Kulinarische Macken

Beim Essen hat ja jeder so irgendwelche Macken. Und damit meine ich nicht etwa außergewöhnliche Vorlieben bzgl. des Essens an sich. Geschmäcker sind ja verschieden.

Nein, ich rede hier von seltsamen Angewohnheiten WIE bestimmte Dinge gegessen werden. Gut, wir Mädels pulen gern die Gurke vom Burger, das ist gemeinhin bekannt. Auch scheint es gang und gäbe zu sein, dass man vom Leibnitz-Schokokeks erstmal mit den Zähnen den Schokorand abknabbert bevor man dann den Restkeks in zwei Stücke zerbeißt und diese dann quasi wie ein Minisandwich verspeist. Ich dachte immer, das mach nur ich. Aber inzwischen weiß ich, ich bin mit diesem Hau nicht alleine.

Milchschnitten sind auch so was. Gebt’s zu, wie viele von Euch knibbeln erstmal fröhlich diese seltsame braune Teigschicht runter bevor sie sich dann der Creme widmen? Wobei man immer höllisch aufpassen muss, dieses Mistding bricht nämlich viel zu schnell wenn man die braunen Seitenteile entfernt. Blöd, aber irgendwie ja auch immer eine kleine Herausforderung.

Meine seltsamste Essensmacke offenbart sich beim Pizzabaguette. Ihr wisst schon, das „Tomate-Fromage“ aus dem Bistrooo von Alfooooooons. Ich liebe diese Baguettes (und nur die, alle anderen Sorten schmecken übelst scheußlich *uuuah*). Allerdings kann ich diese Baguettes nur essen wenn ich alleine bin. Ist nämlich kein wirklich schöner Anblick. Ich esse das Ding mit der Hand und schiebe bei jedem Bissen die Tomate-Käse-Schicht mit den Zähnen ein Stück zurück, beiße dann erstmal nur das nackte Baguette ab. Diese Schieberei geht so lange bis sich auf dem letzten Stückchen Baguette ein riesiger Klumpen Tomate-Käse-Belag angesammelt hat, der dann quasi das Highlight meines Pizzabaguette-Genusses bildet. Mein letzter Bissen ist also ein fruchtig-cremiger Riesenberg an Tomatenstücken und Käse, mit nur noch ganz wenig Brot. Ich liebe es. Aber wie gesagt, das geht nur alleine, in Gesellschaft wäre das unmöglich.

Gut, mehrere Dinge sind in Gesellschaft unmöglich, hält aber die verrückten Essensmackengenießer nicht davon ab sich auszutoben. Ich erinnere mich an ein Abendessen auf der Terrasse eines schicken Lokals im noblen Promi-Mekka Marbella, wo mein, wohlgemerkt erwachsener Begleiter seine Spaghetti mit dem Messer klein geschnitten hat. Unserer Gastgeberin war das sichtlich peinlich. (@Begleiter: „also saaaaaag a mal!“ *hihi*) Macht man halt nicht. Hm.

Beim Pizzaessen lassen sich auch oft diverse Eigenheiten feststellen. Fünf Personen, fünf Pizzen, fünf unterschiedliche Arten diese zu essen. Da gibt es z.B. den „Viertler“. Dieser teilt seine Pizza vorab in vier oder mehr Teile, legt dann sein Besteck zur Seite und isst die kleinen Stücke mit den Fingern. Dann gibt’s natürlich den „Stückchenabschneider“. Erklärt sich von selbst, er schneidet einfach Bissen für Bissen von der Pizza ab und führt jeden mit der Gabel zum Mund. Dann gibt es den „Randweglasser“, welcher erstmal fein säuberlich den Knusperrand abtrennt, dann das Pizzainnere mit Messer und Gabel isst und den Rand danach mit den Fingern knabbert. Sofern er nicht zu den „Randweglassernweilnichtmögern“ gehört. Die sind ganz fies, die trennen den Rand von der Pizza ab und verteilen ihn dann fröhlich auf den Tellern der anderen Gäste: „Du-hu? Magst Du bissl was von meinen Ra-hand?“ Nr. Fünf und in meinen Augen der schlimmste Typ des Pizzaessers ist der „Zusammenklapper“. Kein Sinn für Genuss, einfach nur Pizza mittig zusammenklappen und reinbeißen. Sieht meistens ziemlich unappetitlich aus, vor allem eben im Restaurant. Vielleicht sollte man mich noch als Extra-Kategorie führen. Die „Belag-mit-den-Zähnen-Schieberin“. Aber wie gesagt, das trau ich mich nur allein daheim. Sieht nämlich glaub ich auch nicht schön aus. Aber ich schwöre Euch, dieser letzte Bissen mit der mörderblinkidunkimäßigen Hammermenge an Käse, das ist einfach der Wahnsinn!

Irgendwie ist so was schon lustig. Ich hab auch mal einen „Pommes-Sortierer“ kennen gelernt. Die Pommes wurden der Länge nach sortiert und für diesen Mann war es die absolute Wahnsinnsfreude zum Schluss die ganz kleinen, meist staubtrockenen Kartoffelstückchen zu naschen. Das Beste zum Schluss. Eben.

Was habt Ihr denn so für Essensmacken? Oder kennt Ihr Leute mit schrägen Essgewohnheiten? Ihr dürft mir natürlich auch gerne von der Schwester eines Kollegen von der Bekannten eures Schwagers erzählen *lach*

Haut rein!

In diesem Sinne, hungrige Grüße

Eure Käseschieberpraline

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Mitleid mit dem Hendl-Mann

Manchmal hasse ich meinen Job. Jeder hasst manchmal seinen Job. Aber Leute, ich sag Euch, wir können uns alle so glücklich schätzen. Denn es gibt Menschen, hier mitten unter uns, die haben mal echte Scheiß-Jobs.

Und heute bin ich dem Mann begegnet, der den ultimativsten Scheißjob aller ultimativen Scheißjobs hat: Dem Hendl-Mann.

Der Hendl-Mann ist etwa 45 Jahre alt, klein, dick, hat dunkles, leicht lichtes Haar und heißt vermutlich Franz. Oder Karl. Vielleicht auch Sepp. Er steht mit seinem Hendl-Mobil immer auf dem Parkplatz gegenüber von ALDI und verkauft dort seine Hendl. Schöne, saftige, knusprig gegrillte Hendl.

Ich könnte mir vorstellen, dass der Hendl-Mann durchaus kein schlechtes Geschäft macht. Im Herbst oder Winter. Wenn die ganzen genervten Hausfrauen, halb erfroren weil sie eine ganze Stunde lang die ALDI-, Lidl-, Rossmann-Einkäufe und ihre drei quengelnden Kleinkinder in ihren Mini-Van geladen haben, plötzlich den Duft von frischen, heißen Grillhendln in die Nase bekommen, spontan beschließen dass sie heute doch keinen Zucchini-Auflauf mehr kochen wollen und dann wie in einer Art Rausch zum Hendl-Mann rüber laufen und sechs halbe Hähnchen ordern. (Findet Ihr das nicht auch komisch, dass Hähnchen immer nur „halb“ bestellt werden? Warum sagt man nicht „Ich hätt’ gern drei Hähnchen, aber schneiden’s es bitte auseinander!“ Nein, man bestellt „sechs halbe Hähnchen“. Und der Hendl-Mann ist so dreist und nimmt dann doch drei ganze Hähnchen und teilt sie einfach. Schon irgendwie verrückt.)

Also wie gesagt, ganz grundsätzlich ist so ein Hendl-Stand also nix verkehrtes. Nur ist heute der 1. August und es hat schwüle 31 Grad. Der Hendl-Mann steht in seinem Hendl-Mobil, schwitzt und grillt sich nen Wolf. Da drin drehen sich geschätzte 50 Hühner fröhlich im Kreis, während der arme Hendl-Mann verzweifelt versucht, durch den Zusatzverkauf von „eisgekühltem Cola-Wasser-Spreit“ (steht so auf seinem Schild!!!) ein paar Kunden anzulocken.

Der arme Mann schwitzt, der Schweiß läuft ihm in Sturzbächen über das fleischige rote Gesicht, seine Haare sind patschenass und sein hellblaues Hendl-Grill-T-Shirt ist unter den Achseln ins nachtblau übergegangen. Der bedauernswerte Kerl kann ja nix für die Hitze. Und er tut mir echt total leid, weil heute scheinbar niemand ein knuspriges, inzwischen wohl tiefschwarzes vertrocknetes Hendl bei ihm kaufen will. Und selbst wenn sich eine gestresste Hausfrau zu ihm an den Stand verirren würde, seine trostlose schwitzende Hässlichkeit würde ihr wohl dann auch zwangsläufig nur ein verschämtes „Ach, ich wollt nur schauen!“ entlocken.

Als ob der Alltag eines Hendl-Manns nicht schon traurig genug wäre. Tag für Tag macht er nichts als hunderte hässlich nackte Hühner auf einen Grillspieß zu stecken, das Bratfett abzuschöpfen, die Hühner in halbe Hühner zu teilen und diese in Alufolie zu wickeln. Ist so ein Mann stolz, wenn er abends zu seiner Frau nach Hause kommt? Kommt er heim und sagt hoch erhobenen Hauptes: „Schatz, stell Dir vor, was heute passiert ist! Mir ist heute ein Huhn vom Grillspieß gerutscht! Wahnsinn, oder? Sachen gibt’s!“ Und ist diese Frau stolz auf ihren Mann? Prahlt sie am Wochenende bei ihren Mädels vom Kegelclub: „Mensch, da Franz ist so toll, hat er nicht gestern tatsächlich 44 halbe Hähnchen verkauft! Und 8 Flaschen Spreit!“ Und kann so ein Hendlgrillbesitzer noch lachen, wenn jemand in seiner Gegenwart Hühnerwitze macht? Stellt sich der Hendlbrater auch noch manchmal die Frage nach der Henne und dem Ei? Sagt er noch ab und zu dass er mit jemandem „ein Hühnchen zu rupfen“ hat? Und, die Frage aller Fragen: isst er noch gerne Hähnchen? Oder geht er zum Metzger um die Ecke und bestellt sich zwei halbe Semmeln mit zwei halben Scheiben Leberkäs? Meint Ihr es gibt Selbsthilfegruppen für depressive Hendlbudenbesitzer? „Hallo, ich bin der Franz und ich bin auch Hendlgriller!“ – Und alle im Chor: „Hallo Fraaaanz!“

Ich hatte heute wirklich Mitleid mit dem Hendl-Mann. Ich war beinahe soweit dass ich ihm zumindest ein „eisgekühltes Spreit“ abgekauft hätte. Aber ganz ehrlich, sein Anblick war kein schöner. Und hässlichen Menschen kauf ich ungern was ab das ich mir nachher einverleibe. Also hab ich’s gelassen.

Und heute Abend, wenn ich schlafen gehe, werd ich mal wieder beten. Und dem lieben Gott danken, dass ich so einen tollen Job habe.

In diesem Sinne,

knusprige Grüße

Eure Chicken Mc Praline

Nutella & Go!

Ich wage ja zu behaupten dass im Duden unter „Nutella-Sucht“ mein Name steht. Hab’s noch nicht überprüft, ist aber schon sehr wahrscheinlich.  Nutella ist mitunter eine der genialsten Erfindungen der Neuzeit. Kommt gleich nach Internet und Vibratoren mit Netzstecker.

Nutella ist Balsam für die Seele. Was gibt es Sinnlicheres als mit einem langstieligen Löffel in ein frisches Glas Nutella zu tauchen und diesen dann genüßlich abzulecken? Ich würde mal sagen, nichts.

Und jetzt kommen mir die Nutellamacher mit „Nutella & Go“. Leute, ich bin entsetzt. Was haben die sich denn dabei bloß gedacht? Ich bin ja, was den Lebensmitteleinkauf für meinem langweiligen Ein-Personen-Haushalt angeht, eher anspruchslos. Ein bisschen Brot, ein bisschen Käse, Wasser, Milch, ein paar Bier und die ein oder andere Flasche Wein. Gut, Süßigkeiten natürlich, in allen Variationen. Und eben auch Nutella. Ich war noch nie ein großer Freund von diesen „Ich-hab-doch-keine-Zeit-Produkten“. Ich meine, waren die ersten Mikrowellengerichte damals noch eine Revolution für die gestresste Hausfrau, so wirds doch heute nutella & go  © Foto by martini langsam echt albern, oder? Inzwischen stecken wir unsere Schnitzel in den Toaster (aber psst… don’t call it Schnitzel!) weil fünf Minuten Bratpfanne und Butterschmalz sind einfach viel zu anstrengend. Wir schütten heißes Wasser in mit undefinierbarem Pulver gefüllte Pappbecher, hm, könnten Nudeln sein, oder auch Kartoffelpüree. Vielleicht auch Knetgummi, is egal, Hauptsache schnell fertig. Und als ob das nicht reicht, haben wir ein ganzes Arsenal an „Fix-für-Schießmichtot“ im Schrank, für den Fall, dass wir doch mal „frisch“ kochen wollen… kein Wunder dass die Männer heute Freudensprünge machen wenn ihre Perle noch richtig kochen kann. Ich lehn mich sogar so weit aus dem Küchenfenster dass den Jungs die Frau in der Küche oft lieber ist als im Bett. Naja, also manchmal.

Aber ich schweife ab. Wir waren ja bei Nutella. Bzw. der Unsinnigkeit des Jahres: Nutella & Go. Ich weigere mich strikt es zu kaufen, hab mich aber, viva la world wide web, mal schlau gemacht: bei Nutella & Go handelt es sich um unglaubliche 13 g (!) Brot in Form von Minigrissinis und sage und schreibe 39 g Nutella.  Bei einem Preis von etwa 1,10 € ist es ja schon fast günstiger Drogen zu kaufen. Aber gut, lassen wir den Preis mal außer Acht. Fragen wir uns lieber: worin besteht der Sinn von 13 Gramm Brot und 39 Gramm Nutella für unterwegs? 39 Gramm Nutella, ich meine, wollen die mich verarschen? Das 800-Gramm-Glas, das war mal ’ne gute Idee, ja! Die 300-Gramm-Tafeln von Milka, die waren geil! 33% extra in der Pringles-Rolle, oder der Doppelwhopper, ja, sowas find ich perfekt! Aber 13 Gramm Brot mit lächerlichen 39 Gramm Nutella… das ist ja wohl ein schlechter Witz. Abgesehen davon, dass ich mich hier mengenmäßig total unterversorgt fühle, bei diesem schnöden Plastikbecher für unterwegs fehlt auch jegliches Gefühl, die emotionale Komponente, die Theatralik der Entjungferung des Glases mit dem Löffel. Drama Baby, Draaaaama! Da kann die Plastikversion einfach nicht mithalten.

Mein Fazit: Nutella & Go ist sowas wie ehelicher Sex. Du meinst, jetzt kommt endlich mal was Neues, was Aufregendes, stellst aber dann nur enttäuscht fest, dass das was Dich hier befriedigen soll immer kleiner wird, und es auch nix hilft wenn man 13 Gramm Brot dazupackt.

In diesem Sinne, schokoladige Grüße
Eure Lästerpraline

PS: Bei den Recherchen zu dieser Geschichte hab ich mich mit einem Mann unterhalten, der Nutella & Go für äußerst genial hält. Ich war drauf und dran das Produkt vielleicht doch auch mal aus einem anderen, positiveren Blickwinkel zu betrachten, aber dann erklärte mir mein Proband, er wünschte sich, es gäbe auch Leberwurst & Go. Salzstangen im Plastikbecher mit einer separaten Kammer für Leberwurst. Hab ihn dann von meiner Studie ausgeschlossen. Weil eine gewisse Ernsthaftigkeit wollte ich mir schon bewahren. 😛