich erzählen, was mir heut passiert is:

Samstag Morgen, man denkt an nichts Böses und erledigt wie übich gewissenhaft seinen Wochenendeinkauf. Jetzt steh‘ ich also, noch halbwegs gutgelaunt, beim Aldi an der Kasse und räum so meine Sachen auf’s Band, da stellt sich hinter mir eine Mutti mit ihrem etwa 5 Jahre alten Zwerg an. Während sie noch wartet bis das Band frei wird, hampelt der Kleine so rum und ruft plötzlich ganz laut: Boooooaaaaah! Mami! Schau mal, die Frau kauft aber viiiiiiel Schnaps!“

Ich musste so loslachen, bis ich gemerkt habe, der Knirps meint ja MICH! Äh hallo? War Dein Kaba OLYMPUS DIGITAL CAMERAheut früh schlecht oder was? Was fällt Dir eigentlich ein Du kleiner Teufel, gleich gibt’s paar hinter die Löffel!

Ich hab gar keinen Schnaps gekauft. Der Zwerg hat nur leider gerade in dem ungünstigen Moment zu mir hingesehen als ich drei Flaschen Weißwein aufs Band gepackt habe. Harmlosen Wein! Das is nix anderes als wenn dieser freche halbe Meter seinen Traubensaft mal über die Ferien im Kindergartentascherl vergisst, also echt jetzt. Sogar Jesus hat Wein gemacht weil ihm Wasser zu öde war! Und jetzt gucken mich hier alle an, als würd‘ ich gleich draussen die Mülltonne anzünden und meinen Schlafsack auspacken, also bitte! Ich bin eine erwachsene Frau, ich kann Wein kaufen so viel ich will! „Abgabe in haushaltsüblichen Mengen“ heißt das, und die kennen meinen Haushalt ja nicht! Mit drei Flschen Wein komm‘ ich mal locker  10 Stunden, äh Tage aus! Also nee, da hab ich ja keine Worte für! Und warum fällt dem kleinen Nervsack eigentlich nur der Alkohol auf, warum sagt der nicht „Boah Mami, die Frau kauft aber viel Salat! Viel Shampoo? Viel Alufolie?“ Nein, ausgerechnet der Wein, aaah ja. Wahrscheinlich kennt er das von zuhause, woher sonst weiß ein Fünfjähriger ein Wort wie Schnaps? Die Jugend heutzutage hat einfach keinen Respekt mehr vor’m Alter.

So schön blamiert bin ich also nach Hause gefahren. Und musst‘ ja dann doch drüber lachen. So ein Kind scheißt sich halt mal original gar nichts. Wie die Tochter einer Freundin, damals auch grad vier oder fünf, wir waren im Biergarten und die Kleine kam vom Spielplatz zu uns, setzt sich zu mir, zieht ihre Turnschuhe aus und streckt mir einen nackten Fuß entgegen: „Steffi, meine Füße stinken ganz schlimm, magst mal riechen?“ Das ist so lustig, Du bist tatsächlich kurz versucht es zu tun. Sowas geht halt nur als Kind. Würd‘ ich heute meine Freunde an meinen Füßen riechen lassen, ich glaube‘ die fänden das maximal so mittelkomisch.

In diesem Sinne, Wein ist ein Lebensmittel, wie Brot oder Wurst oder Käse. Es ist definitiv kein Schnaps. Auch wenn der fünfjährige Herr Superschlau meint das besser zu wissen.

Prost,
Eure Einkaufspraline