Die Kiesmafia oder: Der Pate wird 50.

Gut, dass ich Euch meine Geschichten in schriftlicher Form präsentiere. Erzählen könnte ich heute nämlich nichts. Ich bin total heiser. Mein party-geschädigtes Stimmchen bewegt sich zwischen dem besoffenen Krächzen einer Bonnie Tyler und dem leicht erotisch angehauchten Flüstern einer Herzblatt-Susi. Aber immerhin, das ist im Großen und Ganzen der einzige Schaden, den ich am Samstag genommen habe. Ich bin auch nicht in Ohnmacht gefallen, obwohl ich es diesmal mit drei Pils, ebenso vielen Ramazottis und anschließend geschätzten 17 Caipirinhas in Verbindung mit nur etwa drei gehäuften Teelöffeln Nudelauflauf und den diversen Pillen die ich mir grade einpfeifen muss, regelrecht provoziert hatte. Aber ich war ja auch viel zu nervös um ohnmächtig zu werden.

Dabei war mein ganzes Lampenfieber völlig unbegründet. Wenn der Pate zum Feiern lädt, kann man davon ausgehen dass sich nur extrem coole und entspannte Leute einfinden und genau so war’s dann auch. In den zehn Sekunden in denen mir mein Mikro angeheftet wurde und ich vor 100 Gästen die Bühne betreten habe dachte ich ich muss sterben, doch kaum draußen hatte ich den ersten Lacher und plötzlich war ich die Ruhe in Person. Vielleicht hat genau in dem Moment der Ramazotti zu wirken begonnen. Oder aber mein nervöses Selbst hat in dem Moment begriffen, dass die Schadenfreude-Nummer beim Publikum immer zieht. Er hat sich schon was gefallen lassen, der Chief. War schon ordentlich böse unser Programm. Auch mein spontanes Zweit-Opfer, seines Zeichens Rechtsanwalt, wurde ordentlich durch den Kakao gezogen. (An dieser Stelle noch mal ein ganz liebes Danke, dass Du den Spaß mitgemacht hast!) Aber wann hat man schon mal Gelegenheit öffentlich aber völlig ungestraft Gemeinheiten über Familienangehörige und Vorgesetzte zu verbreiten, wenn nicht bei einer lockeren Geburtstagsgesellschaft. Das muss man ausnutzen, vor allem wenn man eine Frau ist, die sowieso so gern lästert…ähem….

Das Publikum war begeistert und auch wenn es heißt, „Eigenlob stinkt“, ich hab mich riesig über die vielen Komplimente (und spendierten Schnäpse) von vielen neuen Fans gefreut. Komischerweise hat mir nur keiner geglaubt dass ich sonst eigentlich „totaaaaal schüchtern“ bin. Hm, seltsam.

Nachdem der Auftritt vorbei war, konnte ich dann auch ganz entspannt zum gemütlichen Teil übergehen, es mir an der Bar bequem machen, alte Kontakte pflegen und neue Bekanntschaften schließen und ohne Ende Caipirinhas trinken. Nachdem ja die ganze regionale Kiesmafia anwesend war, habe ich etliche tolle Gespräche geführt, zum Beispiel hab ich mir Tipps geben lassen wie man am effektivsten einen Ex-Freund in einem Erdloch verschwinden lässt oder aber ihn unauffällig in Betonfertigteile einmauert. Dazu müsste man dann aber eine Arbeitsgemeinschaft mit einem Betonwerk gründen. Kein Problem, jetzt kenn ich sie ja alle 😉

Nachdem das Geburtstagskind ja auch ein passionierter Jäger ist, habe ich auch Bekanntschaft mit einigen derselben machen dürfen und mich darauf eingelassen irgendwann die nächsten Wochen mit auf den Schießstand zu fahren und mich mal am Abschuss von Tontauben zu versuchen. Das Killerpralinchen hantiert mit Schusswaffen …. Hach, ich weiß nicht, ich weiß nicht. Immerhin, der Schießstand ist in Oberbayern, insofern erschieß ich wenigstens nicht die eigenen Landsleute sondern nur niederes Nachbarvolk *grins* Aber vielleicht hab ich ja Spaß dran und dann lern ich das richtig und dann kann ich meinen Exfreunden einfach nur ihre (großen und kleinen???) Penisse wegschießen und muss sie nicht mehr verscharren oder einmauern *hehe* 😉 Ach ja, wie praktisch wenn man die richtigen Kontakte hat 😉

Während ich mich also fleißig bekannt gemacht und folglich ziemlich betrunken habe, wurde das Geburtstagskind noch vom Männerballett „Schwanensee“, den Landshuter Garde-Mädels und natürlich der sagenhaften hüftenschwingenden Anjali erfreut, und das ganze Fest war ein Riesen-Erfolg, dem die Wirtin und das Service-Personal dann leider leider um sechs Uhr morgens ein Ende gemacht haben, weil sie einfach die Bar geschlossen haben. Frechheit, oder? Dabei war ich gerade dabei einem befreundeten Unternehmer zu erklären dass ich seinen Sohn nicht heiraten will, und das obwohl mir meine Oma (ja die Oma mit den 500 PS….) dauernd sagte: „Kind, sei ned so dumm, der erbt a mal die ganze Firma!“. Tja, so ist das in Niederbayern. Da werden Kinder und Enkelkinder noch ganz traditionell im Wirtshaus verschachert…

Mein persönliches Fazit für diesen Abend: Lampenfieber ist für’n Arsch. Wenn Dein bester Freund sagt, er trinkt heut nichts weil er noch fahren will, glaube ihm nicht. Ein Lächeln ermöglicht Dir ein Gespräch, ein Lächeln und ein kurzer Rock ermöglichen Dir Gespräche, Caipirinhas und Gratiskippen. Nicht alle Jäger sind alt und tragen grün. Mit Megaperlchen kann man nirgends hingehen ohne dass sie nicht irgendwen kennt. Anjali ist und bleibt sexy. Der Hubert heißt eigentlich Rainer. Und morgens um halb sieben mit dem Taxi in den Sonnenaufgang fahren hat etwas äußerst Romantisches.

Als ich gestern dann gegen Mittag aufgewacht bin, war ich sehr traurig. Ich hatte so Lust auf Mc Donalds. Aber keine Stimme. Und jetzt verrat mir wie ich bei Mc Drive eine Bestellung durchgeben soll wenn ich nicht sprechen kann. Aber wofür hat man Freunde? 😉

In diesem Sinne, feiert mal wieder!

Eure Partypraline

PS: Wenn es soweit ist mit dem Schießen, dann geb ich Euch vorher hier Bescheid, versprochen. Sicherheitshalber. Killerpraline goes wild 😉

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Lampenfieber

So. Morgen ist es also soweit. Pralinchen wird ihren ersten offiziellen Auftritt vor Publikum haben.

Nun ist ja gemeinhin bekannt, dass sie im Schreiben immer besser ist als im Reden. Zumindest als im Reden vor Publikum. Aber was passiert, wenn man dem Pralinchen so lange Honig ums Maul schmiert, wie witzig sie doch ist und was für tolle Ideen sie doch immer hat und wie „nett“ es doch wäre das ganze mal live rüberzubringen? Das Pralinchen fängt an den ganzen Blödsinn zu glauben und stürzt sich in die Arbeit.

Und jetzt hat sie den sprichwörtlichen „Dreck im Schachterl“ und muss morgen ran. Der Pate wird 50. Der Great Chief der hiesigen Kiesmafia hat über 100 Gäste geladen und Pralinchen wird eine halbe Stunde Programm machen. Au weia.

Immerhin, ich hab geübt. Fleißig geübt. An dieser Stelle meinen Dank an die äußerst geduldigen Versuchskaninchen Mama, Tanja, Michi und meinen Stuhl im Wohnzimmer (bei letzterem entschuldige ich mich hiermit auch in aller Form für die vielen Tritte. Sorry Alter. Wird nicht mehr vorkommen!).

Mein Outfit für morgen steht auch. Ich hab mich für einen kurzen grauen Rock, ein schwarzes Strickoberteil und Stiefel entschieden. Zum einen harmoniert grau gut mit rot, der Farbe die mein Gesicht morgen Abend unweigerlich annehmen wird. Zum andern hoffe ich, dass ich, sollte ich den Auftritt komplett versemmeln, wenigstens mit meinen tollen Beinen punkten kann.

Im Grunde bin ich bestens vorbereitet. Das Programm steht, Musik und Beleuchtung wurden professionell arrangiert, mein Outfit ist perfekt und ich hab mir zu den lustigen Gags noch lustigere Alternativgags überlegt die ich im Zweifel durch noch viel mehr lustigere Alternativgags austauschen kann. Ich hab alle Eventualitäten bedacht, sämtlichen Programmpunkten eine Zweitversion hinzugefügt für den Fall dass etwas nicht funktioniert oder das Publikum wegdriftet oder der Strom ausfällt oder das Bier ausgeht oder was auch immer.

Das Einzige, was mir morgen nicht passieren darf ist, wieder ohnmächtig zu werden. Zum einen sind Papa Spaß und Steven morgen nicht anwesend, die Rettungshelfer meines Vertrauens. Zum andern ist mein Rock morgen noch kürzer als damals in Straubing. Sollte ich also umkippen, wird jeder der 100 Gäste morgen wissen welche Unterwäsche das Pralinchen trägt. Und das woll ma mal nicht.

Aber das wird auch alles nicht passieren. Ich werde da morgen hinfahren, mir gepflegt eins zwei drei Cuba Libre reinstellen und dann loslegen. Man soll sich ja bei Lampenfieber das Publikum nackt vorstellen, soll angeblich helfen. Hm, wenn ich mir die Gästeliste so anschaue, dann hilft das bei mir nicht. Sind ja nicht nur alte Säcke da. Auch ein paar junge Schneckels. Und wenn ich mir die nackt vorstelle dann werd ich nur noch nervöser als ich eh schon bin. Also doch die Cuba-Libre-Methode.

Im Grunde ist es eh egal. Denn egal wie gut oder schlecht das morgen läuft, es gibt genug zu trinken und ganz abgesehen davon wird die fabelhafte Anjali um Mitternacht das Café Oriental eröffnen und spätestens dann haben die Gäste sowieso alles vergessen was vorher war.

In diesem Sinne, Licht aus, Spot an!

Eure Bühnenpraline