Insel-Alkoholismus

Fundstück aus der Landshuter Zeitung vom 31.07.08:

Ergolding. Eine Verkehrsinsel rammte am späten Dienstagabend in der Rottenburger Straße eine 20jährige Autofahrerin. Sie stand bei dem Unfall unter Alkoholeinfluss.“ (www.idowa.de/aktuell/)

Wo bitte soll das noch hinführen? Wenn jetzt sogar schon die Verkehrsinseln saufen! Ich mein, ich versteh’s ja, so eine Insel will auch mal Spaß haben. Die steht den ganzen Tag da rum, langweilt sich, muss den ganzen Lärm der Autos ertragen und zur Belohnung kommt dann noch irgendein Köter und kackt ihr auf den dekorativen Grünstreifen. Klar, dass die Insel dann mal ausbrechen will aus ihrem Alltag, einen draufmachen, mit ihrer Insel-Clique um die Häuser ziehen, eine scharfe Behelfsampel aufreißen oder eine schnuckelige Bodenwelle. Nur geht das ja mal gar nicht, dass junge unschuldige Autofahrerinnen da drunter leiden müssen!

Und wo bitteschön soll das enden? Stellt Euch vor, die Verkehrsinseln fangen jetzt auch noch an zu rauchen! Das schöne Nichtraucherschutzgesetz wäre total für die Katz! Oder stellt Euch vor, so eine Insel kifft auch noch, Du wartest dann mit Deinem Auto davor um einen Radfahrer drüber zu lassen und die blöde Insel kriegt nen Laberflash und textet Dich stundenlang zu, bis Du endlich entnervt nachgibst und ihr bei Burger King ein Whopper-Menü besorgst. Unsere aktuell schon mit flatratesaufenden Fahranfängern überlastete Polizei würde im Chaos versinken. An jeder Ecke stünde ein grün-weißer Partybus, davor zig besoffene und bekiffte Verkehrsinseln angekettet, alle müssen blasen und pieseln, und keine von ihnen kann sich mehr erinnern wo sie wohnt! Der Verkehr in unserer niederbayrischen Heimat würde zusammenbrechen!

Den Verdacht, dass mit den Verkehrsinseln von heute irgendwas nicht mehr ganz rund läuft, hatte ich ja schon lange. Schon damals, ich hatte grad wenige Wochen meinen Führerschein, hab ich eine rasiert. Und ich schwör Euch, die stand da vorher noch nie. Ist mir einfach in den Weg gesprungen damals. Jetzt, wo die Suchtproblematik unserer Verkehrshelferlein langsam ans Licht kommt, wird es mir klar. Diese Insel war auf Ecstasy und wollte sich in ihrem Rausch das Leben nehmen, indem sie sich vor mein Auto wirft. Ich bin dafür, dass wir eine Initiative für suchtgefährdete Inseln gründen. Weil so kann das ja nicht weitergehen.

Eigentlich hätte es ja anders sein müssen, und die 20jährige Autofahrerin hätte besoffen sein müssen und die Insel rammen. Das wäre zwar auch nicht schön, aber wenigstens normal gewesen. Aber im Polizeibericht steht’s ja schwarz auf weiß. Und wir wollen ja jetzt nicht etwa behaupten, dass die Polizei im Deutschunterricht nicht aufgepasst hat als es um die Sache mit Subjekt-Prädikat-Objekt ging, oder etwa doch? 😉

In diesem Sinne, nehmt Euch in Acht, wenn Ihr jetzt dann nach Hause fahrt. Mit einer besoffenen Verkehrsinsel ist nicht zu spaßen.

Eure Wachtmeisterpraline

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Hape und die Currywurst oder: Warum Fellatio deutsche Gerichte entlastet

Leute gibt’s, die gibt’s gar nicht. Folgendes hab ich heute zufällig bei den msn-news entdeckt:

„Currywurst-Verfahren gegen Kerkeling eingestellt: Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf stellte ein Ermittlungsverfahren gegen den 43-Jährigen ein, der in seiner Fernsehrolle als Taxifahrer Günther Warnke am Steuer einmal eine Currywurst gegessen und einmal mit dem Handy telefoniert hatte. Ein TV-Zuschauer hatte ihn angezeigt, weil er darin ein schlechtes Vorbild für Fahranfänger gesehen hatte. „Es konnte keine Straftat festgestellt werden“, sagte Behördensprecher Johannes Mocken. Das Handy-Telefonat sei als Ordnungswidrigkeit verjährt. Auslöser waren zwei Folgen der RTL-Comedyserie „Hallo Taxi!“ vom April. In der Sendung spielt Kerkeling den nervigen Düsseldorfer Taxifahrer Warnke. Da die Folgen bereits geraume Zeit vor der Ausstrahlung gedreht worden seien, sei der Regelverstoß schon verjährt, sagte Mocken. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst ein Aktenzeichen anlegen müssen. In der Behörde herrschte laut Mocken anfangs Unklarheit, ob gegen Günther Warnke oder Hape Kerkeling zu ermitteln sei. „In der Anzeige stand der Name Warnke.“ Damit wäre die Abteilung für den Buchstaben W automatisch zuständig. Die Behörde habe jedoch sofort das Alias erkannt und den Fall dem Sacharbeiter für den Buchstaben K wie Kerkeling zugeordnet.“

Ich weiß nicht, worüber ich mich mehr wundern soll. Über den Zuschauer, der vor lauter Langeweile gern Promis denunziert, oder über die scheinbar heillos überforderten Beamten der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft, die sich nicht einigen können ob sie jetzt einen Fall „W“ anlegen oder einen Fall „K“.

Ich glaube ich wundere mich mehr über den Zuschauer. Denn dass Beamte gern mal Zuständigkeiten innerhalb einer Behörde (manchmal sogar innerhalb eines einzigen Schreibtisches….) hin und her schieben, daran bin ich langsam gewöhnt. Ich warte seit ungelogen Mitte März auf eine Antwort der Bauaufsicht ob ich denn nun in meiner Einfahrt ein Werbeschild aufstellen darf oder nicht. Es geht um ein Schild von der Größe ein Meter mal eins fünfzig und weist lediglich auf in einem Wohnhaus vorhandene Geschäftsräume hin. Zuständig sind genau zwei Herren. Mit dem einen telefoniere ich wöchentlich, der andere war bereits hier und hat Fotos von meiner Einfahrt gemacht, um wie er sagt „die Sachlage zu prüfen“. Geprüft wird nun wie gesagt seit März. Ist ja auch nicht so einfach, immerhin geht es um sowas Komplexes wie ein Schild. Ein Schild mit Buchstaben drauf, dreifarbig, in einem Metallrahmen im Boden zu verankern. Was die Herren nicht alles benötigen um sich zu entscheiden: die genauen Abmessungen (also guuuut, es sind 1,05 m auf 1,52 m, sooooorry), die genauen Farben (ja, geb ich Ihnen: RAL 3000, RAL 9004, RAL 9007), den genauen Wortlaut und die Höhe der Buchstaben (äh…wie bitte? Die Höhe der Buchstaben? Auch die der Zahlen? Ach, die der Zahlen nicht, na dann is ja gut…). Gut, vielleicht finden die mein Schild einfach nicht schön genug. Vermutlich fordern sie jetzt dann noch eine produktionstechnische Unbedenklichkeitsbescheinigung des Schildherstellers an, müssen das Schild selbst noch der amtseigenen Rechtschreibprüfung unterziehen und wollen dann noch ein Bodengutachten, welches bestätigt dass so ein Metallrohr da auch sicherheitstechnisch einwandfrei befestigt werden kann. Ich fass es nicht.

Aber jetzt reg ich mich ja doch über die Beamten auf. Dabei wollte ich eigentlich was zu diesem irren Zuschauer schreiben. Es ist ja nicht ungewöhnlich dass manchen Leuten einfach so langweilig ist, dass sie nichts Besseres zu tun haben als sich in das Leben von anderen einzumischen. Kurios finde ich hier allerdings, dass der gute Mann ernsthaft Anzeige erstattet, weil er eine Ordnungswidrigkeit im FERNSEHEN!!! gesehen hat! Da ist die Wahrnehmung schon mal grob verzerrt irgendwie. Ich mein, überlegt mal, wenn ich jedes Mal die Polizei rufen würde wenn ich in der Glotze was Illegales sehe? „Sie Herr Wachtmeister, ich möchte bitte den Herrn Bond anzeigen, der hat grad ein Auto explodieren lassen. Außerdem sind die Jungs von Cobra 11 schon wieder viel zu schnell gefahren. Und überhaupt, in der Verbotenen Liebe hat die Uschi ihren schwulen Friseur vergiftet!“ Aber gut, scheinbar gibt es wohl tatsächlich irgendwo auf dieser Welt ein kleines heruntergekommenes Polizeirevier, wo sich strafversetzte Beamte um solche Wahnwitzigkeiten kümmern müssen. Manchmal mit Erfolg, denn Lucky Luke darf ja auch schon länger nicht mehr rauchen, in den neueren Folgen kaut er jetzt immer auf einem Grashalm rum. Da hat wohl so ein besorgter Mitbürger mal tatsächlich Recht bekommen.

Aber geht das an? Denunzieren wir jetzt schon fiktive Personen, nur weil wir so frustriert sind dass uns unsere Alte daheim nicht mehr ran lässt? Das ist nämlich glaub ich der Grund allen Übels. Einsame Herren mittleren Alters stellen sich stundenlang ans Küchenfenster und warten auf Action. Da ein Falschparker, da ein minderjähriger Raucher, da ein Hund der auf den Bürgersteig kackt. Würde die Gattin dem Armen vor Tagesschau und rheinischem Sauerbraten noch ein wenig Fellatio zugute kommen lassen wäre er viel entspannter und die kleinen Delikte des Alltags gingen spurlos an ihm vorüber. Aber nein, was würden denn die Nachbarn denken, lieber beschäftigen wir deutsche Gerichte mit der Ahndung phänomenal bekloppter Ordnungswidrigkeiten. Sind ja Beamte, können sich mit der Verhandlung selbiger ja Zeit lassen.

Ich für meinen Teil bin soweit dass ich jetzt dann mein Schild einfach ohne Genehmigung aufstelle. Aber dann gibt’s bestimmt den ein oder anderen sexuell inaktiven Nachbarn, der mich dann anzeigt.

In diesem Sinne, Hape, lass Dir Deine Currywurst schmecken! Ich ess auch oft im Auto. Und telefonier dabei, während ich versuche ganz elegant die Kippe im übervollen Aschenbecher auszudrücken und mir vom Rücksitz ne Cola zu angeln.

Polizeilich angeordnete Grüße

Eure Verräterpraline