Die (fleissigen) Lieschen sind tot / Wo ist der kleine gelbe Zettel?

Dreissig Grad, die Sonne ballert nur so vom Himmel. Das perfekte Urlaubswetter. Wenn schon nicht Malediven, dann wenigstens Badesee. Gretlmühle oder Haselfurt zum Beispiel (zusammen mit geschätzten 30 000 anderen Leuten uuuuh yeah). Aber denkste. Du sitzt stattdessen in Deinem Büro und stresst Dich mit höchst unsommerlichem Papierkram. Du fixierst den Zeiger der Uhr, aber er bewegt sich einfach nicht. Irgendwann, Du hast ihn lange genug angestarrt, zieht Dir der herrliche Duft von sommerlichem Pfannengemüse in die Nase und Du freust Dich: Mittagspause! Du willst gerade eben Dein „zu Tisch“-Schildchen aufstellen, da hörst Du auch schon die Kollegin von draussen…. „Steffi etwa nicht da?“ Oh nein, denkst Du Dir, ich bin NICHT da, und scannst noch eben den Raum nach einem eventuellen Blitzversteck ab.  Zu spät. „Hallo, Du-hu! Ich hab da mal ein paar Sachen für Dich, die wir noch SCHNELL durchsprechen müssten!“ „Schnell“ ist hierbei wie immer gelogen. „Schnell durchsprechen“ bedeutet nichts anderes als dass Du die nächsten anderthalb Stunden damit verbringst geschätzte siebenunddreissig Leitz-Ordner (wohlgemerkt: die BREITEN!) auf Deinem Schreibtisch zu stapeln und nach Informationen zu suchen die The Great David Copperfield Himself nicht besser hätte verschwinden lassen können.  Der Traum vom Pfannengemüse ist erstmal ausgeträumt. Du kopierst Dir sämtliche handschriftliche Notizen Deiner Kollegin und heuchelst Interesse, bzw. gibst ab und an ein „hmmm… kann ich mich vage erinnern“ oder „Du, das klär ich gleich morgen mit dem Kunden ab“ von Dir um sie nicht zu verärgern. Du kannst sie ja gut leiden, und eigentlich bist Du heilfroh dass sie sich in Deiner Firma um den ganzen Buchhaltungskram kümmert, weil sonst wäre es Deine Aufgabe und Du hättest längst auf Fleischwarenfachverkäuferin umgeschult. Irgendwann, gefühlte drei Tage später, sitzt Du vor eiskaltem Pfannengemüse und es schmeckt Dir nicht, weil Du nun weißt dass Dein Nachmittag gelaufen ist. Du trinkst noch schnell einen Eiskaffee, denn so ein bisschen Luxus darf schon sein wenn schon die Mittagspause gekürzt wurde, Du rauchst noch eine Zigarette und dann sitzt Du wieder an Deinem Schreibtisch und versuchst, das Gekritzel Deiner Kollegin zu deuten. Irgendwann beschließt Du, dass mrogen auch noch ein Tag ist und machst Feierabend.

Zuhause angekommen freust Du Dich erstmal über die kühlen, abgedunkelten Räume. Aber dann stolperst Du über die Kiste mit dem Altpapier, das Du schon seit Wochen im Flur sammelst. Du gehst ins Bad um Dich frisch zu machen, und dort liegen noch die Wattepads von heute morgen. In der Küche willst du Dir was zu trinken holen, stellst aber fest, dass außer zwei Bier nichts mehr da ist. Gefrustet steckst Du Deinen Kopf in die Gefriertruhe und holst Dir erstmal ein Snickers-Eis gegen Depressionen raus. Du gehst weiter ins Wohnzimmer, auf Deinem Schreibtisch Papierkram bis unter die Decke. Du packst den ganzen Haufen und steckst ihn in eine Deiner praktischen IKEA-Boxen, so wie Du das seit Jahren machst. Aus den Augen aus dem Sinn. Bis zur nächsten Steuererklärung ist noch Zeit, bis dahin hast Du alles feinst säuberlich sortiert. (Hast Du natürlich nicht. Hast Du nie. Aber in diesem Augenblick spielt es keine Rolle.) Du öffnest die Balkontür, sengende Hitze schlägt Dir entgegen und Du musst zu Deinem Bedauern feststellen, die fleißigen Lieschen sind tot. Alles Gießen und Düngen für die Katz, die Lieschen sind mal eben ganz fleißig gestorben.

Du bist müde, geschafft, Dir ist heiß und du bist ein bisschen traurig wegen der Lieschen, und deshalb gehst Du ins Schlafzimmer um Dich ein paar Minuten in Dein kühles Bett zu legen. Fehlanzeige, geht nicht, auf dem Bett liegt ein Berg an Bügelwäsche. Du pfefferst alle Deine Bügelklamotten in einen Wäschekorb und legst Dich hin. Zehn Sekunden später klingelt Dein Telefon, Dein Chef ist dran…“Du ich hatte doch heute morgen so einen kleinen gelben Zettel mit einer Telefonnummer drauf, Herr Meier oder Müller, vielleicht auch Schulz…. weißt Du wo der ist?“ Du weißt natürlich nicht wo der kleine gelbe Zettel ist, Du weißt schon lange nicht mehr wo alles ist. Und von gelben Zetteln hast Du sowieso für heute erstmal genug.

Du schreibst eine SMS an Deinen besten Kumpel:“Lust auf ein Feierabend-Bier?“ und hoffst dass er Zeit hat und Dir somit eine Ausrede liefert warum Du heute wieder nicht aufgeräumt, geputzt, gebügelt hast oder wenigstens einkaufen warst.  Auf Badesee hast Du jetzt auch keine Lust mehr. Viel zu stressig, viel zu heiß. Du gehst ins Bad, wirfst die Wattepads in den Müll und legst die letzten beiden Bier ins Eisfach. Du rauchst eine Zigarette, sinnierst kurz über den Sinn des Lebens und entschließt Dich doch wenigstens noch das Altpapier und den Müll runterzubringen. Super-Tag heute.

Prost!
die Feierabendpraline

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