Der stumme Max und ich

Samstag Nacht, ungefähr ein Uhr. Meine Mädels und ich sind mal wieder im Beatschuppen. Eeeeewig waren wir da schon nicht mehr. Aufgeputscht von etlichen schweineleckeren Caipis (bei „Luis“ war Brazil-Party *huiuiui*, nur leider hat uns der Regen dann vertrieben) laufen wir also im Beatschuppen ein, sichern uns unserem Stammplatz (die Ecke mit dem besten Überblick!) und tanzen, lachen und diskutieren weiter über unser Thema des Abends (wozu es dann morgen eine neue Geschichte gibt. Muss noch recherchieren *lach*).

An der Bar sticht mir ein Typ ins Auge. Groß, dunkelblond, schönes Gesicht. Sitzt da mit seinen beiden Freunden. Ich schenk ihm ein Lächeln und dreh mich wieder um, schließlich ist Mädelsabend und Männer sind heute eigentlich tabu. Irgendwann, ich bin gerade heftig am tanzen, stupst mich Mr. Schönes-Gesicht an, zwinkert mir zu und deutet mir, er hätte mir etwas zu sagen. Ich unterbreche also mein Gezappel und bin ganz Ohr. Und von jetzt ab wird es absurd. Mr. Schönes-Gesicht deutet auf seinen Freund, der zwei Hocker weiter sitzt und mich mit großen Kuhglubschern anschaut. „Das ist der Max (Name natürlich geändert 😉 ), der beobachtet Dich schon eine Weile und Du gefällst ihm!“ Ich muss lachen und schau mir Max mal genauer an. Groß, strohblond, blaue Augen. Nicht unattraktiv. Aber offenbar nicht ganz auf der Höhe. „Ja, das freut mich natürlich! Aber warum sagt mir der Max das denn nicht selber? Kann der Max denn nicht sprechen?“ Schönes-Gesicht meint: „Ja weißt Du, der Max ist ziemlich schüchtern. Magst Du mir verraten wie Du heißt, damit ich es dem Max sagen kann?“ Ok, das wird ja jetzt lustig. Ich fange wieder an zu lachen und winke dem Barkeeper, er möge mir doch bitte ein großes Wasser machen. Ich muss schleunigst nüchtern werden. „Ja also gut, ich bin die Steffi.“ Mein Name wird an Max weitergegeben und ganz zaghaft streckt mir dieser seine Hand entgegen. Sagen tut er immer noch nix. Ich wende mich wieder an Schönes-Gesicht: „Fein, jetzt kennt der Max meinen Namen.“ Schönes-Gesicht sagt: „Ja, magst ihn nicht kennenlernen?“ Ich könnte mich grad auf dem Boden kugeln vor lachen. „Hm, schwierig. Der redet ja nix mit mir, der Max.“ (Außerdem würd’ ich ja viel lieber DICH kennenlernen Du süße Schnecke. Aber das kann ich ihm natürlich so nicht sagen. Der arme Max. Und außerdem, wie gesagt, Mädelsabend *ähem*) Schönes-Gesicht fängt an, mir vom unglaublichen Max zu erzählen, er sei 29, käme hier aus der Gegend, sei Großgrundbesitzer mit eigener Jagd und Landwirtschaft. Aha, Bauer sucht Frau, na prima, das kann ja spaßig werden. Während schönes Gesicht sich für seinen Freund bei mir voll ins Zeug legt, schenkt Max mir sein schönstes Jungbauernlächeln. Kriegt aber immer noch den Mund nicht auf. Der dritte Typ aus dieser Heldentruppe hat inzwischen seinen Barhocker geräumt, vielleicht in der Hoffnung ich würde mich neben Max setzen. Tu ich aber nicht. Ich frage Schönes-Gesicht, ob er denn immer für Max die Mädels klarmachen würde. Er antwortet: „Hm, ja, eigentlich schon. Der Max tut sich a bisserl hart mit den Frauen.“ Ach echt? Wär mir jetzt gar nicht aufgefallen, gut dass Du es gesagt hast. Ich finde langsam Spaß an der ganzen Sache und zwinkere Max zu. Er bemüht sich um ein Lächeln, schaut aber dann doch gleich wieder verstört weg. Hui, war wohl zu viel für ihn, mein Zwinkern. Schönes-Gesicht ergeht sich in der Zwischenzeit in Heldensagen über the incredible Max, und ich fühle mich, als würde ich gerade auf irgendeinem zwielichtigen Parkplatz hinterm Bahnhof einen Gebrauchtwagen kaufen. Ich erkläre Mr. Schönes-Gesicht, dass ich es zwar echt super-kumpelmäßig von ihm finde, wie er hier für Max die Werbetrommel rührt, aber an einem stummen Klemmi nicht interessiert bin. Ich unterhalte mich gerne mit Max, wenn er denn selber herkommt. Ich proste Schönes-Gesicht mit meinem Wasser zu und widme mich wieder meinen Mädels.

Max kam nicht zu mir. Irgendwann später, die Mädels und ich stehen draußen beim Rauchen, seh’ ich die drei den Laden verlassen. Max ist in ein Gespräch mit dem andern Typen vertieft, und als er mich wahrnimmt, schaut er sofort verschämt zu Boden. Mr. Schönes-Gesicht schenkt mir noch ein zuckersüßes „Servus“ untermalt von einem frechen Zwinkern. Tja, armer Max. Er wird wohl jetzt alleine in seinen tiefer gelegten GTI steigen und nach Hause fahren. Aufs Land. Und mal wieder wird er sich sagen: „Die Mädels aus der Stadt sind alles hochnäsige Zicken.“ Natürlich nur zu sich selbst. Denn mit anderen spricht er ja nicht. Der Max.

In diesem Sinne,

verschwiegene Grüße

Eure Flirtpraline

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Beste Freunde oder: Blitzer an der A92

Wenn Leute von ihren besten Freunden sprechen, dann fallen meistens so Klischees wie „kann ich Tag und Nacht anrufen“, „ist immer für mich da“, „legt die Hand für mich ins Feuer“  und all sowas. Was diese besten Freunde dann aber tatsächlich tun um diesen „Status“ inne zu haben, erfährt man seltenst. Vielleicht traut man sich auch einfach nicht nachfragen, man will ja nicht indiskret sein. Ich persönlich hab das Glück, dass ich einen kleinen, aber dafür umso innigeren Kreis an ebenso lieben wie durchgeknallten Menschen meine Freunde nennen darf. Manche kenne ich schon 15 Jahre und länger, andere erst wenige Monate. Spielt auch überhaupt keine Rolle, denn heute Jungs und Mädels, lüfte ich das Geheimnis, was beste Freunde so alles auf sich nehmen um ebendiese zu sein. Mit nachts anrufen und Hand ins Feuer hat das nämlich nur bedingt zu tun.

Blitzer an der A92 © Foto by martiniBeste Freunde sind immer beste Freunde, in guten wie in schlechten Zeiten. Sie stehen mit Pizza und Bier vor Deiner Tür, nur weil du am Telefon gesagt hast dass Du Dich langweilst. Natürlich nicht ohne eine Viertelstunde vorher anzurufen, denn beste Freunde wissen, dass Du auf Spontanbesuch mal so gaaar nicht stehst und vielleicht ja noch schnell Deine Lockenwickler rausnehmen oder die Sponge Bob-Folge zu Ende gucken willst. Beste Freunde spazieren in Deine Küche und holen Besteck und nen Flaschenöffner, denn sie wissen wo bei Dir alles steht, ebenso haben sie ein gottgegebenes Recht an Deinen Kühlschrank zu gehen oder eben auch an Dein Telefon, weil Du grad eben nochmal schnell auf dem Klo bist. Mit besten Freunden kannst Du stundenlang reden ohne Punkt und Komma, egal ob es was zu reden gibt oder nicht. Labern, lästern, kleine und große Fragen des Lebens diskutieren, alles kein Thema. Beste Freunde ziehen mit Dir um die Häuser, und wenn Du Dich daneben benimmst, dann tun sie das auch, nur damit Du nicht schlecht dastehst. Beste Freunde halten Dir die Haare zurück wenn Du nachts um vier im Koi das Klo voll reiherst und sie vertuschen geschickt dass Du Dich in der Cohibar unter die Theke übergeben hast (äh nein… das war jetzt nicht ich 😉 ) Beste Freunde leihen Dir Geld, wenn Du die Zeche nicht mehr zahlen kannst und sie geben sich als Dein Bruder aus und erzählen einem Wildfremden die Geschichte von den böse bösen Eltern daheim, nur damit Ihr beide umsonst mit dem Taxi heimfahren könnt. Beste Freunde leihen Dir bedingungslos ihr Auto, auch wenn sie wissen dass Du bereits einen 7er BMW geschrottet hast, nur weil Du dachtest „des geht sich schon aus!“ 😉 . Beste Freunde packen auch beim vierten Umzug innerhalb von zwei Jahren mit an und finden natürlich jede Deiner Wohnungen noch toller als die Vorige. Wenn Du Kummer hast, sind sie für Dich da. Wenn Du traurig bist, packen Sie Dich ins Auto, drücken Dir einen Fotoapparat und ein Grablicht in die Hand, stellen sich mit Dir an die Autobahn und Ihr spielt „Radarfalle“. Wetten, Du hast danach wieder gute Laune? Einen besten Freund kannst Du zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen, selbst wenn Du nur wissen willst wie Du ins Bonuslevel von Super-Mario kommst. Im Idealfall kommt er dann sogar noch mit einer Flasche Wein vorbei und zeigt Dir die ultimative Roundhouse-Kick-Stampfattacke. Beste Freunde geben Dir Tipps, die Dein Leben bereichern, oder hätte ich sonst einen Wasserkocher im Bad stehen? Wenn Du in Schwierigkeiten steckst, wird ein bester Freund nie sagen: „Du ich kann grad nicht“, sondern er wird Himmel und Hölle in Bewegung setzen und alles tun, um Dir zu helfen. Selbst wenn Du nur bei IKEA auf dem Parkplatz stehst und das Scheiß-Regal nicht in Dein Auto passt. Ein bester Freund fährt Dich sonntags zu Deinem Auto, nur damit Du Samstag Nacht mit ihm oder ihr noch saufen zu gehst. Ein bester Freund sagt Dir zwar sehr besorgt dass Du seines Erachtens zuviel rauchst, bringt Dir aber dennoch jedes Mal Kippen aus der Tschechei mit. Bei einem besten Freund reicht Blickkontakt um zu wissen dass Ihr beide das Gleiche denkt. Ihr könnt Euch jahrelang über „Pilz-Rosetto“ oder den Michi aus der Von-Walther-Straße amüsieren ohne dass sich so ein Gag jemals abnutzen würde. Ein bester Freund opfert das Restbenzin aus seinem Bike um ein Feuer für Dich zu machen, nur weil Dir kalt ist. Und zwei Minuten später hilft er Dir es zu löschen weil du Angst hast dass die Polizei kommt. Beste Freunde singen jedes Lied mit Dir mit, selbst „Ti amo“ ist ihnen nicht zu blöd, sie unterstützen Dich, weil sie Dich gern haben, und wenn Du nachts um drei noch Hunger hast leihen sie Dir ohne große Worte eine Tüte Pommes und bringen sie Dir sogar noch ans Auto.  Beste Freunde fördern und fordern Dich, machmal ohne dass Du es merkst. Plötzlich bist Du begeistert dabei etwas neues zu machen und checkst noch nicht mal dass Du immer gesagt hattest „das kann ich nicht!“ Besten Freunden wird es auch nie zu blöd Dir die Welt zu erklären. Und wenn Du tausendmal nicht kapierst was Du jetzt beim Schafkopfen mit der Alten oder der Blauen machen sollst, beste Freunde machen Dir noch ein Bier auf und erklären’s Dir halt einfach nochmal.

In diesem Sinne, macht Euch mal wieder bewusst was für ein verdammtes Glück Freunde sind! Die einen teilen ihr Leben mit Dir, die andern begleiten Dich ein Stück, und wieder andere machen einfach eine Zeitlang mit Dir Party. Wie auch immer, von allen nehmen wir was mit. Und das sollten wir nie vergessen, denn: nur wer ein Freund IST, hat auch welche.

Ich grüß hier und heute mal meinen durchgeknallten Haufen, nämlich den Herrn Lehrer, meine Klostersingers bestehend aus Megaperlchen, da Waidlerin und unserer Tanzgöttin, die Granate, Mr. Oberarm, den Großen, Schröderchen, den Typen der im Schuppen „wohnt“, den kleinen Gemeinen und last but not least den Herrn Inschenööör 😉

Auf viele neue spannende Abenteuer mit Euch! 🙂

Eure Pralinenfreundin

Sehr geehrter Herr Samstag!

Samstag GmbH & Co.
Geschäftsleitung Herrn Samstag
Wunschbergstr. 17
84028 Wahnsinnknochenhausen

Sehr geehrter Herr Samstag,

Wir wenden uns heute an Sie, um Sie auf die Mißstände in unserer Woche aufmerksam zu machen.

Egal, wie oft wir den Montag auch totschlagen, er kommt immer wieder zurück. Wir haben auch bereits versucht, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag totzuschlagen, nur brachte dies auch nie den gewünschten Erfolg. Selbst äußerst engagierte Auftragskiller lehnen weitere Versuche ab. Deshalb möchten wir Sie hiermit bitten, sich doch einmal mit Ihren Kollegen Freitag und Sonntag abzusprechen, ob nicht die Möglichkeit einer Ausweitung Ihrer Anwesenheitszeiten bestünde.

Den Freitag Vormittag würden wir im Gegenzug dann auch freudig hinnehmen, sofern Sie es bewerkstelligen könnten, zusammen mit Freitag Nachmittag und Sonntag den Rest der Woche zur Verfügung zu stehen.  Wie Sie ja aus Erfahrung wissen, werden Sie und die Kollegen Freitag und Sonntag bei uns sehr hoch geschätzt und wir versichern Ihnen hiermit auch verbindlich, dass wir Ihre Anwesenheit niemals für niedere Tätigkeiten wie etwa Arbeit nutzen werden. Wenn Sie uns bei unserem Wunsch entgegenkommen, sichern wir Ihnen zu, die gewonnene Zeit ausschließlich für die Dinge zu nutzen, die uns von Montag und den anderen Wochentagen verwehrt bleiben. Essen, trinken und ausgiebiger Sex vor und nach wildesten Partys wären unser erstes Angebot. Für weitere Vorschläge Ihrerseits sind wir selbstverständlich gerne offen.

Um optimale Bedingungen für Ihre erweiterte Anwesenheit zu schaffen, schlagen wir Ihnen hiermit vor, dass uns Herr Freitag künftig bei jeder Ankunft automatisch einen Scheck über Euro 500,00 ausstellt, denn nur so kann eine optimale Nutzung gewährleistet werden.

In Erwartung Ihrer positiven Antwort verbleiben hochachtungsvoll,

S’Pralinschä und die Tinti

Verteiler:
Empfänger
kp
Tinti