Pralinchen und das goldene M

So meine Lieben, es ist Zeit für einen ersten Zwischenbericht in Sachen Fett-Krieg. Ihr wisst ja, seit knapp einem Monat ist Pralinchen schwer am Abnehmen.  „Schwer“ am Abnehmen, boah, was’n Scheiß-Wortspiel… 50 Cent in die Wortspielkasse, aber sooooofort!

Die gute Nachricht zuerst: 5 Kilo sind weg! Juhuuuu! Jetzt die Schlechte: Man sieht’s nicht. Das heißt ich muss wohl noch ne Zeitlang weitermachen und mein ursprüngliches Ziel von 10 Kilo nochmal anpassen. Wär ja aber auch zu schön gewesen, so schwuppdiwupp und das wars. Und Märchenpraline die ich bin, hab ich mir das wohl auch so vorgestellt… hmpf, naja, blicken wir den dicken Tatsachen ins Fettauge. So schwuppdiwupp geht ja eigentlich nie irgendwas, oder?

Aaaaaalso, bis jetzt hab ich ganz fleißig sämtlichen Zucker gemieden (ja, das geht), viel Gemüse gegessen (ja, das geht auch), versucht jeden Tag drei Liter zu trinken (geht grade so, Weißweinschorle und Mojitos  zählen ja leider nicht zu den erlaubten Getränken) und ich hab es tunlichst vermieden, abends Kohlenhydrate zu essen und bin stattdessen auf Eiweiß umgestiegen (jaa, das geht auch, wobei mein Magen nachts seine Hungersignale an mein Gehirn schickt und ich somit schon davon geträumt habe zu verhungern…. nicht schön, aber was tut man nicht alles…

An der Sportfront hab ich noch total versagt. Ich bin zwar mehr oder weniger motiviert wieder in mein Wii Active Fitnessprogramm eingestiegen, und hab mir (nicht lachen, sonst hau ich Euch!) sogar eine DVD „Bauch-Beine-Po“ zugelegt, aber ganz ehrlich, ich bin so unfit, dass ich schon nach zehn Minuten eine tomatenrote Birne aufhabe und somit keine Lust mehr. Außerdem ist es total dämlich, im eigenen Wohnzimmer rumzuhampeln als müsste ich in der Waldorfschule meinen Namen tanzen und die einzige Belohnung für den ganzen Scheiß ist ein halber Liter Sojamilch? Also nee…. das ist nichts für mich. Sport und Turnen füllt Gräber und Urnen, sagt der Volksmund und nie war ich mit ihm so einer Meinung…. trotzdem, eine Praline muss tun was eine Praline tun muss und somit werd ich mich zumindest noch soalnge weiterquälen, bis der Rote-Birne-Overkill wenigstens erst nach zwanzig Minuten kommt.

Ansonsten lese ich ganz fleißig alles was mir zum Thema Ernährung und Abnehmen so in die Hände kommt und bemühe mich, aus all den mehr oder weniger sinnvollen Dingen das für mich rauszuziehen, was ich für halbwegs klug und vor allem für mich umsetzbar halte. Bis jetzt ist das noch nicht sehr viel, wobei ich nicht weiß ob das jetzt an der Literatur liegt oder an meinem Unwillen mich tatsächlich drauf einzulassen. Wir werden sehen.

So, und jetzt muss ich beichten:

Ich war heute Mittag bei Mc Donald’s. Hab einen Chickenburger und ne halbe Packung Pommes runtergehauen und dazu nen halben Liter Cola gesüffelt. Als Nachtisch gabs Kinder-Country. Ja genau, DAS Kinder-Country. Ich könnte Euch jetzt was erzählen von Streß, Müdigkeit, Depressionen, Scheiß-Schule, anstehendes Praktikum *knieschlotter* und davon, dass es unmöglich ist, während einer Diät einfach so an einem riesengroßen goldenen „M“ vorbeizugehen, wenn es einen doch so freundlich anlacht und ganz leise sagt: „Komm Pralinchen, komm her, setz‘ Dich, Deine Freunde die Pommes warten schon auf Dich… und ich verspreche Dir, sie sind so knusprig und so salzig, Du wirst es nicht bereuen….!“ Wer kann da bitteschön NEIN sagen? Ich nicht. Und dann natürlich die alte Diät-Weisheit: Jetzt hast Du Pommes gegessen, also ist der Tag eh im Arsch und Du kannst locker flockig noch dieses dämliche Kinder-Country essen. (Im Übrigen war es schon ganz zerknautscht, das arme Ding, drei Wochen lang in der Tasche rumgetragen, also bitte!)

Tja, Schwachheit, Dein Name ist Praline! Aber was soll’s, heute Abend gibts lecker Naturjoghurt und dann bin ich wieder ein paar Tage brav. So ein Ausrutscher ist verzeihlich, oder? Ich meine, andere haben einen Ausrutscher und sind gleich schwanger, mich wirfts lediglich ein paar hundert Gramm zurück, also bitte. Erteilt mir halt endlich jemand die Absolution! Hallo? Niemand? Bitte! Es ist doch nicht schlimm, nach drei Wochen braven Dahinkasteiens einmal gepflegt amerikanisch essen zu gehen, oder? Ist es? IST ES?

Leute, jetzt krieg ich doch ein schlechtes Gewissen 😦 Dabei hab ich mir gestern eine neue Jeans gekauft und beim Anprobieren festgestellt, dass mir meine übliche Größe zu WEIT war! Gut, vielleicht hat sich da ja auch eines der indischen Kinder, die diese 10-Euro-Hose genäht haben, beim Zuschnitt vertan, aber egal, sie war zu WEIT! Also bitte, wenn das kein Grund ist, zum Feiern ins Gasthaus „Zum goldenen M“ einzukehren, dann weiß ich auch nicht. E basta.

Salzige Grüße,
Eure Pommespraline

PS: Liebe männlichen Leser: Nein, dieser Blog wird NICHT zum Diät-Tagebuch mutieren. Spätestens nächste Woche gibts die garantiert diätfreien Erlebnisse der ersten Tage in Pralinchens Praktikum *himmelherrgottsakrawosscheißimirvielleichtindhosen*. Aber ab und an müsst Ihr jetzt die ein oder andere Kalorienkolumne hinnehmen. Is wichtitsch Mann!

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Der Kinder-Country-Airbag

So, jetzt isser auch vorbei, der Geburtstag 😦 Schade, dass man den nur einmal im Jahr hat, war dieses Mal wieder echt ein super Fest. Und das obwohl dem äußerst umsichtigen Barkeeper im Bradbury’s tatsächlich schon um halb elf die Minze für meine heißgeliebten Mojitos ausgegangen ist 😦 Macht nix, er hat mich dann noch bestens mit Gin Tonic, Planter’s Punch und berieselnden Riesling versorgt. Guter Mann! Bleibt nur die Frage, ob ich bei ihm wegen dem Kater gestern irgendwie reklamieren kann…. so á la „Du, der letzte Gin Tonic war irgendwie schlecht!“ Naja, wohl eher nicht, oder? Immerhin hat der Monster-Kater in Verbindung mit dem Schlafmangel dazu geführt, das Schatzi und ich gestern nur faul auf der Couch rumgelegen sind und insgesamt sieben Folgen „Lost“ angesehen haben, was zur Folge hatte, dass ich heute Nacht tatsächlich davon geträumt hab. Ich war mit Jack, Hurley und meinen beiden betrunkenen kleinen  Brüdern im Quarantäne-Bunker und hab dafür gesorgt dass alle 108 Minuten die korrekte Zahlenfolge von 4 8 15 16 23 und 42 in den altertümlichen Computer eingegeben wird. Im Bunker gab’s zum Glück auch genug Minze, sonst hätt ich das wahrscheinlich nicht bewerkstelligt…

Tja, und jetzt sitze ich (verhältnismäßig unausgeschlafen) in der Schule und frag mich, was die seltsamen Zahlen vorne an der Tafel wohl zu bedeuten haben. Nach meinem Traum heute Nacht bin ich davon überzeugt, dass mein hochstudierter Rechnungswesen-Dozent auch von der „Lost“-Insel stammt…. er gehört definitiv zu „Den Anderen“ und versucht meinen Willen mit phänomenal unverständlichen Kosten-Leistungs-Rechnungs-Aufgaben zu brechen. Schafft er aber nicht, mein Geist hat sich bereits am Montag ausgeklinkt und beschäftigt sich stattdessen mit wesentlich lebensnaheren Dingen wie eben zum Beispiel neue Blog-Einträge verfassen.

Ach ja, latest news von der Diätfront: ein ordentlicher Kater erleichtert einem das Nix-Essen enorm. Bis auf eine Weight-Watchers-Konserven-Hühnersuppe (die 2010 abgelaufen wäre, was wohl bedeutet dass ich sie schon mehrere Jahre im Schrank hatte…. ähem…) hab ich gestern nichts Nennenswertes zu mir genommen. Ok, die Ökotrophologen unter Euch sagen mir jetzt sicher, dass das totaler Blödsinn ist, weil die lecker Schweinefilets in Walnusscremesauce auf Parmaschinken an Gorgonzola-Risotto von meinem Geburtstagsessen sowieso erstmal ne Woche brauchen, bis die wieder abgehungert sind. Und Mojito & Co. beschleunigen diesen Vorgang sicher keineswegs. Aber gut, neuer Tag, neues Glück, und deshalb hab ich mir heute ein Mini-Brot eingepackt, eine Kiwi, eine Buttermilch und eine Kanne ungesüßten Früchtetee. Total brav und ernährungsmäßig hyper-korrekt, oder?

Zugegeben, so ganz trau ich mir und meinem inneren Schweinehund (er heißt jetzt übrigens Sepp, „Horst“ war einfach ein saublöder Name) dann doch noch nicht. Darum hab ich mir in meine hyper-korrekte Brotzeittasche auch noch ein Notfall-Kinder-Country eingepackt. Also wirklich nur für den Notfall. Ich hab echt nicht vor es tatsächlich zu essen. Aber es beruhigt ungemein zu wissen, dass es da ist. Quasi sowas wie ein Diät-Airbag. Weil wenn die grande Krise kommt, dann komm ich mit so ner dämlichen Kiwi auf keinen grünen Zweig. Dann muss was Handfestes her. Und dann kann ich entweder den Süßigkeiten-Automaten im Keller plündern, wo es dann sicher nicht bei einem Kinder-Country bleibt, schließlich sind da M&Ms drin und Snickers, und Milka und Hanuta und Kitkat (wohlgemerkt die Kitkat CHUNKY!!!) und da ist dann Holland in Not. Also lieber so. Mit einemNotfall-Kinder-Country in der Tasche ist man immer auf der sicheren Seite. Genau.

So, abschließend hätt‘ ich da noch eine Frage: Warum spricht man beim Alkohol von „leeren Kalorien“, wenn man danach doch immer hackevoll ist?

In diesem Sinne, macht’s es gut.

Eure Notfallpraline

Die Kullerpraline in der Mongolei

Soooo, jetzt ist Weihnachten auch wieder rum. Pralinchen hat schön mit ihren Liebsten gefeiert und kann, Oma sei Dank, nun sogar selber Spätzle machen. Tja, wer in meiner Familie an Weihnachten was zum Essen will, muss halt auch selber ran, gell!  (Liebe Oma, nein, ich finde nicht, dass mein Schatz mir zum Geburtstag eine Spätzlereibe schenken sollte. Ein Buch, ein Parfum, ein Ferrari, das wären alles tolle Geschenke, aber nein, eine Spätzlereibe definitiv nicht!)

Schön wars, auch wenn so ein besinnlicher Verwandtschaftsmarathon doch ganz schön anstrengend sein kann. Da muss man die ganze Zeit essen und Punsch trinken und essen und Schnaps trinken und essen und Likörchen trinken und essen und und und… zieh ich meine Beine ein, könnt‘ ich eine Kugel sein! Ja, so sieht’s inzwischen aus und wenn die Killer- jetzt nicht zur Kullerpraline mutieren will, dann ist ab morgen Schluss mit lustig. Naja, also hmpf… sagen wir ab übermorgen, für morgen ist ein lecker Chili con Carne aufgesetzt und Chips und jede Menge Alkohol eingekauft…. also übermorgen, aber dann ganz sicher. Versprochen. (Reste-Essen ist aber noch erlaubt, ok?) (Und Reste-Trinken!) (Und ein paar Weihnachtsplätzchen sind auch noch da, das fällt noch unter Reste, ok?….)

Eigentlich wollt‘ ich Euch aber ja gar nix von meinem temporären bis permanenten Gewichtsproblem erzählen. Schadet aber sicher nix, somit könnt‘ Ihr nämlich ab morgen übermorgen alle immer mal wieder nachfragen wie der Stand der Dinge oder die Zahl auf der Waage ist und mich motivieren die Kasteierei durchzuziehen. Und mich nötigenfalls auch gern verarschen, wenn sich nix tut. Wobei, das sag ich Euch dann natürlich nicht und dann müsst Ihr mich erstmal persönlich treffen und das wird nicht passieren, weil ich nämlich schon nimmer durch die Tür passe und somit nicht mehr raus kann und… und… und… ja. Genau. Also, motiviert mich doch bitte einfach.

Eigentlich wollt‘ ich Euch ganz was anderes erzählen. Hab nämlich ein wirklich irres Weihnachtsgeschenk bekommen, von meinem Schatz, der nicht nur um mich, sondern auch um meine (Aus-)Bildung besorgt ist und der mir doch tatsächlich einen “ Professor Globus“ unter den Weihnachtsbaum gelegt hat. Kennt Ihr nicht? Ist eine super Sache, ein mehr oder weniger handelsüblicher Globus, der aber mit einem elektronischen Spiel gekoppelt ist. Man muss mit einem angeschlossenen Stift sämtliche Länder, Staaten, Städte, et cetera pp auf der Erde finden und das innerhalb weniger Sekunden.  Da gerätst Du plötzlich in den totalen Super-Stress, nur weil Du (mal wieder…) nicht weißt, wo Dschibuti ist oder die Mongolei (mal wieder…) irgendwo bei Grönland vermutet hast! Ein Heidenspaß,ich schwör! Ach was, Doppel-Schwör! Auf der Verpackung steht „8-12 Jahre“, aber ich glaube damit ist keine Altersempfehlung gemeint, sondern die Zeit, die es braucht, bis man den vermaledeiten Globus aus dem Effeff beherrscht. Sogar meine geografisch äußerst bewanderte bessere Hälfte hat so seine Schwierigkeiten, allerdings ist er im Schnitt immer noch besser dabei als ich, die angehende Speditionskauffrau… naja, bis zur Abschlussprüfung hab ich ja noch ein paar Monate, und wenn mir der Herr Professor jetzt nicht mehr helfen kann, dann weiß ich auch nicht. Dann schul ich nochmal um. Auf Ampelwascherin oder Brezensalzerin…

In diesem Sinne, Dschibuti ist in Afrika. Die Mongolei in Asien. Und da bleiben die beiden hoffentlich auch, bis ich Professor Globus mal besiegt hab…

Ich wünsche Euch allen einen guten Rutsch und ein erfolgreiches gesundes und für Euch hoffentlich diätfreies neues Jahr. Wenn ich die nächsten Wochen zickig bin, dann wißt Ihr ja warum 😉

Dicken Knutscher an alle.

Chillen in Bad Birnbach

Der traditionsreiche bayrische Kurort steckt in der Klemme. Denn während Tante Gerda und Oma Lotti weiterhin „auf Kur“ fahren wollen, giert es die Generation Spaß nach hippen, trendigen Wellnessoasen. Die Senioren reisen nach Bayern um sich in gediegener Atmosphäre zu erholen, die jungen Wilden wollen einfach nur relaxed abhängen und cool chillen und das nach Möglichkeit High Standard. Da kommt so eine hübsche zwanzigjährige Empfangsdame schon mal ins Schwitzen wenn sie einem jungen Paar die Vorteile des Bad Birnbacher VIP-Badebusses erklären muss, dabei verlegen an ihrem „Herzlich-Willkommen-in-Bayern-Dirndl“ zupft und von der ersten Sekunde an weiß, dass dem jungen Paar der Badebus mal in etwa so egal ist wie die Rübenernte in Tadschikistan. Doch egal, sie trotzt aller peinlicher Berührung und führt die Neuankömmlinge selbstbewusst durch die traditionsreiche, aber wunderschöne Hotelanlage. In der Poollandschaft angekommen, kehrt ihr Hotelfachfrauenstolz wieder vollends zurück, denn sie spürt, das eben noch müde lächelnde junge Paar ist hellauf begeistert von dem was es hier sieht. Und sie irrt nicht. War die Empfangshalle eben noch der raumgewordene Inbegriff bayrischer Seniorenträume, so ist die Badelandschaft nun das Mekka der entspannungsgeilen feng-shui-verwöhnten Youngsters und mit jedem neuen Raum, den die Dirndlfee präsentiert, steigt die Erwartung des jungen Paares an das bevorstehende „Luxus-Verwöhn-Wochenende“. Und es wird nicht enttäuscht. Schon beim Beziehen des Zimmers, das nächste Highlight. Galeriewohnung, zwei Ebenen, ein kühl anmutendes Schlafzimmer, in welchem man sich perfekt von der bewusstseinserweiternden Wirkung des psychodelischen Blumenteppichs in der unteren Etage erholen kann. Ist ja auch mal ein super Service. Die Rentner fühlen sich bei soviel floralem Muster wie daheim und die Jungen sparen sich so die Drogen. Einfach toll!

Jetzt erstmal raus auf den Balkon und Panorama genießen, man ist ja nicht zum Spaß hier! So ein Panoramablick aufs bayrische Niemandsland hat schon was, das lässt sich nicht abstreiten. Man sitzt da, genießt die beruhigende Stille, lässt die Augen den Horizont entlang wandern und fühlt sich sofort erholter. So lange bis man in den vorüberziehenden Schäfchenwolken unfreiwillig wieder die LSD-Blumen aus dem Teppich erkennt und deshalb beschließt gleich mal den Saunabereich zu checken. Die beiden Urlauber werfen sich also die kuscheligsten Hotelbademantel der Welt über (die man im Übrigen dann gerne gegen die geringe Gebühr von 69 € erwerben könnte…ähem…) und machen sich auf den Weg in den Wellnessbereich. Farblicht-Biosauna, Aroma-Dampfbad, finnische Außensauna, Solegrotte, Ruheoase mit Meditationsmusik via Headphone, das ganze Programm, so wie es die Generation Anspruchsvoll sich erträumt. Gut, Gerda und Lotti sind auch da und präsentieren freizügig ihre Orangenhaut mit ganzen Früchten, aber da darf man nicht so sein, immerhin sind wir nach wie vor eben in einem klassisch bayrischen Kurbad und da gehört Orangenhaut zur Tagesordnung. Apropos Orangen: Abendessen gibt es, den Senioren hier sei Dank, bereits ab 18 Uhr, also auf ins Restaurant und das erste von zwei Gourmetmenüs verkosten. Ein Ober mit unverkennbarem Bayerwaldakzent begleitet unser Luxus-Verwöhn-Pärchen an seinen Tisch, erklärt kurz das Menü und dabei fällt zum ersten Mal auf, wie übertrieben höflich und somit albern die ständige namentliche Anrede sein kann. „Bitte Herr Gast, danke Herr Gast, so ist das Herr Gast, aber danke Herr Gast, sehr gerne Herr Gast“. Hat wohl auch mit den ganzen Senioren zu tun, die vergessen immer alles ziemlich schnell und da schadet es sicher nicht, den eigenen Nachnamen immer wieder mal gesagt zu kriegen, schließlich muss man mit selbigem ja nachher die Rechnung abzeichnen. Überhaupt muss Hotelpersonal in so einem Kurort auch gut auf Altenpflege geschult sein, denn bei näherer Betrachtung serviert so ein Kellner oder eine Kellnerin nicht nur die Speisen, nein, ein kleines Pläuschchen mit Omma und Oppa muss schon ab und an drin sein. Geduld ist eine Tugend, die Hotelfach-Azubis und Azubinen in Niederbayern wahrlich perfektionieren, gut, bleibt ihnen auch nichts anderes übrig, wenn Oma Meier sich nach anderthalb Stunden immer noch nicht entscheiden kann ob sie ihre Limo jetzt lieber 0,2 l oder 0,3 l bestellen will. Unserem Urlauberpärchen fallen solche Entscheidungen weniger schwer, schließlich hat es ja das Rumdum-Sorglos-Paket gebucht und bereits auf dem Zimmer die erste Flasche Champagner gekippt. Champagner ist ja irgendwie eine ganz seltsame Angelegenheit. Er schmeckt niemanden und doch fühlt sich jeder gleich um Klassen eleganter wenn er welchen bekommt. Wobei die Eleganz dann auch dahin war, als unser Pärchen den edlen Schampuskühler zum Sammeltopf für eine Plastikflasche Punica, die Monsterbottle Martini und eine Dose Red Bull zweckentfremdet hat. Aber egal, wer braucht schon Eleganz wenn er nur zum chillen hier ist. Außerdem ist so eine eigens geschaffene Bar durchaus sinnvoll, man kann dadurch nämlich den Oldies trällernden Alleinunterhaltern in der Hotelbar entgehen. Stimmlich wirklich wundervoll stehen die zwei in besagter Bar und trällern einsam vor sich hin. Kein Publikum, offenbar ist der letzte Badebus noch nicht zurück oder aber Oma Meier weiß um 21 Uhr immer noch nicht wie sie ihre Limo jetzt gern hätte. Es muss traurig sein für so einen Musiker, Abend für Abend vor leerem Saal zu stehen und wenn dann doch jemand kommt, muss er immer „Strangers in the Night“ singen, weil nur bei diesem Song die Lotti sich traut ihrem Kurschatten ein zärtliches „Ich liebe Dich“ ins Ohr zu hauchen.

Unserem jungen Paar ist das egal, es macht es sich wie gesagt an der Punica-Red Bull-Bar gemütlich und erfreut sich am psychodelischen Zimmerteppich. Immerhin, morgen geht’s los, es stehen sagenhafte Verwöhntermine an. Super an so einer Seniorenresidenz ist, dass das Personal es gewohnt ist, vergessliche Gäste telefonisch an deren Termine zu erinnern. Denn auch unser junges Paar hat erstmal wieder alles verpennt was so an Relax-Action geboten war. Nichtsdestotrotz bleiben die Badefeen, Massagegöttinnen und Kosmetikfachfrauen stets freundlich und lassen trotz der terminlichen Nachlässigkeiten ihrer Gäste selbigen an nichts mangeln. Nicht an Verwöhnungen, und nicht an namentlicher Ansprache. „So Frau Gast, bitte hier lang Frau Gast, ist es so angenehm Frau Gast, aber gerne Frau Gast, …“ Herr und Frau Gast entschweben regelrecht unter karibischen Düften, straffenden Masken, entspannenden Massagen und kühlen Cocktails. Da ist es egal, wie alt oder jung man ist, körperliche Zuwendung hat in jedem Alter Hochsaison. Dermaßen erholt nimmt man dann auch ein weiteres lauwarmes Abendessen in Kauf, wobei man dem ganzen Luxus langsam schon überdrüssig werden könnte. „Och nee, schon wieder Champagner, hach, wie langweilig!“ Immerhin, das elegante Gefühl kehrt zurück und wird nur noch dadurch übertroffen, dass die Rechnung ganz standesgemäß immer dem Herrn am Tisch vorgelegt wird. Diesbezüglich hat in den bayrischen Kurorten also alles noch seine Ordnung 😉

Leider ist so ein Luxus-Verwöhn-Wochenende auch nicht länger als ein herkömmliches, egal wie sehr man sich an ganze Tage im Flauschibademantel gewöhnt hat. Man räumt das wunderschöne Galeriezimmer, wirft einen letzten wehmütigen Blick auf den „Keine-Macht-den-Drogen“-Teppich und steigt zum letzten Mal in den Fahrstuhl Richtung Pool, wo man dann von einem geschätzt hundertfünf Jahre alten Mann begrüßt wird, der sein hundertfünf Jahre altes Pimmelchen noch eben wieder in die Hose packt, nachdem er es sich mit selbigem vor einer Massagedüse im Bad gemütlich gemacht hatte und dabei vermutlich an gestern gedacht hat, als er die orangenhäutige Lotti zu „Strangers in the Night“ übers Parkett geschoben hatte. Tja, Opi, die jungen Wilden sind zurück, aber keine Angst, in ein paar Stunden müssen sie abreisen.

Ein letzter Cappuccino auf der Sonnenterrasse, ein letztes Mal Schwitzen im Aromadampfbad, ein letzter kalter Guß in der Felsengrotte, ein letztes Mal fummeln im Whirlpool und dann geht’s los. Wehmütig gibt unser Luxus-Verwöhn-Paar die flauschigen Bademäntel zurück und mit einem Tränchen im Auge begleicht es die Rechnung. Die Dirndlfee vom Anreisetag ist auch wieder da, allerdings diesmal in zuckersüßer Zimmermädchenuniform, so dass man sie am liebsten in einen der flauschigen Bademäntel packen möchte und mit nach Hause nehmen. Man bemängelt noch die Matratzen, weil schließlich reist man nirgends ab ohne eine kleine Beschwerde da zu lassen, und man wird sofort darauf hingewiesen dass die Zimmer demnächst alle renoviert werden. Schade, dann kommen wohl auch die bunten Blumenteppiche weg. Das ist nun ein Grund, warum das junge Paar hier wohl nicht mehr einkehren wird, VIP-Badebus hin oder her.

Fazit: Z’Bod Birnbach is schee. Senioren machen deutlich weniger Lärm als Kinder. Wasser ist nass und das ist auch gut so. Massagen können nie lang genug dauern. Und Champagner schmeckt scheiße.

In diesem Sinne, tut Euch was Gutes und gönnt Euch ‚ne Auszeit. Und verpasst ja den Badebus nicht!

Erholte Grüße

Eure Wellnesspraline

Haareschneiden bei Guns ’n‘ Roses!

Bei Friseuren verstehen wir Mädels ja mal so gar keinen Spaß. Da den richtigen zu finden, puh… das ist eine Odyssee. Die Suche nach einem vertrauenswürdigen Friseur ist nicht annähernd so einfach wie die nach einem kompetenten Frauenarzt oder gar einem Ehemann. Welche Frau hat nicht schon mal heulend einen Salon verlassen und sich gewünscht es möge sich ein Loch in der Erde auftun, indem man so lange verschwunden bleiben kann bis das Fiasko wieder zu beheben ist? Also ich war gerade mal vierzehn als ich meine erste Friseur-Horror-Erfahrung machen musste. Damals wollte ich ja uuuuuunbedingt eine Dauerwelle. Ihr müsst wissen, als Teenie hatte ich das, was man gemeinhin als „Spaghettilocken“ bezeichnet. Schnurgerade, dünne, langweilige lange Haare. Zum Glück, dem Alter sei Dank, haben sich die mittlerweile in eine halbwegs passable Naturwelle verwandelt, insofern, noch mal Schwein gehabt. Aber damals, lang lang ist’s her, konnte mich nichts und niemand davon abbringen meinen Spaghettischädel in einen ach so erwachsenen Lockenkopf zu verändern. Meine liebe Oma, die zeitweise, auch heute noch, geradezu in Friseursalons zuhause ist, war hellauf begeistert und hat mir gleich einen Termin bei der allerliebsten Carmen gemacht. (Diesen Namen werde ich nie im Leben vergessen!) Carmen war ein zuckersüßes Mädel und hat mir hingebungsvoll meine Haare auf die winzigsten Miniwickler gedreht die sie finden konnte und mich dann, „weil so eine Dauerwelle muss ja auch gut zur Geltung kommen“ noch dazu überredet, die Haare zu kürzen. Todesmutig und veränderungswillig wie pubertierende Gören sind, hab ich zugestimmt und somit nahm das Schicksal seinen Lauf. Schon beim Betrachten des Kunstwerks im Salonspiegel musste ich mir die Tränen verdrücken. Kaum zuhause hab ich mich dann erstmal in meinem Zimmer eingesperrt und geschätzte sieben Stunden nur geheult. Ich sah aus wie Slash von den Guns ‚n’ Roses, erinnert Ihr Euch? Und auch wenn ich damals ein großer Guns ‚n’ Roses- Fan war, alles „Baby, don’t you cry-y-y tonight“ hat alles nichts geholfen. Ich war kreuzunglücklich. Es erübrigt sich zu sagen, dass Carmen mich nie wieder gesehen hat. Von Friseuren hatte ich erst mal genug. Stattdessen hab ich angefangen, selbst zu experimentieren, und dabei vom damals trendigen Hennafärben über Stränchen bis hin zu revoluzzermäßigen blauen Punk-Haaren (die leider mit der Zeit ins schimmelgrün wechselten… tja) alles ausprobiert.
Irgendwann siegte dann doch die Vernunft und ich hab mich frisurentechnisch wieder in professionelle Hände begeben. An die Schulden, die meine ständigen Besuche bei the incredible Jörg verursacht haben, zahle ich heute noch hin. Aber Jörg hat mir das Vertrauen ins Friseurhandwerk wiedergegeben und somit steh ich da drüber. Inzwischen hab ich auch eine günstigere Alternative gefunden (nix für ungut Jörg) und bin damit auch sehr zufrieden. Meine jetzige Friseurin hat nämlich den Masterplan hinter meinen Frisurwünschen verstanden. Ich will nämlich immer so aussehen wie vorher. Nur besser. Und das macht sie seit Jahren so fantastisch, dass ich ihr sogar schon erlaubt habe, meine Haare abzuschneiden und mit Farben zu hantieren. Wunderbar, alles paletti.
Heute war ich auch wieder bei ihr. Und heute hat sie mir ein wenig Angst gemacht. Während ich ihr erklärte, sie solle bitte den Pony kürzen und die Spitzen schneiden, überkam sie die Muse und sie fing an mir zu erklären, sie würde nun meinen Kopf teilen, neue Linien schaffen, und es würde keine Verbindung mehr zwischen Oberkopf und Nacken geben. Hilfääääää! Wo bin ich? Hab ich irgendwas nicht mitbekommen? Äh… gute Frau, ich will nur Haare schneiden!!! Aber da legt sie auch schon los, schnipp schnapp, Locken ab und mein ehemaliger Oberkopf verteilt sich langsam aber sicher auf den edlen Bodenfliesen unter mir. Ich hab dann die Augen zugemacht und gebetet. Lieber Gott, ach sei so gut, erklär mir was die Frau da tut! Und bitte lass die Haare mein, nachher noch vorhanden sein! In der Zwischenzeit hat sich meine Henkerin schon den Fön geschnappt, mir geschätzte neununddreißig Rundbürsten ins Haar gedreht und losgefönt.
Ja, und letzten Endes ging dann doch alles gut. Mein Kopf wurde geteilt, es wurden neue Linien geschaffen, und eine Verbindung zwischen Oberkopf und Nacken gibt es tatsächlich nicht mehr. Ich hab in den Spiegel geschaut und sah aus wie vorher. Nur eben besser 😉

In diesem Sinne, haarige Grüße,
Eure Lockenpraline

Man sieht nur mit dem Herzen gut…

… das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. So heißt es unter uns tiefgründigen Hobbyphilosophen. So, nun hab ich aber gerade einen ziemlich wesentlichen Pickel auf der Nase, und der ist mal so gar nicht unsichtbar. Im Gegenteil, der ist so was von sichtbar, ich glaub ja fast dass der kleine Prinz da höchstpersönlich drin wohnt, so groß ist der.

Ich sags Euch, mit 30 ist es nicht mehr lustig so einen Paradepickel spazieren zu führen. Gut, jeder Teenie wird jetzt sagen, dass es auch mit 14 nicht sehr lustig ist, aber mit 30 ist es der Horror. Da kannst Du machen was Du willst, Du kannst das schönste Kleid tragen, die edelsten Schuhe, Du kannst Deine Haare toupieren und den teuersten  Lippenstift auflegen – Du siehst trotzdem Scheiße aus. Du versuchst natürlich

alles, diese luzifermäßige Schwellung in Deinem Gesicht zu kaschieren, und betupfst und bemalst sie als ginge es darum die Sixtinische Kapelle zu restaurieren. Leider bringt das alles gar nichts, je mehr Du Dich bemühst, desto schlimmer wird das Ergebnis.

Da hilft nur eins: Aushalten, durchhalten, Maul halten. Irgendwann ist er schon wieder weg. Und das hoffentlich bevor der nächste sich entschließt genau daneben sein Lager aufzuschlagen. Das Tragische ist, mit 30 weißt Du einfach, dass Du nichts machen kannst. Als Teenager trägst Du ja wenigstens noch Hoffnung in Dir, Du bittest Deine Mutter Dir das komplette Sortiment von A wie Akne-Ex bis Z wie Zinkmaske zu kaufen und auch wenn das alles keinen sonderlichen Erfolg bringt, Dir bleibt immer noch die Hoffnung, dass das mit dieser bescheuerten Pubertät ja auch irgendwann mal wieder vorbei ist. Ist es ja dann auch. Nur kaum hast Du die pfirsichgleiche Haut eines Schneewittchens in Empfang genommen, kommen auch schon die ersten Fältchen. Du selbst trägst natürlich auch ordentlich dazu bei, denn erwachsen wie Du inzwischen bist, rauchst Du zwanzig Zigaretten am Tag, gibst Dich langen ausschweifenden Partynächten hin, zelebrierst den exzessiven Genuß von Alkohol und weil das alles so anstrengend ist, holst Du Dir eben noch schnell einen Big Mac und ein Erdbeershake. Und natürlich begehst Du ab und an den schlimmsten aller Fehler: Du gehst ins Bett und hast Dich nicht abgeschminkt! Todsünde! Wenn man den gängigen Beautymagazinen glauben darf, dann ist Abschminken das allerwichtigste im Leben einer Frau. Abschminken hat oberste Priorität. Und wenn die Welt untergeht, Hauptsache Du schminkst Dich jeden Abend ab. Wie, da wartet aber ein wunderschöner sexy Kerl in Deinem Bett, dessen einziges Ziel es ist Dich heute Nacht glücklich zu machen? Egal! Geh Dich abschminken! Wer braucht schon Sex wenn er eine reine Haut haben kann?

Ihr seht schon, ich nehm dieses äußerst heikle Thema mal wieder nicht sonderlich ernst. Kann ich auch nicht, wenn ich ehrlich bin. Ich hab mich mal allen Ernstes beraten lassen, so richtig mit Hauttypanalyse und allem drum und dran. Selbstverständlich kommt bei meiner Haut nur eine einzige Creme in Frage, und da kostet das 50 ml-Tiegelchen auch nur 68 €. Waschcreme, Gesichtswasser etc. pipapo kommen da natürlich noch extra dazu, denn „die Creme muss sich optimal in ihrer Haut entfalten können“! Ja nee, is klar. Also da investier ich die 68 € lieber in ein gutes Abendessen und einen leckeren Wein, das macht nämlich glücklich, und Glückshormone sind gut für den Teint. Sex im Übrigen auch, insofern werd ich sicher nicht mit Gurkenscheibchen und Quarkmäskchen im Bad rumturnen, sollte mal ein heißes Schneckerl in meinem Bett auf mich warten. Wenn keines wartet kann ich immer noch abschminken gehen und danach mal wieder den „kleinen Prinzen“ lesen um rauszufinden wo der denn nun wirklich wohnt…

In diesem Sinne, pflegende Grüße!
Und Abschminken nicht vergessen!

Eure Beautypraline

Wenn echte Helden knapp dem Tod entrinnen….

Männer sind lustig. In ihrem stetigen Kampf um die Rolle des Alphamännchens rasen sie mit 220 Sachen über die Autobahn, stürzen sich aus Flugzeugen, organisieren Surival-Camps und selbst die weniger risikofreudigen unter ihnen zeigen uns ihre sagenumwobene Stärke wenigstens dadurch dass sie in der Muckibude beim Bankdrücken ordentlich transpirieren. Was auch immer, es gilt: „Der Mann- das starke Geschlecht“.

Wehe nun aber wenn ein starker Mann krank wird. Dann gerät die Welt aus den Fugen. Schon ein klitzekleiner Schnupfen fesselt ihn tagelang ans Bett, von einer ausgewachsenen Grippe ganz zu schweigen. Da sind dann wir Mädels wieder gefragt und müssen für unser armes krankes Hasi zur Apotheke laufen, literweise Tee kochen und alternative Heilmethoden für den sehr wahrscheinlichen Ahugahagahuga-Virus googeln. Und natürlich eimerweise vollgerotzte Taschentücher entsorgen, vorsorglich bei der Schwiegermutter anrufen und ihr mitteilen dass sie umghend vorbei kommen muss, denn ihr armer Sohn liegt ja im Sterben, und zwischendrin wenn uns noch Zeit bleibt, müssen wir unseren armen todkranken Schatz natürlich noch hutschen und heitschen und ihm immer wieder sagen wie gemein doch die Welt und was er doch für ein armes armes krankes Ding ist.

Männer sind einfach so. Die Natur hat sich schon etwas dabei gedacht, dass Frauen einfach schmerzresistenter sind. Stellt Euch mal vor wir würden genauso jammern wie die Männer! Jeden Monat müssten wir uns krankschreiben lassen weil wir ja heulschluchzjammer unsere Tage haben.  Die Menschheit wäre längst ausgestorben, weil wir keine Kinder mehr kriegen würden, tut ja soooooo weh! Und selbst wenn nicht, dann wäre die Welt eine ziemlich häßliche, denn mit Brauen zupfen und Beine wachsen wär ja dann auch nix. Habt Ihr einem Mann schon mal ein Haar ausgezupft oder ihm einen Pickel ausgedrückt? So laut schreit nicht mal die komische Alte im Exorzisten, ich sags Euch!

Männer und Krankheit, das ist ein ganz eigenes Thema. Wenn ein Mann zum Beispiel zum Arzt muss, dann informiert er sich natürlich erstmal über die beste Adresse am Platz. Ein Arzt bei dem man sofort einen Termin bekommt, kann kein guter Arzt sein! Also wartet unser Held drei Monate auf einen Termin, nur um ihn dann noch um weitere drei Monate zu verschieben. Natürlich aus Gründen, die mehr als verständlich sind: das Auto muss zum TÜV, der Hamster vom Chef hat Geburtstag, oder aber bei Burger King hat’s so lecker nach Käse gerochen. Dass sich unser Schnucki letztendlich einfach nur fürchtet wie ein kleines Kind vorm Schrankmonster, das würde Schnucki nie zugeben.

Klar, so ein Termin beim Zahnarzt beispielweise, ist natürlich nicht lustig. Auch wir Frauen sind da nicht sonderlich scharf drauf. Aber wir gehen halt einfach hin. Wir machen einen Termin, halten diesen ein, putzen uns die Zähne, lesen im Wartezimmer die Bunte oder die Gala und wenn der Onkel Doktor dann soweit ist, lassen wir uns unsere Beißerchen untersuchen und gut ists. Wenn er bohren muss, ja dann muss er halt bohren. Wofür gibts die gute alte Betäubungsspritze? Ziept ein bisschen und danach sabbert man zwei Tage lang, aber dafür tuts auch gar nicht weh. Die Männer sind da anders. Wenn sie den fünften, siebten oder einundzwanzigsten Termin nun endlich wahrnehmen (irgendwann triumphiert halt doch die Vernunft über den Schmerz), dann gehts los. Termin um 10 Uhr. Um 9.30 Uhr hat unser Held schon 17 Zigaretten geraucht. Langsam macht er sich auf den Weg. In der Praxis angekommen würde er am liebsten anfangen zu weinen, doch weil die Sprechstundenhilfe so süß ist, kann er es sich noch verkneifen. Im Wartezimmer blättert er verkrampft in „Diver’s World“ oder einem anderen Heft mit bunten Bildern. Da müsst Ihr mal aufpassen, für Männer gibt es in Zahnarztpraxen nur Bildmagazine. Eben weil sie viel zu nervös sind um auch nur ansatzweise einem Text folgen zu können. Jedes Mal wenn die Sprechanlage knackt, Herzstillstand! Aber zum Glück, es war noch nicht sein Name der da aufgerufen wurde. Unser Held stellt sich vor, was gerade in den Behandlungszimmern abgeht und ihm erscheinen verzerrte Bilder von mittelalterlichen Gemetzeln. Gerade als er ganz entschlossen aufsteht um die Praxis unter einem Vorwand wieder zu verlassen, wird sein Name aufgerufen und die süße Maus vom Empfang führt ihn in einen Behandlungsraum. Zitternd setzt er sich auf den großen furchteinflößenden Stuhl, und spätestens als ihm Miss Zahnarzthelferin 2008 dieses seltsame Lätzchen umbindet, ist es mit seiner Männlichkeit dahin und mit einem riesengroßen Kloß im Hals verdrückt er sich die Tränen. Der Arzt kommt herein, sein Handschlag gleicht dem eines Metzgers und unser Held sackt in seinem Monsterstuhl in sich zusammen. Der Zahnarzt fängt an sich im Mund unseres Helden umzusehen und diktiert seiner Assistentin die uns allen immer wieder unverständlichen Zahn-Koordinaten. Sauger und Bohrer werden herangeschoben, und spätestens jetzt ist Schluss: „Vollnarkose oder ich bring Dich um!“ Unser Held ist am Ende, unterschreibt die Einweisung in die Klinik für die Totaloperation und fährt erschöpft aber glücklich wieder nach Hause. Abends will er dann natürlich Sex, schließlich ist er ja jetzt wieder Mr. Testosteron Himself, knapp dem Tod entronnen und eben ein echter Held! Und wehe du sagst ihm dann “ Schatzi, heute nicht, ich hab soooooo Migräne!“ Dann heißts bloß: „Mensch, Ihr Frauen stellts Euch wegen dem bissl Kopfweh vielleicht an!“

In diesem Sinne schöne Grüße an alle kranken Männer und deren Pflegerinnen!
Eure Dr. med. Praline Killer