Beziehungskiste oder: O2 can do!

Manchmal ist es gar nicht so übel, eine Sekretärin zu sein. Die Sekretärin öffnet nämlich im Allgemeinen die Post und auch wenn das meistens eine äußerst öde Angelegenheit ist: manchmal stecken geniale Überraschungen drin (von denen Cheffe dann natürich nix erfährt, denn die Sekretärin packt selbige gleich mal ganz dezent in ihre Handtasche. Man sieht, schon wieder ein Grund mehr für große Taschen… 😉 ).

Letzte Woche kamen gleich zwei Päckchen an. Beide Male von unserem Mobilfunkprovider O2. Im ersten Päckchen war ein „Konferenzpaket“, bestehend aus Notizblock, Konferenz-Schildchen, Kaffee und Keksen.  Die Kekse konnt ich nicht mehr fotografieren, weil die hab ich gleich mal auf die Schnelle verputzt. Aber das Schildchen hab ich mit nach Hause genommen, ich überlege ob ich es an die Klotür hängen soll… 😉

Und weil so eine Sekretärin sich über Werbegeschenke immer wahnsinnig freut, hat O2 gleich noch eins nachgelegt und ein paar Tage drauf ein weiteres Päckchen geschickt. Der sinnige Aufdruck auf selbigem lautete „Beziehungskiste“ und drin waren mal genialst hammerleckere Pralinen. Im Übrigen Pralinen von Feinkost Käfer, also da sieht man mal, für welch noblen Werbegags hier unsere Mobilfunkgebühren verschleudert werden 😛

beziehungskiste

Logisch dass eine Sekretärin namens Killerpraline sich über Pralinen freut. Aber ganz ehrlich, ich freu mich über jedes Werbegeschenk. Schon einschnöder Gratis-Kugelschreiber löst wahre Glücksgefühle in mir aus, wenn ich dann noch ein Feuerzeug dazu bekomm, der Wahnsinn! Auch in der Apotheke gibts immer reichlich Nippes, die blöden Apotheken geben meistens nur ne Packung Taschentücher dazu, aber wenn man sich ein bißchen Mühe macht und einige Apotheken testet, dann kann man prima Badeöle, Hustenbonbons oder auch mal eine Flasche Sauerkrautsaft abstauben. Nicht dass Sauerkrautsaft so besonders lecker wäre, aber hey: geschenkt ist geschenkt, oder? 😉

Lustig wird diese ganze Werbeschenkerei immer kurz vor Weihnachten. Und ich freu mich auch heuer schon wieder wie ein kleines Kind auf all die Vertreterbesuche hier im Büro, weil jeder zum Dank für die „gute Zusammenarbeit im vergangenen Jahr…blabla blub“ ein kleines Paket da lässt. Da gibts edle Weine, exklusive Süßigkeiten, Fresskörbe mit italienischem Schinken, aber auch mal ein flauschiges Handtuch oder eine schicke Blumenvase.  Wir unterteilen unsere Lieferanten und Kunden zur Weihnachtszeit immer in die „Guten“ und die „Lästigen“. Die Guten sind eben die, die tolle teure Präsente bringen, wie eben Wein und diverse Fressalien, die Lästigen sind die, die jedes Jahr einen blöden Kalender und ein nutzloses Mini-Notizbuch in den Briefkasten werfen. Spätestens im Januar entsorgen wir dann 30 blöde Kalender im Altpapier und versorgen jeden, der auch nur ansatzweise einen Fuß über unsere Schwelle setzt mit Notizbüchern. Das kann auch mal der Briefträger oder der komische Kerl von der Müllabfuhr sein, egal, Hauptsache, der Mist ist weg.

Um die guten Werbepräsente wird natürlich ein wenig gestritten, wobei, wie eingangs erwähnt, ich hab da den Sekretärinnenbonus, sprich ich nehm’s entgegen, also gehört es mir. So bin ich bereits zu einem ansehnlichen Weinkeller gekommen, darf mich stolze Besitzerin einer elektrischen Pfeffermühle nennen und kann neuerdings mit einer edlen Reisenthel-Tasche meine Einkäufe erledigen. Außerdem sind noch Gutscheine von Douglas, Müller und Media-Markt da. Gut, gierig wie ich bei Werbegeschenken bin, hab ich auch ein Set an königsblauen Handtüchern eingesackt, die ich aber nie benutze, weil mir das riesengroße OMV-Logo einfach zu peinlich ist, um es in mein Bad zu hängen. Und ich könnte mittlerweile auch eine Art Mac-Gyver-Museum eröffnen, denn wenn ich jetzt sag ich besitze geschätzte 3000 Kugelschreiber und ebensoviele Feuerzeuge, Schlüsselanhänger (wahlweise mit Karabiner oder LED-Lampe), dann ist das noch bescheiden gesprochen.

Ich weiß nicht warum, aber bei Dingen, die kein Mensch sonst haben will, ist Pralinchen immer ganz vorn dabei. Denn auch den 3001. Kugelschreiber kann sie bestimmt mal irgendwann ganz dringend brauchen….

Ich wär ja dafür dass sich alle unsere Lieferanten und Kunden dieses Jahr ein Beispiel an O2 nehmen. Denn mit Edelpralinen kann man nix falsch machen. Keine Kalender bitte, keine unbrauchbaren Mini-Notizblöcke, nur feinste allerleckerste Schoki bitte. Ach ja, und wenn einer noch nach Weihnachten mit nem Gutschein zur Fettabsaugung vorbei kommt, hätt ich natürlich auch nix dagegen. Könnt ja OMV dieses Jahr machen.  „Wir entsorgen Ihr Altöl und Ihr Weihnachtsfett!“ Wär doch mal was.

In diesem Sinne, fröhliches Abgreifen!

Eure Werbepraline

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Killerüberraschung für den Punk-Muckl

Offenbar führen nicht nur Niederbayerns nymphomane Hausfrauen Sommerloch-Diskussionen. Auch den Politikern scheint gerade enooooorm langweilig zu sein. Habt Ihr’s mitgekriegt? Die Politiker wollten das Ü-Ei verbieten.

Hab ich mich gestern noch über Herrn Sarrazins Hartz-IV-Speiseplan gelinde gesagt „amüsiert“, so traf mich heute beinahe der Schlag. Unser heißgeliebtes Kinder-Überraschungsei verbieten? Ja sind jetzt alle bekloppt? Gut, inzwischen tauchen im Netz die ersten Meldungen auf, dass es wohl doch nicht zu einem Verbot kommt. Puh, noch mal Glück gehabt. Wobei…. Wenn man mal genauer drüber nachdenkt, so ein Ü-Ei ist schon echt richtig gefährlich.

Jedes Jahr, so um den 7. Mai herum, gehe ich mit Freunden in die Kirche und wir halten einen Gedenkgottesdienst ab für alle unsere ehemaligen Kindergartenfreunde, die sich auf qualvolle Weise an Ü-Ei-Spielzeug zu Tode verschluckt hatten. Hunderte Kinder, die in blindem Vertrauen ein Ü-Ei geöffnet hatten und sich gar nicht bewusst waren, in welche Gefahr sie sich damit begeben.

Auch ich stand oft schon mit einem Bein im Grab. Ich hab mich zwar nie an den Kleinteilen verschluckt, aber wie oft hab ich Fight-Club-trächtige Kämpfe mit meinem Bruder ausgefochten, weil ich ein zerdätschtes Ei hatte und seins noch ganz war. Oder weil er eine Figur drin hatte während in meinem nur wieder so ein blödes Weltraumauto zum zusammenbauen drin war, dabei hab ich im Supermarkt extra die Schüttelkontrolle gemacht und war überzeugt eine Figur drin zu haben. Kennt Ihr noch die Schüttelkontrolle? Man nervt erst seine Mutter quer durch den ganzen Supermarkt bis sie endlich nachgibt und sagt. „Ja meinetwegen, dann hol Dir Dein blödes Überraschungsei!“ und dann rennt man zur Kasse, da wo die große Ü-Ei-Palette steht und nimmt jedes einzelne der geschätzten 800 Eier in die Hand, schüttelt und horcht, vergleicht die Geräusche, legt evtl. in Frage kommende Eier auf einen Stapel, schüttelt die aussortierten Eier dann erneut, vergleicht wieder, legt nach und nach dann wieder Eier zurück auf die Palette, bis man nach etwa zwanzig Minuten absolut überzeugt ist, das perfekte Ei mit einem Happy Hippo oder einem von „Micky und seinen tollen Freunden“ in Händen zu halten. Zuhause kam dann meistens die Ernüchterung und es war doch nur wieder irgendwas Doofes zum zusammenbauen drin.

Aber nicht nur Geschwisterkämpfe waren gefährlich. Auch hab ich oft dem Tod ins Auge gesehen, als ich dieses blöde gelbe Behältnis, in dem die Überraschung drin war, öffnen wollte. Nicht selten gelang mir dies nur unter Einsatz von Küchenschere, Fleischermesser oder dem großen 2-Kilo-Kreuzschlitzschraubenzieher aus Papas Werkzeugschrank. Was da alles hätte passieren können, stellt Euch das mal vor!

Später, als ich älter wurde (und der Mathematikunterricht insoweit gefruchtet hatte, dass ich das mit dem „in jedem 7. Ei“ endlich kapiert hatte…. Mann kam ich mir danach veraaaarscht vor!) waren die Ü-Eier insofern gefährlich, weil sie mich zum Alkohol brachten. Da es auf Klassenfahrten eher unüblich ist, dass die Lehrer für die Kinder Schnapsgläser bereithalten, haben wir unseren Bailey’s und unseren Apfelkorn eben aus diesen keinen gelben Dingern gekippt. Sehr prägend übrigens, denn wenn ich heute so ein gelbes Ding sehe, krieg ich immer Lust auf Apfelkorn.

Eine weitere Nahtoderfahrung hatte ich dann, als der Trend aufkam, alte Ü-Ei-Figuren an speziellen Ü-Ei-Börsen zu verschachern. Eine Freundin von mir hatte den berühmten Sammlerkatalog und der besagte doch tatsächlich, dass der Pumuckl mit Regenschirm sage und schreibe 500 Deutsche Mark wert war. Ich hatte den. Sogar mit Schirm. Nur blöderweise hatte ich ihn mir in einer meiner zahlreichen pubertären „Ich-hasse-alles-und-jeden-Phasen“ komplett mit schwarzem Edding bemalt, an mein Federmäppchen gehängt und ganz cool „Punk-Muckl“ daneben geschrieben. Stand gleich unter „Mathe ist ein Arschloch“. War also nix mit plötzlichem Ü-Eier-Reichtum und ich war todtraurig.

Also, wenn man sich das so anschaut, sind Ü-Eier tatsächlich nicht ohne. Selbst wenn man Glück hat, und sich nicht an einem Weltraumauto-Bausatz zu Tode schluckt, die psychischen Schäden bleiben, und wer weiß, was die noch so alles auslösen können. Insofern war der Gedanke der Herren und Frauen Politiker gar nicht so abwegig. Mal schauen wie die letztendliche Entscheidung ausfällt. Die Ü-Eier sollen bleiben, von mir aus könnten sie ja als Kompromiss das Spielzeug aus den Cornflakes-Packungen verbieten. Das fand ich eh immer total uncool.

Im Übrigen erledigt sich das Ü-Ei-Problem wahrscheinlich von selbst. Denn wenn man sich (und darüber kann ich mich immer noch aufregen!) den Hartz-IV-Speiseplan von Herrn Sarrazin anschaut, dann kann sich eh bald niemand mehr ein Ü-Ei leisten. Bei 4,25 € ist so ein Ei für 99 Cent einfach nicht mehr drin. Aber dann fällt unseren Oberen sicher was anderes ein, das sie verbieten wollen. Vielleicht diese lustige Mortadella mit Gesicht, weil Kinder deshalb vielleicht unter Angstzuständen leiden könnten. Oder Bobby Cars, sofern der dreijährige Besitzer nicht eine entsprechende Minderjährigen-Fahrerlaubnis vorweisen kann, welche bestätigt dass er definitiv keine Gefahr für Katzen und Rentner darstellt. Oder aber sie verbieten das Spielen komplett, dann könnten die Kinder sich Jobs suchen und schon mit drei Jahren brave Steuerzahler werden. Würde auch die Muttis entlasten und mehr als 4,25 € in die Familienkasse bringen. Sofern nach Abzug der Kinder-Lohnsteuer noch was übrig bleibt…

In diesem Sinne, Hurra, ich hab als Kind Ü-Eier gegessen und lebe noch!

Fröhliche Grüße aus dem 7. Ei…

Eure Eierpraline