Wenn echte Helden knapp dem Tod entrinnen….

Männer sind lustig. In ihrem stetigen Kampf um die Rolle des Alphamännchens rasen sie mit 220 Sachen über die Autobahn, stürzen sich aus Flugzeugen, organisieren Surival-Camps und selbst die weniger risikofreudigen unter ihnen zeigen uns ihre sagenumwobene Stärke wenigstens dadurch dass sie in der Muckibude beim Bankdrücken ordentlich transpirieren. Was auch immer, es gilt: „Der Mann- das starke Geschlecht“.

Wehe nun aber wenn ein starker Mann krank wird. Dann gerät die Welt aus den Fugen. Schon ein klitzekleiner Schnupfen fesselt ihn tagelang ans Bett, von einer ausgewachsenen Grippe ganz zu schweigen. Da sind dann wir Mädels wieder gefragt und müssen für unser armes krankes Hasi zur Apotheke laufen, literweise Tee kochen und alternative Heilmethoden für den sehr wahrscheinlichen Ahugahagahuga-Virus googeln. Und natürlich eimerweise vollgerotzte Taschentücher entsorgen, vorsorglich bei der Schwiegermutter anrufen und ihr mitteilen dass sie umghend vorbei kommen muss, denn ihr armer Sohn liegt ja im Sterben, und zwischendrin wenn uns noch Zeit bleibt, müssen wir unseren armen todkranken Schatz natürlich noch hutschen und heitschen und ihm immer wieder sagen wie gemein doch die Welt und was er doch für ein armes armes krankes Ding ist.

Männer sind einfach so. Die Natur hat sich schon etwas dabei gedacht, dass Frauen einfach schmerzresistenter sind. Stellt Euch mal vor wir würden genauso jammern wie die Männer! Jeden Monat müssten wir uns krankschreiben lassen weil wir ja heulschluchzjammer unsere Tage haben.  Die Menschheit wäre längst ausgestorben, weil wir keine Kinder mehr kriegen würden, tut ja soooooo weh! Und selbst wenn nicht, dann wäre die Welt eine ziemlich häßliche, denn mit Brauen zupfen und Beine wachsen wär ja dann auch nix. Habt Ihr einem Mann schon mal ein Haar ausgezupft oder ihm einen Pickel ausgedrückt? So laut schreit nicht mal die komische Alte im Exorzisten, ich sags Euch!

Männer und Krankheit, das ist ein ganz eigenes Thema. Wenn ein Mann zum Beispiel zum Arzt muss, dann informiert er sich natürlich erstmal über die beste Adresse am Platz. Ein Arzt bei dem man sofort einen Termin bekommt, kann kein guter Arzt sein! Also wartet unser Held drei Monate auf einen Termin, nur um ihn dann noch um weitere drei Monate zu verschieben. Natürlich aus Gründen, die mehr als verständlich sind: das Auto muss zum TÜV, der Hamster vom Chef hat Geburtstag, oder aber bei Burger King hat’s so lecker nach Käse gerochen. Dass sich unser Schnucki letztendlich einfach nur fürchtet wie ein kleines Kind vorm Schrankmonster, das würde Schnucki nie zugeben.

Klar, so ein Termin beim Zahnarzt beispielweise, ist natürlich nicht lustig. Auch wir Frauen sind da nicht sonderlich scharf drauf. Aber wir gehen halt einfach hin. Wir machen einen Termin, halten diesen ein, putzen uns die Zähne, lesen im Wartezimmer die Bunte oder die Gala und wenn der Onkel Doktor dann soweit ist, lassen wir uns unsere Beißerchen untersuchen und gut ists. Wenn er bohren muss, ja dann muss er halt bohren. Wofür gibts die gute alte Betäubungsspritze? Ziept ein bisschen und danach sabbert man zwei Tage lang, aber dafür tuts auch gar nicht weh. Die Männer sind da anders. Wenn sie den fünften, siebten oder einundzwanzigsten Termin nun endlich wahrnehmen (irgendwann triumphiert halt doch die Vernunft über den Schmerz), dann gehts los. Termin um 10 Uhr. Um 9.30 Uhr hat unser Held schon 17 Zigaretten geraucht. Langsam macht er sich auf den Weg. In der Praxis angekommen würde er am liebsten anfangen zu weinen, doch weil die Sprechstundenhilfe so süß ist, kann er es sich noch verkneifen. Im Wartezimmer blättert er verkrampft in „Diver’s World“ oder einem anderen Heft mit bunten Bildern. Da müsst Ihr mal aufpassen, für Männer gibt es in Zahnarztpraxen nur Bildmagazine. Eben weil sie viel zu nervös sind um auch nur ansatzweise einem Text folgen zu können. Jedes Mal wenn die Sprechanlage knackt, Herzstillstand! Aber zum Glück, es war noch nicht sein Name der da aufgerufen wurde. Unser Held stellt sich vor, was gerade in den Behandlungszimmern abgeht und ihm erscheinen verzerrte Bilder von mittelalterlichen Gemetzeln. Gerade als er ganz entschlossen aufsteht um die Praxis unter einem Vorwand wieder zu verlassen, wird sein Name aufgerufen und die süße Maus vom Empfang führt ihn in einen Behandlungsraum. Zitternd setzt er sich auf den großen furchteinflößenden Stuhl, und spätestens als ihm Miss Zahnarzthelferin 2008 dieses seltsame Lätzchen umbindet, ist es mit seiner Männlichkeit dahin und mit einem riesengroßen Kloß im Hals verdrückt er sich die Tränen. Der Arzt kommt herein, sein Handschlag gleicht dem eines Metzgers und unser Held sackt in seinem Monsterstuhl in sich zusammen. Der Zahnarzt fängt an sich im Mund unseres Helden umzusehen und diktiert seiner Assistentin die uns allen immer wieder unverständlichen Zahn-Koordinaten. Sauger und Bohrer werden herangeschoben, und spätestens jetzt ist Schluss: „Vollnarkose oder ich bring Dich um!“ Unser Held ist am Ende, unterschreibt die Einweisung in die Klinik für die Totaloperation und fährt erschöpft aber glücklich wieder nach Hause. Abends will er dann natürlich Sex, schließlich ist er ja jetzt wieder Mr. Testosteron Himself, knapp dem Tod entronnen und eben ein echter Held! Und wehe du sagst ihm dann “ Schatzi, heute nicht, ich hab soooooo Migräne!“ Dann heißts bloß: „Mensch, Ihr Frauen stellts Euch wegen dem bissl Kopfweh vielleicht an!“

In diesem Sinne schöne Grüße an alle kranken Männer und deren Pflegerinnen!
Eure Dr. med. Praline Killer

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