Blowjob auf 400-Euro-Basis

Wenn man sich um einen Nebenjob bemüht, dann erlebt man die irrsten Geschichten. Man sondiert Internet-Jobbörsen, liest die Stellenanzeigen der hiesigen Tageszeitung, fragt bei Freunden und Bekannten nach und sitzt letzten Endes nur vor einem riesengroßen Haufen Scheiße.

Es wird ein flexibler Schreibjob annonciert, die Stellenbeschreibung spricht von „guten Kenntnissen in Word und Exel, Erfahrung mit Phonotypie“, man bewirbt sich begeistert und erfährt dann am Telefon, dass nur diplomierte Betriebswirte eingestellt werden. Tja, liebe Arbeitgeber, da werdet Ihr lange suchen, die fahren schließlich alle Taxi. Oder haben eben richtige Jobs und Euren somit nicht nötig.

Ein Versicherungsbüro sucht nach einer „freundlichen Empfangsdame“, prima, freundlich ist mein zweiter Vorname, also nix wie anrufen. Beim Bewerbungsgespräch stellt sich dann heraus, dass die Empfangsdame eigentlich eine Telefonistin werden soll, die im Akkord telefonische Kaltakquise betreibt und potentiellen Kunden irgendeine nutzlose Zusatzversicherung abschwatzt. Nee. Das lass ma mal schön bleiben. Ich leg grundsätzlich auf wenn ich so einen Anruf krieg. Also werd ich mich auch nicht auf diese dunkle Seite der Macht rüberziehen lassen. Never ever.

„Auslieferungsfahrer/in für Apotheke gesucht“. Auch gut, Autofahren tu ich ja gerne. Auch da ruf ich an, und ein freundlicher Apotheker erklärt mir dann dass ich täglich zwischen 8 und 22 Uhr eilige Medikamente im Raum Landshut zustellen muss. Auf telefonischen Abruf. Mit dem eigenen PKW. Für 6, 50 €. Super, oder? Ich kündige also meinen richtigen Job um künftig dauerverfügbar zu sein, und verfahre nebenbei tausende Kilometer mit meinem Auto für lau. Gut, dass mein Auto jetzt schon im Arsch ist, denn spätestens nach diesem ach so lukrativen Job wäre es dies gewesen.

Der Süßigkeitenladen, der eine Verkäuferin suchte, und eigentlich mein Favorit bei allen Bewerbungen war, hat meine Unterlagen einfach wieder eingetütet und kommentarlos zurückgeschickt. „Edle Chocolaterie mit privilegiertem Kundenstamm“, aber dann nicht mal soviel Anstand wenigstens ein „wir haben uns anders entschieden“ beizulegen. Tja, kaufen werd ich bei Euch nix mehr. Und alle meine privilegierten Freunde auch nicht. Ätschbätsch.

Nachdem sich all die vermeintlich tollen Angebote als Nullnummern entpuppt hatten, war ich nun soweit, auch die kleinen privaten Stellenangebote in Betracht zu ziehen. Aber nicht für lange. Ich bin weder ein rüstiger Rentner der gerne Hecken schneidet, noch habe ich große Lust für die Mafia zu arbeiten: „Alleinsekretärin für italienischen Privatier gesucht“, ne ne ne, ich hab keine Lust, irgendwann mit Betonschuhen im Comer See zu landen. Der „gepflegte Herr“, der eine „Hobbymasseuse“ sucht, kommt auch nicht in Frage, schließlich steht da „Russin oder Tschechin bevorzugt“. Ziemlich dreist, oder?

Wahrscheinlich findet Ihr mich bald daheim auf dem Sofa, wie ich Millionen Kugelschreiber zusammenschraube, Wundertüten fülle und Briefmarkenpackages zusammenstelle. Denn das wird mir täglich, in Web und Print als das ultimative Erfolgskonzept angepriesen, mit welchem ich ganz nebenbei „tausende Euro in Heimarbeit“ absahnen kann und wenn ich das auch nur noch ein einziges Mal lesen muss, dann glaub ich’s wahrscheinlich und schicke 180 € Vorab-Bearbeitungsgebühr an irgendeine dubiose Briefkastenfirma. Ha ha.

Oder aber ich erkundige mich nach einer 0900er-Nummer und setze meine kundenorientierte freundliche Telefonstimme anderweitig ein. Home-Office mal anders. Und ich könnte während der Telefonate locker meine Wäsche bügeln. Wär doch prima.

Es ist schon irgendwie übel. Die einen verlangen für einen schnöden Tippsenjob tatsächlich ein Dipl.-Irgendwas. Die andern schauen mich mit großen Augen an und verstehen nicht, warum ich mich bei ihnen an die Kasse stellen will, wo ich doch „soooolche Wahnsinns-Qualifikationen“ habe. Und wieder andere sind einfach nur total bekloppt und hoffen drauf dass jeden Tag ein Depp aufsteht und wenigstens einer davon ihren Drecksjob machen will.

Dabei will ich doch einfach nur ein paar Euro nebenbei verdienen. Wenn möglich nicht nachts, nicht in dunklen Gassen, nicht im horizontalen Gewerbe und schon gar nicht als letztes Glied in der großen Strukturvertriebsschneeballkette. Das kann doch nicht so schwer sein!

In diesem Sinne, weitersuchende Grüße

Eure Minijobpraline

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Pixelmonster oder: mit der Domina ins World Wide Web

Für mich ist die große weite Welt der IT ja ein Buch mit sieben Siegeln. Ich bin das, worüber sich hochintelligente Informatikstudenten mit Strickpullover und Nickelbrille gerne lustig machen. „Reiner Anwender“. Macht nix, steh‘ ich dazu, meine Welt besteht nun mal nicht nur aus Einsen und Nullen. Ich will mich an meinen Computer setzen und alles muss funktionieren. Tut es das nicht, verfall ich in Panik und nehme auf einen Schlag alle meine süffisanten Bemerkungen über Informatikstudenten wieder zurück. Schließlich brauch ich jetzt einen. Und zwar schnell.

Soweit, so gut. Bisher alles nicht weiter tragisch, wenn der Rechner mal entsprechend eingerichtet ist und ich über meine Basisanwendungen: schreiben, rechnen, Bilder gucken und Internetsurfen verfügen kann, ist meine Welt in Ordnung.

Nur neuerdings bin ich ja unter die Blogger gegangen. Killerpraline goes online sozusagen. Und weil ich wie gesagt „reine Anwenderin“ bin, hat die komplette Vorarbeit zu diesem Projekt jemand anderes für mich erledigt. (Nein, diesmal kein Informatikstudent. Es gibt tatsächlich auch noch Männer, die Ahnung von sowas haben und trotzdem Geschmack bei ihrer Kleiderwahl beweisen 😉 )Hab mich also quasi ins gemachte Nest setzen können. Zehn Minuten Telefon-Support und ich kannte die Funktionen, jetzt kann ich „anwenden“. Was mir im Übrigen, dank Euch liebe fleißige Leser, einen Wahnsinnsspaß macht.

Nur gehts jetzt halt auch los, gell. Wenn ich mich denn nun schon auf der großen bunten Wiese des World Wide Web breit mache, sollt‘ ich halt langsam auch anfangen, mich damit auseinander zu setzen. Man hat hier ja Millionen von Möglichkeiten. Ich hab bereits erste zaghafte Erfahrungen gesammelt indem ich angefangen habe mich mit dem Dreamweaver zu beschäftigen. Die Profis unter Euch grinsen jetzt vielleicht doof, mir egal. Der Dreamweaver mag das ultimative Programm zur Erstellung von Webseiten sein- für mich ist er eine Todesmaschine. Immerhin ist mir inzwischen klar, wie diese Software zu ihrem Namen kommt. Denn sobald Du anfängst Dich mit ihr auseinanderzusetzen, hast Du Alpträume. Alpträume in denen fiese Pixelmonster Dich verfolgen und Du vergebens Schutz hinter Style Sheets und Cold-Fusion-Basisobjekten suchst. Wohlgemerkt vergebens. Im günstigsten Fall kannst Du den Tag-Inspektor noch um ein paar Code-Fragmente bitten, aber letzten Endes verreckst Du bevor Du den „publizieren“-Button erreicht hast.

Aber gut. Mit jedem neuen Erfolg an der Dreamweaver-Front steigt die Motivation, und wenn ich so weitermache dann bin ich in etwa siebzehn Jahren soweit meine erste eigene Homepage erstellen zu können. Das wirklich Gemeine an Informatikstudenten und gutgekleideten Nicht-Informatikstudenten ist ja, dass sie eine ganz fiese Philosophie fahren: „Learning by doing“. Die erwarten also tatsächlich allen Ernstes, dass Du Dir die ganze Sch…. selbst erarbeitest. Ok, klar, willst Du ja auch, so ist es nicht. Aber plötzlich erscheinen Dir Steuererklärung, Abgasuntersuchung, Zeckenimpfung und Nebenkostenabrechnung dermaßen interessant! Weil der alternative Zeitvertreib wäre ja Pixelmonster bekämpfen. Hm. Was also tun? Genau, Augen zu und durch. Ich weiß noch, wie ich damals Snowboarden lernte. Ganze drei Tage bin ich auf dem Idiotenhügel herumgekullert, Tränen in den Augen, am ganzen Körper blaue Flecken, und am liebsten hätte ich das f…ing Sch… Drecks..Hu…-Brett ganz einfach auf der Hütte in den Kachelofen gesteckt.  Als ich mal wieder heulend und fluchend mitten auf der Piste saß, kam ein mir fremder, aber nichts desto trotz äußerst schnuckeliger Snowboarder zu mir und meinte, er hätte mich eben beobachtet und seiner Meinung nach stünde ich einfach falsch rum auf dem Board. Langer Rede kurzer Sinn, der Schnuckelboarder dreht mir mit zwei drei geschickten Handgriffen die Bindung um und von da ab bin ich nur noch so über die Pisten geflitzt. Hoch lebe Goofy! Was lernen wir daraus? Manchmal muss man einfach die Richtung ändern, bzw. jemanden finden der einem zeigt wie das geht.

Mir wird nun zur Zeit gezeigt, wie ich mir meinen Weg durch die große bunte Welt des World Wide Web bahne. Das ist echt hardcore Leute, denn beim Master of Webpralinendesaster zählen weder Wimpergeklimper noch Dackelblick um mich zu drücken. Da mutiert er zur Domina und fordert meine nicht-technik-kompatiblen Gehirnzellen zum Duell heraus. Aber scheinbar brauch ich die harte Tour, sonst drück ich mich weiter davor und es wird nie eine Pixelpraline aus mir. Und auch wenn ich ja heute wieder viel lieber Ski fahre. Das mit dem Snowboraden hatte ich ja auch irgendwann raus und es hat tierisch Spaß gemacht. Insofern ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit bis ich mir einen Norwegerpullover stricke, eine Nickelbrille aufsetze und mit meinen neuen Freunden aus der Informatik-AG bei ner Tasse grünem Tee und ner Wasserpfeife klugscheißen kann. Ich hoffe nur die gutgekleidete Domina hat noch ein bisschen Geduld mit mir. Weil im Moment handhabe ich das noch so wie damals, als ich noch beim großen roten Stromversorger gearbeitet hatte: Ich ruf den Profi an, lass‘ ihn alles machen und geh derweil eine rauchen. Nur fürchte ich, wird Lord Voldemort mir das nicht mehr lange durchgehen lassen.

In diesem Sinne, Freiheit für die Pixelmonster!

Hochmotivierte Grüße,
Eure Drückebergerpraline

Die (fleissigen) Lieschen sind tot / Wo ist der kleine gelbe Zettel?

Dreissig Grad, die Sonne ballert nur so vom Himmel. Das perfekte Urlaubswetter. Wenn schon nicht Malediven, dann wenigstens Badesee. Gretlmühle oder Haselfurt zum Beispiel (zusammen mit geschätzten 30 000 anderen Leuten uuuuh yeah). Aber denkste. Du sitzt stattdessen in Deinem Büro und stresst Dich mit höchst unsommerlichem Papierkram. Du fixierst den Zeiger der Uhr, aber er bewegt sich einfach nicht. Irgendwann, Du hast ihn lange genug angestarrt, zieht Dir der herrliche Duft von sommerlichem Pfannengemüse in die Nase und Du freust Dich: Mittagspause! Du willst gerade eben Dein „zu Tisch“-Schildchen aufstellen, da hörst Du auch schon die Kollegin von draussen…. „Steffi etwa nicht da?“ Oh nein, denkst Du Dir, ich bin NICHT da, und scannst noch eben den Raum nach einem eventuellen Blitzversteck ab.  Zu spät. „Hallo, Du-hu! Ich hab da mal ein paar Sachen für Dich, die wir noch SCHNELL durchsprechen müssten!“ „Schnell“ ist hierbei wie immer gelogen. „Schnell durchsprechen“ bedeutet nichts anderes als dass Du die nächsten anderthalb Stunden damit verbringst geschätzte siebenunddreissig Leitz-Ordner (wohlgemerkt: die BREITEN!) auf Deinem Schreibtisch zu stapeln und nach Informationen zu suchen die The Great David Copperfield Himself nicht besser hätte verschwinden lassen können.  Der Traum vom Pfannengemüse ist erstmal ausgeträumt. Du kopierst Dir sämtliche handschriftliche Notizen Deiner Kollegin und heuchelst Interesse, bzw. gibst ab und an ein „hmmm… kann ich mich vage erinnern“ oder „Du, das klär ich gleich morgen mit dem Kunden ab“ von Dir um sie nicht zu verärgern. Du kannst sie ja gut leiden, und eigentlich bist Du heilfroh dass sie sich in Deiner Firma um den ganzen Buchhaltungskram kümmert, weil sonst wäre es Deine Aufgabe und Du hättest längst auf Fleischwarenfachverkäuferin umgeschult. Irgendwann, gefühlte drei Tage später, sitzt Du vor eiskaltem Pfannengemüse und es schmeckt Dir nicht, weil Du nun weißt dass Dein Nachmittag gelaufen ist. Du trinkst noch schnell einen Eiskaffee, denn so ein bisschen Luxus darf schon sein wenn schon die Mittagspause gekürzt wurde, Du rauchst noch eine Zigarette und dann sitzt Du wieder an Deinem Schreibtisch und versuchst, das Gekritzel Deiner Kollegin zu deuten. Irgendwann beschließt Du, dass mrogen auch noch ein Tag ist und machst Feierabend.

Zuhause angekommen freust Du Dich erstmal über die kühlen, abgedunkelten Räume. Aber dann stolperst Du über die Kiste mit dem Altpapier, das Du schon seit Wochen im Flur sammelst. Du gehst ins Bad um Dich frisch zu machen, und dort liegen noch die Wattepads von heute morgen. In der Küche willst du Dir was zu trinken holen, stellst aber fest, dass außer zwei Bier nichts mehr da ist. Gefrustet steckst Du Deinen Kopf in die Gefriertruhe und holst Dir erstmal ein Snickers-Eis gegen Depressionen raus. Du gehst weiter ins Wohnzimmer, auf Deinem Schreibtisch Papierkram bis unter die Decke. Du packst den ganzen Haufen und steckst ihn in eine Deiner praktischen IKEA-Boxen, so wie Du das seit Jahren machst. Aus den Augen aus dem Sinn. Bis zur nächsten Steuererklärung ist noch Zeit, bis dahin hast Du alles feinst säuberlich sortiert. (Hast Du natürlich nicht. Hast Du nie. Aber in diesem Augenblick spielt es keine Rolle.) Du öffnest die Balkontür, sengende Hitze schlägt Dir entgegen und Du musst zu Deinem Bedauern feststellen, die fleißigen Lieschen sind tot. Alles Gießen und Düngen für die Katz, die Lieschen sind mal eben ganz fleißig gestorben.

Du bist müde, geschafft, Dir ist heiß und du bist ein bisschen traurig wegen der Lieschen, und deshalb gehst Du ins Schlafzimmer um Dich ein paar Minuten in Dein kühles Bett zu legen. Fehlanzeige, geht nicht, auf dem Bett liegt ein Berg an Bügelwäsche. Du pfefferst alle Deine Bügelklamotten in einen Wäschekorb und legst Dich hin. Zehn Sekunden später klingelt Dein Telefon, Dein Chef ist dran…“Du ich hatte doch heute morgen so einen kleinen gelben Zettel mit einer Telefonnummer drauf, Herr Meier oder Müller, vielleicht auch Schulz…. weißt Du wo der ist?“ Du weißt natürlich nicht wo der kleine gelbe Zettel ist, Du weißt schon lange nicht mehr wo alles ist. Und von gelben Zetteln hast Du sowieso für heute erstmal genug.

Du schreibst eine SMS an Deinen besten Kumpel:“Lust auf ein Feierabend-Bier?“ und hoffst dass er Zeit hat und Dir somit eine Ausrede liefert warum Du heute wieder nicht aufgeräumt, geputzt, gebügelt hast oder wenigstens einkaufen warst.  Auf Badesee hast Du jetzt auch keine Lust mehr. Viel zu stressig, viel zu heiß. Du gehst ins Bad, wirfst die Wattepads in den Müll und legst die letzten beiden Bier ins Eisfach. Du rauchst eine Zigarette, sinnierst kurz über den Sinn des Lebens und entschließt Dich doch wenigstens noch das Altpapier und den Müll runterzubringen. Super-Tag heute.

Prost!
die Feierabendpraline