Frauentausch oder: Der Showdown der Siffsäue

Ich hab gestern mal wieder reingezappt. Unterschichtenfernsehen ist halt auch irgendwie lustig, kann man sagen was man will. Und es macht leicht ums Herz, weil nachdem man die Sendung gekuckt hat, weiß man, mit einem selber ist alles gut. Egal, was man selber grad wieder verbockt hat, es gibt immer Menschen, die noch viel blöder sind und das sogar noch öffentlich demonstrieren.

Mich würd ja mal interessieren, wieviel Kohle RTL 2 da locker macht, wenn man sich für den Frauentausch zur Verfügung stellt. Muss ne ganze Menge sein, wenn man mal bedenkt dass die Männer am Ende der Tauschaktion ihren Frauen immer ganz öffentlich beteuern, wie sehr sie sie vermisst haben und wie sehr sie sie doch lieben. Frauen, mit denen ich, wäre ich ein Typ, keinen Tag würde zusammen leben wollen geschweige denn das auch noch vor Publikum ausbreiten. Ich würd wahrscheinlich noch nicht mal meinem eigenen Rauhhaardackel gegenüber zugeben dass ich mit so einem Weib in der Kiste war. Aber gut, wo die Liebe hinfällt. Woll ma mal nicht so intolerant sein.

Ganz grundsätzlich ist der Frauentausch ja eine feine Sache. Und ehrlich, in manch vergangenen Beziehungen hätt ich mir auch gewünscht mich mal zehn Tage wegzutauschen, weil mir mein Alter zuhause so auf den Senkel ging, dass es woanders gar nicht schlimmer hätte sein können. Aber leider muss man dafür ja auch ins Fernsehen, und darauf hab ich mal echt gar keine Lust. Abgesehen davon dass ich danach wohl aus lauter Scham zum Nordpol auswandern müsste, sieht man ja durch so eine Fernsehkamera auch immer 20 Pfund schwerer aus und dafür bin ich schlichtweg zu eitel. Außerdem hatte ich meine „15 Minuten im Rampenlicht“ bereits. Eigentlich waren es sogar 22 Minuten. Damals, als ich meinen Hintern unbemerkt genau in die Kamera gehalten habe die gerade den Auftritt eines bekannten Party-Duos filmen sollte. (Grüße hiermit an Frau K., ich warte noch immer auf meine Kopie von „Superarsch- The Movie“!)

Also überlass ich diese Tauschgeschichte lieber weiter all den kinderreichen Sonderschülerinnen, Hartz-IV-abhängigen Exnutten und vom Leben getäuschten Esoteriktanten. Die können dann weiter beruhigt RTL 2 anrufen, zum Beispiel wenn sie keine Lust haben ihre versiffte Bude selbst zu putzen. Das ist nämlich auch geil: in nahezu jeder Sendung muss die Tauschmutti erstmal groß reinemachen. Wahnsinn. Ich würd mich ja in Grund und Boden schämen, wenn meine Bude so aussähe wie bei manchen dieser Kandidatinnen. Aber gut, da hat ja jeder ein anderes Verständnis dafür. Immerhin sind die Macher von Frauentausch dann so nett und schicken der Siffsau eine Putzfee. Die hat dann nämlich zweimal Glück. Zum einen darf die Putzfee die fremde Wohnung quasi kern-sanieren, und zum andern hat sie nachdem die schmutzige Tauschmama wieder weg ist, daheim auch wieder ordetnlich zu tun. Eine Win-Win-Situation sozusagen.

Die weitaus schwierigere Aufgabe besteht allerdings darin, den Tauschmann umzukrempeln. Was man in 20 Jahren beim Eigenen nicht geschafft hat, soll jetzt in zehn Tagen bei einem Fremden funktionieren.  Und was sich die armen Jungs da alles gefallen lassen müssen, ja der Wahnsinn. Muss echt viel Kohle rausspringen bei der Aktion, weil, ich find ja, die Männer kastrieren sich durch die Teilnahme am Frauentausch selber. Der zartbesaitete Fürmeinefrauwürdichallestun-Softie wird plötzlich für seine Waschlappigkeit an den Pranger gestellt, und der ganzkörpertätowierte Exknacki mit Latex-Fetisch soll auf einmal staubsaugen lernen und der Tauschmami einen Kuchen backen. Ja, gehts noch?

Bei den Kindern ist es noch fieser. Da buhlen die Tauschmuttis zehn Tage lang um die Gunst der Kleinen, nur um nachher mit dem Gefühl nach Hause zu fahren, der echten Mutter mal so richtig die Tour versaut zu haben. Mich würd mal interessieren wieviele Psychologen sich in 20 Jahren um ehemalige Frauentausch-Kinder kümmern müssen, die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen, nur weil die Mandy oder Cindy viel netter war als die eigene Frau Mamá.

Aber egal wie nett oder nicht nett und egal in welch verschrobenen Familien getauscht wurde, am Ende einer jeden Folge wartet man als Zuschauer gespannt auf den Showdown: was haben die beiden Familien nun nach zehn Tagen voeneinander gelernt? Mehr Rücksicht? Mehr Toleranz? Ist gar die Liebe zurückgekehrt? Wir müssen uns gedulden, denn erstmal gibts noch das Highlight der Gegenüberstellung: „Du Schlampe kannst Deine Kinder nicht erziehen!“ „Dein Mann ist ein Weichei!“ „Du faules Stück, in Deiner Drecksbude holt man sich ja was weg!“ Das dauert ungefähr zwei Minuten, dann stossen die Männer mit Blumenstrauss dazu. Für 200 Öcken extra sagen sie ihren zurückgekehrten Mädels auch noch was von „vermisst“ und „hab Dich lieb“ und alle sind wieder glücklich und dürfen nach Hause, wo auch schon Kinder, Omma und Hund warten und wo die Welt wieder schön und ordentlich ist. Oder eben siffig, je nachdem in welche Wohnung unser letzter Blick geht.

Praktisch für die Frauentausch-Macher ist halt, dass solche Familien auch gut recycelt werden können. Der Siffmutti schicken sie „Die Putzteufel“, zu den dicken Kindern kommt der Herr Dr. Stefan Fähdrich und zeigt ihnen wie man abseits von Playstation und Kartoffelchips Spaß haben kann, und die Tauschmutti kriegt einen Beitrag in „Exklusiv- die Reportage: Hausfrauen auf dem Sado-Strich“, weil ihre Peitschen, Knebel und Lederoutfits hat ja nun eh schon halb Deutschland gesehen. Immerhin, solange wir als Zuschauer noch selber entscheiden dürfen ob wir gucken oder nicht, ist das ja alles halb so tragisch.

In diesem Sinne, wer tauscht noch ein paar Wochenendgrüße mit mir?

Eure Fernsehpraline

Werbeanzeigen