Provinzdisco

Boah Leute, am Samstag war ich zickig. Richtig zickig. Jaaa, auch das gibts. Man sagt mir ja immer die Ruhe selbst nach, aber Samstag Nacht hab selbst ich in bester Dreijährigen-Manier mit dem Fuß aufgestampft und geschrien: „I mog aba neeeeed!“

Geholfen hat’s nix, ich musste mich letzten Endes dann Papa Spaß, Dr. Specht und der Megaperle geschlagen geben und bin mit selbigen in der legendären Landshuter Diskothek „Diederennamehiernichtgenanntwerdendarf“ aufgelaufen.

Als Landshuter kennt man die Lokalität ja, allen anderen möchte ich hier nun einen kleinen Einblick in den wahnsinnigsten aller wahnsinnigen Provinz-Amüsierschuppen geben:

„Diederennamehiernichtgenanntwerdendarf“ existiert schon eine Ewigkeit, man munkelt, dass schon Herzog Georg seine Jadwiga dort abgeschleppt hat, bevor er dann 1475 ganz standesgemäß die Landshuter Hochzeit ausrichtete….. Heute sehen Diskotheken in der Regel anders aus, und das aus gutem Grund. Man fühlt sich in der Zeit zurückversetzt, und da hilft es auch nicht, dass man erstmal ganz wichtigtuerisch an der Tür klingeln muss, bevor irgendsoein Hiwi von Türsteher einem Einlass gewährt. Immerhin, „Du kummst hier ned rein!“ gibts da nicht.

Kaum eingetreten, erschlägt Dich rechter Hand eine prähistorische Tanzfläche, auf der volltrunkene Mittfünfzigerinnen ihre cellulitebehafteten Hüften schwingen und dabei höllisch aufpassen müssen, dass nicht versehentlich die ein oder andere Krampfader platzt. An der Bar hingegen Männerüberschuss, allerdings ein äußerst zweifelhafter. Auf der einen Seite goldkettchenbehängte, billige Polyesteranzüge tragende Typen, die Haare mit Pomade zurückgekämmt (meiner Meinung nach übrigens ein untrügliches Zeichen für Koksnasen. Das ist die Kokser-Code-Frisur, wetten?) und stets ein Auge auf die Tanzmäuse, wer weiß, wer weiß, vielleicht ist da ja das ein oder andere Pferdchen dabei, das man für ein paar Euros noch einige Jahre laufen lassen könnte. Die andere Seite der Bar wird belagert von diversen älteren Herren, allesamt minderbemittelt, ungewaschen und schlecht gekleidet, dafür halt scheiße fucking reich, jeder ein geschätzt 15jähriges Thai-Mädchen auf dem Schoß. Widerlich, wie diese alten Säcke vor ihren Kataloggespielinnen einen auf dicke Hose machen, da fällt mir echt nix mehr ein.

Wo Du hinschaust, das blanke Elend in Reinkultur, und Du dankst Gott, dass Du doch noch nicht gaaaaaanz so alt bist, normale Menschen um Dich rum hast und diesen Laden nur betrittst, um ein bißchen Freak Show zu gucken. Aber ganz ehrlich, da guck ich künftig dann doch lieber RTL2 und verdränge, dass es solche Gestalten im wahren Leben tatsächlich gibt.

Und sollte ich in 20 Jahren wider Erwarten tatsächlich einmal so einsam und verzweifelt sein, dass selbst „Bauer sucht Frau“ mich ablehnt, dann weiß ich ja wo ich hingehen kann. Dann pack ich meine Orangenhaut, die Hängetitten und sämtliche Krampfadern auch in ein neonfarbenes Minikleid, kauf mir hässliche Schuhe dazu und schwebe mit den anderen Gremlins zu den Klängen von Andrea Berg über die Tanzfläche.

In diesem Sinne,

fröhliches Altern!

Eure Diskopraline

Ach ja, Andrea Berg will ich Euch natürlich nicht vorenthalten. Also, schnell sieben Schnaps gezogen, Ohren zu und PLAY!

 

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Die wilden 70er oder: Do legst Di nieder!

Eigentlich sollte das hier eine Geschichte über einen lustigen Ausflug ins niederbayrische Szene-Outback werden. Jetzt wird es eine übers niederbayrische Szene-Outback, über ein Pralinchen im Herrenklo und ihre heldenhaften Retter.

Wenn sich eine Diskothek über 30 Jahre hält, dann kann man ihr zu Recht Kult-Status zusprechen. Und ich muss zugeben, als ich mit meinen Mädels da gestern Abend gegen elf aufgelaufen bin, war ich auch sehr angetan. Kurios schon der Einlass. Da sitzen vier Abgesandte des Nichtraucherschutzes wie Beamte vor der Tür, ausgestattet mit Leitz-Ordnern, jeder Menge Formularen, Kulis und extrem wichtig anmutenden gelben Kärtchen und stellen Mitgliedsausweise aus. Aha, da drin wird also noch ganz old-school gequalmt, und entweder Du trittst dem Raucherclub bei oder aber „Du kummst hier net rein!“

Drinnen dann der 70er-Jahre-Overkill. Ein alter, baufälliger Laden, für den Dir heute wohl niemand mehr eine Genehmigung zum Diskothekenbetrieb erteilen würde, fröhlich aufgepeppt durch schlecht bemalte Wände auf denen sich 70er-Jahre Musik-Ikonen tummeln. Aber man hat irgendwie gleich das Gefühl, zuhause zu sein. Die Musik ist der Hammer, und mit einem Plätzchen an der Bar scheint es ein echt witziger Abend zu werden. Nachdem ja auch gerade Bayerns zweitgrößtes Volksfest läuft, füllt sich der Laden ziemlich schnell und es ist eine Erfahrung für sich, zu beobachten wie hübsche Mädels im Dirndl zu den Klängen von Led Zeppelin oder Rammstein abgehen und besoffene Jungs in Lederhosen sich zu Boney M im Takt wiegen. Irgendwie fühlte ich mich an Ignaz und meine Bauarbeiter erinnert. Sehr geil anzusehen, ich hätte filmen sollen.

Leider bin ich dazu nicht mehr gekommen. Meine letzte Erinnerung ist die, dass ich meine Freundin gebeten habe, mir ein Wasser zu bestellen. Das nächste, was ich wieder weiß, ist dass ich auf der Treppe vor dem Notausgang sitze, meine Hände zittern, meine Beine zittern, und Papa Spass hält mit mir Händchen. Meine Haare sind klatschenass und ich frage ein verwirrtes „Wo bin ich?“ Der Klassiker unter den Aufwachfragen. Zwischen Wasser bestellen und auf der Treppe sitzen liegen geschätzte zehn Minuten, in denen Papa Spass und Steven mich von der Bar nach draußen getragen haben (ich frag mich immer noch wie Ihr das gemacht habt, aber die blauen Flecken an meinen Armen geben mir eine ungefähre Ahnung davon *lach*), mich ins, wohlgemerkt HERREN-Klo verfrachtet haben, mir Ohrfeigen verpasst und Wasser über den Kopf geschüttet haben. (Danke Jungs, ich hoffe Ihr hattet Spaß dabei *grrrr*.)

Ich war noch nie vorher ohnmächtig. Jetzt kenn ich das auch. Das Witzige an der Sache ist, ich hab gestern noch nicht mal Alkohol zu mir genommen. Vielleicht lag’s ja daran. Kein Alkohol ist halt doch auch keine Lösung! 😉 Oder aber die unglaubliche Schönheit all der niederbayrischen Kleinbauern und Junglandwirte hat mir die Sinne vernebelt. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur allergisch gegen Kuhstallgeruch.

Ich hätte Euch echt gern ein paar Fotos von dieser sagenhaften niederbayrischen Urwald-Location gezeigt (allein die Männer dort…. Selten so viele verschrobene Gestalten auf einmal gesehen!), aber das muss jetzt ausfallen. Kann mich da nicht mehr blicken lassen. Denn von jetzt an werd ich da drin immer „das Mädchen sein, das erst vom Stuhl gekippt und dann im Herrenklo gelegen ist“. Nein danke, auf diesen zweifelhaften Ruf verzichte ich dankend. Peinlich, peinlich. Viel schlimmer noch ist, dass ich meinen tollen Rock nicht mehr anziehen kann. Der Wiedererkennungswert ist einfach zu groß 😉

Aber, und jetzt wird’s mal wieder ein bisschen melancholisch *hihi*, diese Aktion gestern hat mal wieder bewiesen, wie geil es ist, gute Leute um sich zu haben. Denn während sich sämtliche Gesichtskrapfen der Region Straubing-Bogen über die scheinbar besoffene Alte (was die Alte aber gar nicht war) amüsiert haben, haben andere sofort geholfen. Darum ein riesengroßes Danke an Steven und Papa Spass (für das kalte Wasser räch ich mich aber bei Gelegenheit, das wisst Ihr schon, gä? Ihr habt mir meine Frisur ruiniert!!!), an Keksi fürs nach Hause bringen und unbekannterweise an die beiden Jungs, die für das ohnmächtige Pralinchen den Weg zum Notausgang gesichert haben. Jetzt hat die Praline tatsächlich Promi-Status. Einen zweifelhaften zwar, aber immerhin.

In diesem Sinne,

Straubing ist eine Reise wert. Da gibt’s noch DJs, die auf Wunsch Golden Earring spielen und Menschen, die fünfzehn Jahre, nachdem das „Rolling Stone“ einem Einkaufszentrum weichen musste, zu Rage against the Machine ausflippen. Und das in Dirndl und Lederhosen. Der Wahnsinn sag ich Euch. Abgesehen davon hat es noch keine Stadt geschafft, mir derart die Sinne zu rauben ;-). Und sollte ich jemals wieder ohnmächtig werden, dann bitte wieder in den Armen von Steven und Papa Spass.;-) Aber nicht mehr in Straubing, ok? 😉

Kultige Grüße aus den 70ern,

eure gekillte Praline