Schulmädchenreport

Tja, das war er nun, mein erster Schultag!

Man soll ja keine unbekannten Eier schaukeln oder wie das heißt, deshalb wusste bis jtzt nur ein ganz ausgewählter Kreis von ganz ausgewählten Menschen davon, dass Pralinchen wieder die Schulbank drücken will. Und weil nun die Eier nicht mehr unbekannt, äh.. ungelegt sind, wird jetzt kräftig geschaukelt!

Seit heute Morgen, acht Uhr bin ich ganz offiziell wieder Schülerin. Warum genau, das erzähl ich Euch in späteren Geschichten, nachdem die Ausbildung an sich wohl in etwa den Erotikfaktor von Hausstaub hat, würde Euch das eh nur langweilen.

Ganz aufgeregt bin ich da also heute Morgen hin, und war natürlich gleich mal ne halbe Stunde zu früh da. Aber kein Ding, drei meiner neuen Klassenkameradinnen waren sogar noch vor mir da, die eine sogar schon vor sieben. Ich bin also nicht die Panik-Königin juhuuu!

Wobei, panische Gedanken hatte ich ja die letzten Tage jede Menge. Ganz abgesehen davon, dass ich bis vorgestern noch nicht mal wusste ob ich überhaupt angenommen bin und somit starten kann, ich hab mir da noch ganz andere Gedanken gemacht. Zum Glück kann ich mich an meinen tatsächlichen ersten Schultag nicht mehr so recht erinnern und ich hab echt eeeeendslange gezögert, ob ich Euch das unsägliche Foto davon zeigen soll oder nicht. Aber ich dachte mir, Ihr musstet jetzt so lange auf neue Geschichten warten, da bin ich Euch erster-schultageine kleine Wiedergutmachung mehr als schuldig. Und Ihr könnt, wenn Ihr selber Kinder habt, das auch gerne als Warnung verstehen: BITTE zieht Euren kleinen süßen Mädchen NIE NIE NIE so ein bescheuertes Blümchenkostüm an, nein, lasst es, tut es nicht! Die Spätfolgen sind nicht abzusehen und ich bin erst nach jahrelanger Therapiearbeit dahinter gekommen, dass ich nur deshalb heute auf Antidepressiva angewiesen bin, weil meine Oma mir damals dieses Kleid aufgezwungen hat und meine Mama dies nicht zu verhindern wusste. Soviel zum Thema „Konflikte in der Kernfamilie“. Wahrscheinlich hat meine Mama mir deshalb für heute extra eine kleine Schultüte gepackt (dankäääää! Meine Klassenkameraden waren fei vooooll neidisch 😉 ), quasi als späte Aufarbeitung ihrer mangelnden Durchsetzungsfähigkeit. Mann, Mann, Mann…. ich kann gar nicht hinschauen, ich seh aus wie ne ansteckende Tischdecke. Aber egal, ich schweife ja total vom Thema ab!

Erster Schultag nach mehr als zehn Jahren Lernabstinenz. Da kann man schon vorab die Krise kriegen, ich sag’s Euch. Ich mein, wie benimmt man sich als 31jährige Schülerin? Kann ich da noch mit meinem Nutellabrot Freundschaften schließen oder haben die anderen viel coolere Pausenbrote dabei und ich bleibe das Mauerblümchen? Darf ich mich ohne schlechtes Gewissen melden wenn ich was weiß ohne gleich als Streberin abgestempelt zu werden? (Gut, die Strebersache hat sich spätestens in der ersten Mathe-Stunde eh erledigt glaub ich… Mathe ist und bleibt ein Arschloch!) Stinkt meine Banknachbarin nach Schweiß und wenn ja, wie diskret kann man so ein Deo verschenken ohne anzuecken? Darf ich in der Pause schon alleine raus und eine rauchen? Oder krieg ich dann einen Verweis? Fragen über Fragen, die mir die letzte Zeit etliche schlaflose Nächte beschert hatten.

Letzten Endes war heute aber dann doch alles gut. Ich war pünktlich, mein Nutellabrot hab ich ganz klassisch zuhause vergessen und stattdessen cool mit einer beim Bäcker gekauften Breze rumgepost (uuuuhh yeah, ich bin so cool!), gemeldet hab ich mich nicht, wollte aber heute auch irgendwie noch keiner was von mir wissen, Mathe gabs auch noch nicht, und meine Banknachbarin ist ein Banknachbar und der stinkt nicht und ist zudem auch noch lustig. Wenn er mich in Mathe abschreiben lässt, dann kann ich mir sogar vorstellen, ihn zu mögen 😉 Das mit dem Rauchen in der Pause ist auch kein Thema und Verweise gibts wenn dann nur vom Arbeitsamt, aber bis so ein Amts-Schreiben via korrektem Dienstweg bei mir eintrifft, hab ich die 20 Monate Schule längst runtergerissen. Außerdem werd ich mich natürlich nach Kräften bemühen, keinen solchen Verweis zu bekommen, was heißt ich werde immer pünktlich sein (und nicht wie damals mit sämtlichen Kumpels erstmal sauber bis zehn Uhr im Café abhängen, weil in Mathe ham wir eh ne Sechs, ob wir nun hingehen oder nicht!), ich werde meine Mitschüler weder hauen noch ihnen Biergläser und Aschenbecher aufsetzen (Svenni, es tut mir echt leid. Wo immer Du heute sein magst, ich bereue zutiefst!) und ich werde brav jeden Abend lernen (sofern nach Baggersee, Biergarten oder Badewanne noch Zeit ist!).

In diesem Sinne, weil heute der erste Tag ist, kriegt Ihr keine Hausi auf. Aber nur wenn Ihr jetzt bitte endlich aufhört über mein Foto zu lachen!

Beste Strebergrüße

Euer Schulpralinchen

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Nutellabrotschulden und Kampfschlümpfe

Wahrscheinlich kennt Ihr den Helden der heutigen Geschichte gar nicht. Dabei ist er in gewissen Kreisen schon fast eine Legende. Wir sprechen hier von einem einzigartigen Wesen, einem Geschöpf bei dessen Entstehung der liebe Gott besonders gute Laune hatte, dem Traum aller Schwiegermütter, dem stärksten aller Kampfschlümpfe, dem Padre unter den Padres: kurz, wir sprechen von Girgl.

Der Girgl war mal ein enger Freund der Praline, und wer die Praline kennt, weiß, dass dieser Status gar nicht so einfach zu erlangen ist. Dass er heute nur noch zu den Freunden zählt, die man alle Jubeljahre zufällig an der Eisdiele trifft, hat lediglich damit zu tun, dass die beiden eben unterschiedliche Wege eingeschlagen haben und sich der Kontakt dadurch einfach verringert hat. Also nicht schlimm, nur normal. Zum Glück gibt’s das grüne Wohnzimmer, und da treffen sich der Girgl und die Praline ab und zu und tauschen die Latest News aus.

Warum aber nun schreibt die Praline dem Girgl eine Geschichte? Das hat zwei Gründe. Zum einen schuldet sie ihm schon seit Wochen ein Nutellabrot und hat deshalb ein schlechtes Gewissen. Zum andern hat der Girgl sich eine Geschichte gewünscht und will damit wohl testen an was sich die Praline noch so alles erinnern kann. Und lieber Girgl, here we go! Ich kann mich noch an ALLES erinnern. Du wirst gleich staunen, was meine schokolierten Gehirnzellen noch alles an Erinnerungen ausgraben, Erinnerungen an damals, an die Zeit wo des Wasser noch g’staubt hat, aber hallo.

Ich kann mich zum Beispiel erinnern, dass wir uns im Kino kennengelernt hatten. Im Spielberg in Vilsbiburg. Der „Miroslav“ hat Dich einfach mal mitgenommen und da warst Du. Gut, jetzt, wo wir uns so lange kennen, kann ich es Dir ja sagen: als ich Dich damals gesehen hatte, dachte ich erstmal du seist schwul. Die gegelten Haare, die trendige Lederjacke, die vielen Ringe an Deinen Fingern, all das kam mir sehr verdächtig vor. Weniger wegen Dir als mehr im Hinblick auf unsern Miroslav. Den Film den wir gesehen hatten weiß ich leider nicht mehr, aber ich weiß noch dass wir danach noch was trinken waren und ich dann hin und weg war von Dir, weil Du so lustig warst. Die klarste Erinnerung habe ich, wenn man von den vielen Ringen mal absieht, an Deine phänomenale Art und Weise Dich auszudrücken. Du hast nie den Kellner gerufen, sondern immer den Speisenträger konsultiert, Du bist nie einfach nur aufs Klo gegangen, sondern hast Dich den sanitären Einrichtungen gewidmet, Du hast auch nie Deine Karre geholt, sondern immer das Automobil vorgefahren. Zeitweise äußerst strange, aber für mich mit meinem Fetisch für geflügelte Worte ein absolutes Highlight. Dass Du wider Erwarten doch nicht schwul bist, wurde innerhalb kürzester Zeit klar, denn Du hast Deine zahlreichen Frauenbekanntschaften regelrecht katalogisiert, indem Du ihnen nicht nur ihre Namen, sondern auch immer den Ort des Kennenlernens zugewiesen hast. Check-In-Michaela, Bauhaus-Susanne, Tankstellen-Biggi, unglaublich, aber wahr. Du hast auch nie Dein Bier, äh, tschulligung, Hopfenhaltiges Getränk, im Gasthaus an der Ecke getrunken, nein, Du hast den „Kurvenwirt“ aufgesucht, wo Du Dich dann mit Deinen Freunden, die so lustige Namen verpasst bekommen haben wie etwa „Himbeertoni“ getroffen hast und wohl die aktuellen Scores bei Check-In-Michaela und Co. diskutiert hast.

Ich kann mich auch erinnern, dass wir im „Dynamic“ trainieren waren. Du, der Miroslav, der Österreicher und ich. Bei der versoffenen Alten, ich weiß nimmer wie die hieß, aber Du weißt sicher wen ich meine. Die die immer bevorzugt schwarze Trainer eingestellt hat, weil die so „zuverlässig“ sind 😉 Schon klar, 30 cm pure Zuverlässigkeit und so, gä? Wobei, in diesem Dynamic war ja hormonverwirrtechnisch einiges geboten. Immerhin hast Du da ja auch eine aufgegabelt…. Polenpaula hast die später, als dein Blut wieder zurück im Hirn war, genannt, gä? Egal, was auf jeden Fall echt bemerkenswert ist, ist, dass Du der Einzige aus unserer Runde damals warst, der die Fitnessnummer (bis heute?) durchgezogen hat. Ich hab mich ja ausm Dynamic verabschiedet als die da die Sauna nimmer angemacht haben. Der Ösi ein paar Wochen später und der Miroslav hat meines Wissens nach dann auch kapituliert. Aber Du, Kampfschlumpf der du bist, gehst da wahrscheinlich heute noch hin?

Eine andere lustige Erinnerung hab ich an eine Geburtstagsparty von Dir. Bei Deinen Eltern im Keller. Der Ösi und ich hatten Dir Absinth geschenkt, diesen dann ohne Dich geleert und so einen Fressflash drauf bekommen, dass das Buffet komplett weg war. Ich glaub danach sind wir auch wieder gefahren, kann das sein? Hm, wir waren schon super Freunde, gä? 😉

Außerdem weiß ich noch dass Du damals die coolste Karre von uns allen hattest. Der Fiat-Uno-Fahrer war neidisch wie Hölle! Und falls der Miroslav das liest: sorry Süßer, Dein heißgeliebter „Blitz“ kam lange nicht an Girgls „Automobil“ ran 😉

Ja, und bevor Du dann der beste Fürbitten-Leser der Welt wurdest, warst Du noch schnell ein kleiner aber feiner Flirt für die angehende Braut. Weißt noch, der Cocktail im Ganymed? Hui ui ui sag ich da. Sehr fein. Und sehr anständig. Aber sehr fein 😉

Wie Du siehst, es sind schon noch Erinnerungen da. Und dass ich Dich letztes Jahr an dieser verfluchten Ampel nicht gleich erkannt habe, lag nicht daran, dass ich Dich vergessen hätte. Du hattest nur einfach, verzeih mir, eine total bekloppte Sonnenbrille auf 😉

In diesem Sinne,

die allerliebsten Grüße. Und jetzt will ich gefälligst wissen ob du dieses Jahr endlich heiratest. Ganz Landshut spricht von nix anderm 😉

Deine absinthsaufende sporthassende Erinnerungspraline

Trägt Super Mario Baumwollbinden?

Sag mal, wenn Du Dein Leben noch einmal leben könntest… würdest Du alles nochmal genauso machen? Nein, nicht ganz… ich würde von Anfang an bei der Fernsehwerbung wegschalten!

Fernsehwerbung ist doch die absolute Krönung des gelungenen TV-Abends, findet Iht nicht? Mir wurde das gestern wieder bewusst, als ich den Spot von Vileda gesehen habe. Hätte ich kein Bild dazu gekriegt, hätt ich gar nicht begriffen um welches Produkt es sich handelt. Der „Super Moccio mit Pick-Up-Poren und der Power-Press“. Super-Moccio? Cool, wer ist das? Gibts was neues für die Wii? Einen neuen Gegner für Mario? „Hilf Mario die Prinzessin zu retten, sammle Pick-Up-Poren und zerstöre den fiesen Super-Moccio in der Power-Press!! Nein, leider kein neuer Gag von Nintendo, sondern einfach nur ein schnöder Wischmop mit Eimer. Juhu.

Ich hab in meiner Enttäuschung weiter Werbung geguckt und musste feststellen, dass auch der „Grotbuster“ nix mit virtuellem Entertainment zu tun hat, sondern lediglich mein Klo sauber macht. Was ist aus der guten alten WC-Ente geworden? Hat die abgedankt und das Scheißhaus-Imperium nun ihrem jungen dynamischen Nachfolger Grotbuster überlassen? Warum haben Skywalker und die Jungs da nicht eingegriffen?

Vermutlich waren sie zu beschäftigt. Schließlich brennt es an der Konsumfreudefront ja an allen Ecken und Enden. Während Frau Wesner aus der Steinstraße im EDEKA-Markt noch verzweifelt die neuen Slipeinlagen „Carefree Cotton“ mit Baumwollextrakt sucht, sich dann aber doch für „O.B. Pro Comfort Super mit Silk-Touch-Oberfläche und geschwungenen Rillen“entscheidet, steh ich daneben und frag mich wo wohl das Universum endet. Ich mein, gehts noch? Silk-Touch-Oberfläche? Geschwungene Rillen? Wollen wir’s unten rum sauber haben oder planen wir die Anschaffung neuer Alufelgen?  Ich schüttle den Kopf und wandere weiter zu den Getränken. „Fanta“ ist ja inzwischen wieder weg von den Drogen. Die „Bamboocha“-Kampagne ist tot. Es heißt nun neuerdings: „Trinke Fanta- lebe bunter!“ Jimmy Humuhumunukunukuapua darf endlich wieder zurück zum Planet der Affen. Gott sei Dank. Wer weiß was der sonst noch alles angerichtet hätte. Stellt Euch vor der hätte rausgefunden dass bei Mezzo-Mix jetzt Cola die Orange küsst! Er hätte wohl vor lauter Eifersucht den Midsommar von IKEA gesprengt und sämtliche Billy-Regale dieser Welt in der neuen Power Press verschwinden lassen.

Ich lade mir zwei Six-Packs „Beck’s Orange“ in den Wagen. „Welcome to the Beck’s Experience“, bei mir total angekommen der Slogan, weil ich mag ja kein Bier das nach Bier schmeckt. Is auch ok, als Mädchen, das ich bin, muss ich mich an dieser Stelle nicht rechtfertigen. Und bei den Jungs ist das eh egal, da dreht sich die Entscheidungsfrage lediglich darum, ob jetzt des Augustiner Helle besser is oder der Edelstoff. Männer brauchen da keine Werbung dafür.

Ich schieb mein Wägelchen weiter, werfe einen Todesstrahlen-Blick auf den Ständer mit „nutella & go“, und überlege ob ich mir eine Packung Snickers kaufen soll. Hinter Snickers kann ich guten Gewissens stehen, Erdnuss-Allergie hin oder her, Snickers war geil, is geil und wird auch immer geil sein. Und Snickers hat auch immer 1-A-Werbekampagnen. Erinnert Ihr Euch an den Spot mit dem Footballspieler? Ich bin Batman? Mann, das war doch mal Werbung die Lust auf Kaufen macht, oder nicht? Außerdem ist Snickers eine Süßigkeit die mich, und Ihr wisst ja ich bin schokoladenbefriedigungstechnisch eher heikel, äußerst glücklich macht. Da kriegt man das was man sich erwartet.

Ich also Snickers reingepackt und weiter durch den Laden. Ich brauch noch Rasierklingen und mach mich auf die Suche danach. Ich benutze ja den Gilette Venus. Den normalen, wohlgemerkt. Weil, ich will mich damit nur rasieren. Sonst nix. Ich brauch da keine „hautenstpannenden Gelkissen“ oder nen „intuitiven Cremespender“. Haare weg- fertig und ich fühle mich wieder wie eine Göttin. Auch ohne „Vibrance“. Wenn bei mir im Haus was vibriert, dann sicher nicht der Rasierer.

Abschließend lad ich mir noch eine Familienpackung Eis in den Wagen (Mövenpick Chocolate Chips, das einzig Wahre!), schließlich will ich meine Konsumstudie „Werbefernsehen und dessen Auswirkungen auf die Generation Doof“ dieses Wochenende weiterführen und das geht nur unter Einfluß von Zucker und Fett. Wobei, das Mövenpick-Eis ist ja „conchiert“, hat also nur noch 1999 statt 2000 Kalorien. Super, gä?

An der Kasse dann der übliche Nervenkitzel, kann ich mir mein Leben mit Snickers überhaupt noch leisten? Oder sollte ich mal den Wahnsinnskredit von Maxxda in Erwägung ziehen? Glaubt man der Werbung, dann ist das mal ein Wahnsinns-Angebot. Den gibts nämlich auch bei überzogenem Girokonto und mieser SCHUFA! Also den krieg ich wenn mir, finanziell gesehen, das Wasser eh schon bis zum Hals steht, trotzdem und das auch nur für den günstigen Zinssatz von 8,9%. Zuzüglich Gebühren, Bearbeitungskosten und Extremblödheitsversicherung zahl ich dann bei 4000 € nur etwa zehn Jahre lang eine monatliche Rate von 399 € zurück. Na wenn das mal nicht geil ist, muss ich direkt mal drüber nachdenken. Wenns dann doch schief geht, kann ich ja den Herrn Zwegert von RTL anrufen, der holt mich da schon wieder raus aus dem Dilemma.

In diesem Sinne, möge die Kaufkraft mit Euch sein!
Eure Konsumpraline

Nutella & Go!

Ich wage ja zu behaupten dass im Duden unter „Nutella-Sucht“ mein Name steht. Hab’s noch nicht überprüft, ist aber schon sehr wahrscheinlich.  Nutella ist mitunter eine der genialsten Erfindungen der Neuzeit. Kommt gleich nach Internet und Vibratoren mit Netzstecker.

Nutella ist Balsam für die Seele. Was gibt es Sinnlicheres als mit einem langstieligen Löffel in ein frisches Glas Nutella zu tauchen und diesen dann genüßlich abzulecken? Ich würde mal sagen, nichts.

Und jetzt kommen mir die Nutellamacher mit „Nutella & Go“. Leute, ich bin entsetzt. Was haben die sich denn dabei bloß gedacht? Ich bin ja, was den Lebensmitteleinkauf für meinem langweiligen Ein-Personen-Haushalt angeht, eher anspruchslos. Ein bisschen Brot, ein bisschen Käse, Wasser, Milch, ein paar Bier und die ein oder andere Flasche Wein. Gut, Süßigkeiten natürlich, in allen Variationen. Und eben auch Nutella. Ich war noch nie ein großer Freund von diesen „Ich-hab-doch-keine-Zeit-Produkten“. Ich meine, waren die ersten Mikrowellengerichte damals noch eine Revolution für die gestresste Hausfrau, so wirds doch heute nutella & go  © Foto by martini langsam echt albern, oder? Inzwischen stecken wir unsere Schnitzel in den Toaster (aber psst… don’t call it Schnitzel!) weil fünf Minuten Bratpfanne und Butterschmalz sind einfach viel zu anstrengend. Wir schütten heißes Wasser in mit undefinierbarem Pulver gefüllte Pappbecher, hm, könnten Nudeln sein, oder auch Kartoffelpüree. Vielleicht auch Knetgummi, is egal, Hauptsache schnell fertig. Und als ob das nicht reicht, haben wir ein ganzes Arsenal an „Fix-für-Schießmichtot“ im Schrank, für den Fall, dass wir doch mal „frisch“ kochen wollen… kein Wunder dass die Männer heute Freudensprünge machen wenn ihre Perle noch richtig kochen kann. Ich lehn mich sogar so weit aus dem Küchenfenster dass den Jungs die Frau in der Küche oft lieber ist als im Bett. Naja, also manchmal.

Aber ich schweife ab. Wir waren ja bei Nutella. Bzw. der Unsinnigkeit des Jahres: Nutella & Go. Ich weigere mich strikt es zu kaufen, hab mich aber, viva la world wide web, mal schlau gemacht: bei Nutella & Go handelt es sich um unglaubliche 13 g (!) Brot in Form von Minigrissinis und sage und schreibe 39 g Nutella.  Bei einem Preis von etwa 1,10 € ist es ja schon fast günstiger Drogen zu kaufen. Aber gut, lassen wir den Preis mal außer Acht. Fragen wir uns lieber: worin besteht der Sinn von 13 Gramm Brot und 39 Gramm Nutella für unterwegs? 39 Gramm Nutella, ich meine, wollen die mich verarschen? Das 800-Gramm-Glas, das war mal ’ne gute Idee, ja! Die 300-Gramm-Tafeln von Milka, die waren geil! 33% extra in der Pringles-Rolle, oder der Doppelwhopper, ja, sowas find ich perfekt! Aber 13 Gramm Brot mit lächerlichen 39 Gramm Nutella… das ist ja wohl ein schlechter Witz. Abgesehen davon, dass ich mich hier mengenmäßig total unterversorgt fühle, bei diesem schnöden Plastikbecher für unterwegs fehlt auch jegliches Gefühl, die emotionale Komponente, die Theatralik der Entjungferung des Glases mit dem Löffel. Drama Baby, Draaaaama! Da kann die Plastikversion einfach nicht mithalten.

Mein Fazit: Nutella & Go ist sowas wie ehelicher Sex. Du meinst, jetzt kommt endlich mal was Neues, was Aufregendes, stellst aber dann nur enttäuscht fest, dass das was Dich hier befriedigen soll immer kleiner wird, und es auch nix hilft wenn man 13 Gramm Brot dazupackt.

In diesem Sinne, schokoladige Grüße
Eure Lästerpraline

PS: Bei den Recherchen zu dieser Geschichte hab ich mich mit einem Mann unterhalten, der Nutella & Go für äußerst genial hält. Ich war drauf und dran das Produkt vielleicht doch auch mal aus einem anderen, positiveren Blickwinkel zu betrachten, aber dann erklärte mir mein Proband, er wünschte sich, es gäbe auch Leberwurst & Go. Salzstangen im Plastikbecher mit einer separaten Kammer für Leberwurst. Hab ihn dann von meiner Studie ausgeschlossen. Weil eine gewisse Ernsthaftigkeit wollte ich mir schon bewahren. 😛