Himmel Landshut, Tausend Landshut, Hallloooooo!

Nachdem das Wetter uns zur Zeit so arg im Stich lässt, setz‘ ich jetzt meine ganze Hoffnung auf Sommer auf die LaHo. Ich bin festen Glaubens dass wir dann vier Wochen toujours Sonnenschein haben werden und ich mich von Freitag Nachmittag bis Sonntag Abend mit meinen Freunden aufs Historischste betrinken kann. Jawoll.

Nur gestern kam jetzt in der Runde so das Thema auf, dass wir Landshuter unser weltweit bekanntes Fest zwar alle vier Jahre innigst zelebrieren, keiner aber so recht Bescheid weiß, wieso eigentlich. „Äh ja, da war doch diese Prinzessin mit dem Herzog und so….“ Genau, soweit schon mal richtig. Für alle Ahnungslosen, Zuagroasten, Touristen, Ingeschichtesechserschreiber und natürlich alle Freunde des gepflegten Betrinkens hier nun eine kurze Zusammenfassung. Umsonst und gratis von mir für Euch.

Es ward also im Jahre des LaHo ZugHerren 1475, als Herzog Georg der Reiche, Sohn von Herzog Ludwig und mit seinen blutjungen 20 Jahren schon mitregierender Herzog, die polnische Prinzessin Hedwig, Tochter von Polenkönig Kasimir IV., ehelichte. Ob das nun die große Liebe war sei dahin gestellt, damals gab’s im Gegensatz zu heute noch plausiblere Gründe für’s Heiraten, Geld und Macht zum Beispiel. Oder Schiss vor den Türken. Die hatten nämlich 1453 Konstantinopel erobert und irgendwie machte das den Herrscherhäusern rundherum Bauchschmerzen. So haben sich also Papa Ludwig und Schwiegerpapa Kasimir zusammengesetzt und beraten und die Verbindung der beiden Häuser besiegelt. Ich frag mich wie das heute wär, wenn sich die Bayern mit den Polen gegen die Türken zusammentun würden…. der Seehofer beschließt einfach mal dass in Dönerbuden nur noch Leberkäs verkauft werden darf und während die Türken deshalb auf die Barrikaden gehen, klauen ihnen die Polen ihre 3er-BMWs und schon wären sie nicht mehr mobil und das Reich wieder gesichert. Da muss heute nicht mehr extra eine schöne Holde aus fernen Landen anreisen, das schaffen wir so.

Aber ich schweife ab. Die Heirat war also beschlossene Sache und es ging an die Planung. Kurz noch einen päpstlichen Dispens eingeholt, weil irgendwie waren sowohl Georg wie auch die schöne Hedwig über tausend Ecken mit dem österreicheischen Herzoghaus verwandt und naja, der Papst sollte da halt seinen Segen geben für den Fall dass blöde Kinder rauskommen oder so, wie auch immer. Georg, der kleine Macho wollte aber dann partout nicht in Polen heiraten (gut, wer will das schon?), er sagte „Och nöö Papa, weißt Du, der Kaiser kommt doch bald nach Landshut und außerdem, die Straßen da rüber sind so kacke und überall lungern so diese Scheiß-Pestkranken rum, hey komm, das geb‘ ich mir nicht, soll die Alte doch herkommen wenn sie schon was von mir will!“ Der Papa hat dann nicht lange gefackelt und seinen Buddy, den Herzog von Neumarkt mit großem Gefolge losgeschickt um die Braut abzuholen. Im Übrigen hatten die bei allen Verhandlungen einen Übersetzer dabei, weil die schöne Hedwig, obwohl ihre Mutter Österreicherin war, nur sehr vage Kenntnisse der deutschen Sprache hatte (ah ge heast?).

Die schöne Hedwig trat also die beschwerliche Reise nach Landshut an (2 Monate hat das gedauert, naja, ddamals gabs noch keine 3er BMW und Ihr wisst ja, wie Frauen auf Reisen so sind „Mi friert’s“ „I muss pieseln!“ „Des blöde Pferd wackelt so!“, das zieht sich dann natürlich). Aber endlich angekommen wurde sie dann belohnt und durfte eine ganze Woche lang Hochzeit feiern. Spiele, Turniere, Tanz, Geschenke, und natürlich wurde ordentlich gefressen und gesoffen. Die Trauung selbst fand in der damals noch nicht im finalen Bauabschnitt befindlichen Kirche zu St. Martin statt *. Alles, was Rang und Namen hatte war eingeladen, also nicht nur die Daniela Katzenbergers und Lothar Matthäusse, sondern schon echt so die richtig wichtigen Leute im Reich. Drum ja auch der ganze Zinnober, man wollte ja die neugewonne Macht entsprechend gut promoten. Und weil die Landshuter immer schon cool waren, gab es auch ein Gebot vom Herzog, dass während der Festwoche kein Bürger der Stadt für Essen bezahlen darf, kein Wirt, kein MetzgerLaHo Ritter kein Bäcker durfte Geld für Waren nehmen, alle Bürger wurden in der Herzogsküche für lau verpflegt.

Nach einer Woche war der Wein alle, die Ochsen aufgegessen, die Tänzer müde und die Turnierritter samt Pferden tot oder wenigstens schwer verwundet und somit konnten die Frischvermählten wieder zum Tagesgeschäft übergehen. Soll heißen: Georg hat die Gattin zügigst von der Burg Trausnitz in die Zweitburg nach Burghausen verfrachten lassen (wer will schon auch mit der eigenen Frau in der selben Burg leben, ne ne, nachher mault die noch rum wegen liegengelassener Socken oder nicht rausgebrachtem Müll) und widmete sich wieder dem Regieren.

Für heutiges Verständnis wo jeder Bauer seine Frau mit Millionenpublikum ehelichen kann und ein „Bachelor“ schon mal 20 Prinzessinnen gleichzeitig den unbedeutenden Hof macht  relativ unspektakulär, aber historisch doch bedeutend genug um seit Beginn des 20. Jahrhunderts die Feierlichkeiten alle vier Jahre nachzuspielen. Haben 1903 noch nur knapp 150 Bürger das Spektakel nachgespielt, so sind heute ca 2500 aktiv daran beteiligt. Der große Festumzug findet immer sonntags statt und Glück dem der frühzeitig Karten ergattern konnte oder aber eine Wohnung in der Alt- oder Neustadt in Landshut sein Eigen nennt. Fensterplätze sind heiß begehrt, ich habe sogar schon Angebote gelesen, dass man sich für 60 EUR pro Person einmieten kann (max. 5 Mann pro Fenster, 1 Getränk frei). Wer sich hier finanziell nicht so ruinieren möchte, kann das historische Fest immer gerne im Lagerleben auf den Turnierplätzen erleben oder aber hat Glück und bekommt eine kleine Gratisvorführung der Gaukler, Sänger, Fahnenschwinger während er gemütlich mit Freunden ein kleines Tribünenfestl feiert (die schönste Nebensache der Welt. Also, während LaHo. Als Single.)

In diesem Sinne, ein großes Halllllloooooooo und ich freu mich auf die Landshuter Hochzeit 2013.LaHo Burg

Wenn irgendwer noch so ein schönes LaHo-Becherchen für mich übrig hat, her damit. Ich geb‘ dafür in den Tribünen auch gerne ein Weinderl aus.

Eure Hochzeitspraline

* für meine liebe Freundin K.: Mit 130,6 m tatsächlich der höchste Backsteinturm weltweit. Baumeister: Hans Krumenauer, Hans von Burghausen, Hans Stethaimer und Stefan Purghauser (Quelle: Wiki, ganz schön viele Hansens damals….?)

(Bilder: (c) „Die Förderer“ e.V. Landshut)

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Mia red’n boarisch… und Ihr?

Wenn man seinen Geburtstag an ein einem Ort feiert, der „Bierparadies“ heißt, dann ist das ja schon an sich eine Würdigung seiner bayrischen Heimat.

Aber in besagtem Paradies hängt auch tatsächlich ein Schild, auf dem steht: „I red‘ boarisch… und Du?“ und dieses Schild hat unter uns Gästen eine wundervolle Diskussion ausgelöst, über die mitunter schönste Sache an Bayern. Den bayrischen Dialekt. Wobei, „Diskussion“ ist eigentlich falsch, es wurde ja nicht gestritten, vielmehr wurden die Feinheiten undOLYMPUS DIGITAL CAMERA Unterschiede aufgedeckt, die sich trotz weniger Kilometer Entfernung (nahezu alle Gäste kamen aus Niederbayern, wobei es nochmal einen großen sprachlichen Unterschied zwischen Niederbayern und Bayrischer Wald (=Woid) gibt) herausgebildet haben. A Traum, i sog’s Eich! Die Klassiker: Pluralbildung des Wortess „Ei“. Ich in landshut sag „oa Oa, zwoa Oa“, der Waidler sagt „Oa Oa, zoa Oier“ Ich sag „Do werad ma ja narrisch“ Da Waidler sagt „Mia wuradn ja narrisch“ („Wuradn“ ist jetzt übrigens mein neues Lieblingswort, und nein, ich war nicht betrunken…) Und was ist jetzt eigentlich, wenn der eine von „Stoana“ red’t , der andere von „Steana“ und doch meinen beide das gleiche („für Nicht-Bayern, es geht um Steine)

Ich persönlich fand’s ja immer schon sehr erheiternd, wenn jetzt ein Nicht-Bayer mit großen fragenden Augen vor mir steht, nur weil’s draussen minus 10 Grad hat und ich eben gesagt hab „Leck, i gfrier mir ja de Glupperl ob!“ Ich erklär ihm das gerne, ebenso warum ich im Sommer gern „Glapperl“ anhab, aber keine „Sandalen“ oder warum „Spezi“ zwar spitze ist, aber in Bayern bestellst lieber „an Spääze“, wenn ned sogar einfach nur a „Gwasch“. Beim „Gwasch“ muss jetzt ned zwingend Cola die Orange küssen, „Gwasch“ funktioniert eigentlich mit allem was man an Getränken so zusammenmischt. Wobei glaub ich kein Alkohol dabei sein darf, weil Wodka-Bull zum Beispiel wär jetzt kein „Gwasch“ (auch wenn’s so schmeckt). Wenn Du aber jetzt eine Limo mit Bier kombinierst, dann musst auch wieder vorsichtig sein, weil das kann wiederum alles sein, a Radler, a Russ‘, a Neger, whatever. Kommt immer drauf an, was für ein Bier, was für ein Limo. Ja-haa, hat ja keiner g’sagt dass des einfach wird lieber Nicht-Bayer! Vielleicht fang‘ ma doch mit den Basics an und Du lernst erstmal, wie man „Oachkatzlschwoaf“ ausspricht und malst mir bei Gelegenheit einen Wolpertinger, ok?

Zugegeben, wenn man der bayrischen Sprache nicht mächtig ist, dann kann das schon mal für Verwirrung sorgen. Du stehst z.B. mit einem Nicht-Bayern in irgendeinem Laden an der Kasse und die Verkäuferin fragt Dich „Brauchst a grässerne Dittn?“ Und während Deine nicht-bayrische Begleitung wohl grad vor Scham in den Boden versinken will ob dieser offensichtlichen Beleidigung Deiner eigentlich ganz passablen Oberweite und sich vielleicht sogar schon überlegt wie er Dich seelisch wieder aufbaut, nimmst Du einfach dankend die größere Plastiktüte und freust Dich über die nette Verkäuferin. A prppos Oberweite, liebe Nicht-Bayern, a Deandl kann jederzeit a Dirndl anziehn, nie aber andersrum! Kapiert?

Was ich aber jetzt zum Beispiel gar nicht erklären kann, ist der bayrische Orientierungssinn. Und da konnten mir am Samstag auch die Gäste aus’m Woid nicht helfen (weil die machen’s wieder anders, es is‘ verhext!). Es ist für mich einfach nur logisch dass „i auf Minga auffe, noch Passau obe, in‘ Woid eine, aber auf Erding umme“ fahr, scheißegal wo was auf der Karte liegt, die les ich eh nicht. Ist halt logisch und würde mir ein Nicht-Bayer den Weg erklären, ich wär heillos überfordert. Ich brauch keine „an der dritten Ampel dann rechts“-Anweisungen, die kann ich nicht, ich find mein Ziel nur mit „oiwei grodaus, de Greizung wo da Metzga is umme, dann biagst o, de Straß‘ dann hintre bis’d ostehst und do is dann zweidast links a gross greans Diarl, dann bist do!“ Alles klar, bin in zehn Minuten bei Dir.

Es ist schon schön, mit so einer wundervollen Sprache leben zu dürfen, ich mein, was ham‘ wir tolle Wörter: Gnackwatschn, Schupfabrunz’n, Huastnguatl, Fotz’nspangler (keine Angst, das ist „nur“ ein Zahnarzt!), Wuggal, Schädlweh, Pfannakuacha, Nosenramme, schee, oda? Und überhaupt, so ein liebevolles bayrisches „Servus“ macht doch immer schnell Freunde. „Servus“ ist nett, freundlich, lässig und universell, funktioniert es doch zur Begrüßung genauso wie zum Verabschieden. Und ehrlich jetzt: Ich hör lieber tausend „Servus“ als auch nur ein „Gudn Dooch!“ oder gar ein „Tschüssi!“

In diesem Sinne, Servus, pfiad’s Eich und i hoff Ihr lasst’s Eich wieder moi o’schaung!
Eure Dialektpraline

PS: Hier noch ein Schmankerl der bayrischen Lässigkeit, ich denke die Jungs von VOXXCLUB haben nichts dagegen wenn ich das hier teile: