Hip Hopper und Heckflossen

Ich bin, was Musik angeht, ja nicht sehr heikel. Laut muss sie sein, Spaß muss sie machen. Nur was halt mal gar nicht geht ist Hip Hop. Wenn ich Hip Hop hören muss (und leider habe ich seit einiger Zeit Nachbarn, die immer dann den Motherfucker in die Endlosschleife packen wenn ich grad ganz entspannt in der Badewanne liege…), dann würd ich am liebsten sämtliche Logopäden dieser Welt zusammentrommeln und eine Hilfsorganisation für sprachgestörte Möchtegernmusiker ins Leben rufen. Ich mein, geht’s noch, wo kommen wir denn da hin, einfach ein paar Schimpfwörter aneinanderreihen, nen Bass drunter legen und dann sagen man macht Musik? Ne ne ne, Leute, so geht das nicht.

Ist Euch mal aufgefallen, was Hip Hop eigentlich anrichtet? Hip Hop hat dazu geführt dass nachts um vier sämtliche Sonderschüler aus dem Landshuter Süden sich an der Bushaltestelle gegenüber meines Hauses zusammenrotten und so tiefsinnige Gespräche führen wie „Ey Alder, Du hast mir in die Eier getreten!“ – „Ne Alder komm ma wieda klar ey, isch hab dir ned in deine schwulen Eier getreten!“- „Ey yo Alder, wohl haste mir voll fett in die Eier getreten!“ Und Hip Hop hat dazu geführt, dass der traditionelle Faschingsball beim Holmer inzwischen zur „Pimp ‚n’ Ho!“-Party mutiert ist, wo pickelige Jungs sich als Zuhälter verkleiden und mit möglichst vielen spärlich bekleideten Mädels, von denen die ersten gerade ihre Tage kriegen und Brüste entwickeln, auflaufen müssen. Ziel der Veranstaltung ist es dann allen Ernstes, zur schärfsten Hure des Abends gekürt zu werden. Als Preis gibt’s ne Magnumflasche Billigsekt und den Spaß, den Eltern daheim dann am nächsten Morgen zu erzählen, man habe den Preis als „geilste Nutte Niederbayerns“ gewonnen. Uh yeah. Welch erstrebenswertes Ziel.

Wo ist denn der gute alte Rock ‚n’ Roll hin? Wo sind sie, meine heißgeliebten Jungs mit den schmierigen Tollen, den speckigen Lederjacken, den mördermäßigen Kontrabässen? Wo sind all meine verehrungswürdigen langhaarigen harleyfahrenden und hotelzimmerzerstörenden Gitarrenrocker? Was ist aus all meinen tiefsinnigen schwarzmalendenLiedermachern geworden? Die sind alle verschwunden. „Nischengenres“ hab ich mal gelesen, so nennt man das jetzt, wenn jemand noch echte, ehrliche Musik macht. Geh mal zum Müller oder zum Media Markt und frag nach Rockabilly-Platten. „Äh… Rockawas?“ Kennt keine Sau mehr. Aber wenn du den Song aus der „Kinder Maxi-King“-Werbung suchst, kein Problem, steht da vorne, gleich neben Puff Diddy Daddy-Oh und all den andern goldkettenbehängten Luschen-Gangstern.

Erinnert Ihr Euch an diese Pseudo-Hip-Hop-Teenies, die vor einigen Jahren mal Ben E. King’s wundervolles Lied „Stand by me“ gecovert hatten? Folgende Situation in einer Münchner U-Bahn. Ein paar Kids in Kniescheißerhosen und mit stylishen Baseballcaps hängen am mp3-Player und diskutieren besagten Song, rappen eifrig mit und dann sagt doch tatsächlich ein Mädel: „Och, das Lied is so schööööön, und am besten gefällt mir der Refrain, der hat so ne schöne Melodie!“ Ja Süße, der Refrain und die schöne Melodie ist halt auch noch genau so wie im Original vom guten alten Ben. Aber woher sollst du das auch wissen.

Vorgestern bin ich beim zappen zufällig bei den Hitgiganten hängengeblieben. Ihr wisst schon, Spaßopa Hugo Egon Balder und etliche B-, C- und D-Promis als Gäste. Thema: die ultimativen Sommerhits. Gut, ich hab nicht lange geschaut, folglich kann ich jetzt nicht viel über die Hip-Hop-Präsenz unter den Sommerhits sagen, aber ich hab immerhin mitbekommen, dass „Coco Jambo“ unter den höchstplatzierten Titeln war. Erinnert Ihr Euch? „Ya ya ya Coco Jambo, ya ya yeh!“ Hallo, geht’s noch? „Here we go let’s move to the groove!“ Yeah, welch musikalisches Meisterwerk. “Eurodance” nennt man diesen Mist und der hat bestimmt auch ein eigenes Regal beim Müller. Erschreckend, findet ihr nicht? Ich vermute ja, dass da sämtliche Robinson Clubs dieser Erde dahinterstecken. Die unterwandern mit den Machwerken ihrer besoffenen Animateure langsam aber sicher die komplette Musikindustrie, solange, bis sich die ganze Welt bei einem einzigen universellen Clubtanz in den Armen liegt. Immerhin, auch eine Art für den Weltfrieden zu sorgen.

Ich für meinen Teil kann sowas einfach nicht ertragen. Und glaubt mir, ich hab’s ausprobiert. Ich bin jetzt 30 und hab damals pubertierenderweise alle identitätsbildenden Musikrichtungen durch. Ich war die Böhse-Onkelz-Revoluzzerin, ich saß mit Bundeswehrparka und Pali-Tuch auf der Mühleninsel und hab WIZO und die Ärzte gehört, ich hab bei meinem ersten Discobesuch zu „Mr. Vain“ getanzt, bin später in floureszierenden Klamotten auf die berühmt berüchtigten Raves in die Hart-Halle gefahren, und war sogar etliche Male bei der „Schlagersahne“ im Alabama. Letzten Endes bin ich musikalisch in den alten BMW meiner Eltern zurückgekehrt. Da gab es nämlich eine knallrote AGFA-Kassette, auf der Led Zeppelin, Status Quo, CCR, Dr. Hook, die Stones, aber eben auch der gute alte pappsüße Elvis, der schmachtende Richie Valence und mein persönlicher „Sexiest Voice unfortunately no longer alive“ Eddie Cochrane zu hören waren. Schade ist nur, dass niemand mehr weiß, wo diese Kassette abgeblieben ist. Den BMW gäbs nämlich noch….

In diesem Sinne, lasst die Haare wachsen und fordert mit mir die Wiedereinführung der Heckflossen! Rock ‚n’ Roll is never too loud!

Eure Hitpraline


Advertisements

Liebeskummer auf Malle

Die meisten von Euch wissen, dass ich, was Musik angeht, eher old-school-mäßig gepolt bin. Oder warum sonst krieg ich immer das Mikro in die Hand wenn John Foggerty die Baumwollfelder besingt, Elvis mein Teddybär sein will oder Bryan Adams sich an den Sommer ’69 erinnert?

Aber ab und an gibts auch mal nen aktuellen Titel der mir gefällt. „So soll es bleiben“ von Ich & Ich zum Beispiel hab ich inzwischen geschätzte siebzehntausend Mal in Endlosschleife gehört, weils einfach grad so gut in mein Leben passt. „All summer long“ von Kid Rock macht mir im Moment richtig Bock auf Sommer, und über „Hey there Delilah“ freu ich mich immer und immer wieder wenn ichs im Radio hör.

Und dann gibts aber Titel, die hör ich, find ich schön, und stell dann aber entsetzt fest, dass der Text totaler Bullshit ist. Aktuelles Beispiel: „Almost Lover“ von A Fine Frenzy. Und bevor Ihr jetzt meckert, ich find den Titel wunderschön, ein sehr romantischer Song, gesungen von einer fantastisch samtigen Stimme. Ich hör das Lied gern, nur leider komm ich nicht umhin das arme Mädel zu bedauern. Denn die Geschichte, die ich zu ihrem traurigen traurigen Lied im Kopf zusammenmale, ist eine ganz andere als von der Urheberin gedacht. Aber gut, Geschichten von traurigen Mädchen die von ihrer Urlaubsliebe verlassen werden, sind wohl gerade nicht mein Ding. Aber schaut mal selber, ich hab Euch den Text mal übersetzt:

„Almost Lover“ – „Beinahe-Liebhaber“

Deine Fingerspitzen auf meiner Haut..
Jaaaa…. noch ist alles geil!
Palmen wiegen sich im Wind…
…hach, wie romantisch!
Du hast mir auf Spanisch Gutenachtlieder vorgesungen…
Heidschibumbeidschi auf Spanisch, Mann ey, das war mal sexy!
mit dieser süßen Traurigkeit in Deinem Blick…
Du kleiner süßer Dackel Du! Ja, wo iiiiiiiiiiisser denn? Ja daaaaa isser!
Toller Trick!
Suuuuper Trick Baby. Die Nummer mit den Gutenachtliedern zieht immer! Uuaahh!

Ich würde nie wollen dass Du unglücklich bist…
nein, niemals, Du blödes Arschloch!
und ich dachte, es ginge Dir mit mir genauso..
Tja, hab mich geirrt. Jetzt gibts kein Heidschibumbeidschi mehr 😦

Machs gut mein Beinahe-Liebhaber…
Ja, pfiad Di!
Machs gut mein hoffnungsloser Traum…
servus!
Ich versuche nicht an Dich zu denken…
Drum hab ich ja auch dieses Lied für Dich geschrieben, weil ich nicht an Dich denke..
Warum kannst Du mich nicht einfach in Ruhe lassen?
Ach Scheiße, hast Du ja. Blöd, jetzt ist mein Lied nicht mehr logisch. Naja, macht ja nix.
Leb wohl meine glücklose Romanze…
ja, also dann tschüss, gell?
Ich hab Dir den Rücken zugedreht…
*ätschbätsch* seh ich Dich nicht, siehst Du mich nicht 🙂
eigentlich hätte ich wissen müssen dass Du mir das Herz brichst…
aber ich dachte echt dass ich am Ballermann die echte wahre große Liebe finden könnte….
so wie es Beinahe-Liebhaber eben immer tun…
ach Hasipupsi, alle Männer sind immer sooooo gemein zu mir!

Wir sind diese belebte Straße entlang gegangen…
auf dem Weg ins „Oberbayern“…
du nahmst meine Hand und hast mit mir getanzt…
naja, eigentlich waren wir zu besoffen um allein noch stehen zu können…
und als Du gegangen bist, hast Du mich geküsst..
und das obwohl ich vor drei Minuten noch gekotzt hab wie ein Elch…
und sagtest Du würdest diese Bilder Dein ganzes Leben nicht mehr vergessen…
wie auch, ganz El Arenal hat uns beim *** beobachtet, die vergessen das sicher auch alle nicht…

so, jetzt sing ich Dir den Refrain nochmal vor, damit Du die Tragik meines Kummers spürst…
lalalalalalala……
nun aber weiter im Programm!

Ich kann weder zum Strand gehen…
weil mir immer noch kotzübel ist..
noch nachts durch die Straßen fahren…
tja, Führerschein weg, Trunkenheit am Steuer, kennste ja!
und morgens einfach nicht aufwachen…
weil ich immer noch so zugedröhnt bin…
ohne an Dich denken zu müssen…
ach ja Shit, in meinem Lied gehts ja eigentlich umn Dich!
Jetzt bist du weg und ich komm nicht mehr zur Ruhe…
weil der Tripper brennt wie Hölle!
und dabei wette ich, Dir gehts prima…
und Du hast ihn schon der nächsten Uschi angehängt…

Habe ich es Dir wirklich so einfach gemacht…
Boah echt hey, niiiieee wieder Malle!
so in mein Leben zu platzen und gleich wieder abzuhauen?
Lass mir wenigstens Deine Adresse da, ich bin schwanger…

Gut, wahrscheinlich ist es ganz anders gelaufen. Aber so kommt das Gesäusel bei mir an. Und ich bin heute halt mal wieder besonders intolerant. Aber Ihr wisst ja wie ich es meine. Genau so wie ich es sage 😉 Und ganz unter uns. Ich weiß gar nicht wie Urlaubsflirts auf Malle sind. War nämlich noch nie da. Aber Ihr dürft mir gerne Eure Erfahrungen schildern. Oder mich jetzt schimpfen weil ich so gemein zu Frau Frenzy bin. Dabei mag ich das Lied. Ehrlich!

In diesem Sinne verliebte Grüße

Eure Beinahe-Praline