Die zweite Kompetenzstufe

Habt Ihr schon mal von der „Zweiten Kompetenzstufe“ gehört? Nein? Ich auch nicht. Bis heute. Denn heute hab ich (mal wieder….) mit den rosaroten Jungs von der Telekom telefoniert und dabei von diesem sagenhaften Instrument der Kundenbetreuung erfahren.

Folgender Fall: Am Montag war unser Büro telefonisch nicht erreichbar. Man konnte zwar wegtelefonieren, jedoch zeigte es dann beim Angerufenen unsere Faxnummer an. Wer uns anrufen wollte, bekam die gute alte Leier: „Kein Anschluss unter dieser Nummer!“ zu hören. Dieses Problem wurde dann gestern behoben, allerdings funktioniert seit gestern Nachmittag das Internet nun nicht mehr. Ich also todesmutig die Nummer vom Telekom-Kundenservice gewählt und auch ziemlich flott einen Mitarbeiter dran gehabt. (Gut, „ziemlich flott“ ist übertrieben… erstmal hab ich mir einige Minuten Werbung für „Fernsehen mit der Telekom“ anhören müssen, ja danke auch, ganz lieb, ich will aber ned mit Euch fernsehen. Geht doch bitte einfach nur ans Telefoooon! Und dann kam natürlich noch der äußerst sinnige Hinweis, dass ich sämtliche technischen Anfragen auch gerne über den Online-Service erledigen könnte… ja klasse, können vor Lachen! Hallooooo? Online-Problembewältigung ohne Internetverbindung? Das möchte’ ich jetzt aber mal gezeigt kriegen! L )

Auf jeden Fall schildere ich dem netten, schlechtes fränkisch nuschelnden Herrn am andern Ende der Leitung mein Problem und er durchsucht mein Kundenkonto. Eine Minute, zwei Minuten, drei Minuten… ich wollt ihn grad fragen ob ich ihm nen Kaffee bringen soll, da redet er plötzlich doch wieder mit mir: „Also, Ihre Internetverbindung ist tot.“ Ja suuuuper Du Schnellchecker, weswegen ruf ich Dich eigentlich an? – „Warum das so ist, kann ich Ihnen aber gerade leider nicht sagen, die DSL-Prüfung in unserem System funktioniert momentan nicht. Aber ich gebe Ihren Fall sofort an unsere „Zweite Kompetenzstufe“ weiter, die werden sich umgehend darum kümmern und Sie dann auch gleich zurückrufen!“ Bevor ich noch irgendwas sagen konnte geschweige denn fragen konnte, was mit „gleich“ gemeint ist (sofort? Morgen? Nächstes Jahr im Juli?) hat er sich auch schon ganz freundlich fränkisch nuschelnd von mir verabschiedet und ich saß wieder da mit meinem Problem. Und nun warte ich ganz aufgeregt auf die „Zweite Kompetenzstufe“.

Was wird da nun wohl passieren? Klingelt jetzt irgendwo in einem hoch technisierten Superbüro ein rotes Telefon und James Bond himself sagt: „Agenten, Alarmstufe Rot! In Landshut liegt ein DSL-Anschluss brach!“ Daraufhin erscheint dann wie aus dem Nichts ein zwanzigköpfiges rosarotes Super-Einsatzkommando, greift zu rosaroten Kalaschnikows und macht sich im rosaroten Super-Heli auf den Weg nach Niederbayern, um dort bei eisigen Minusgraden den Boden vor unserem Büro aufzugraben (mit bloßen Händen versteht sich!) und die Ursache der Störung zu beheben? Sobald der Fehler lokalisiert ist (ein Marder hat ein Kabel angebissen oder so….) klopfen sich die rosa Jungs alle auf die Schulter und beglückwünschen sich gegenseitig zum erfolgreich gelösten Fall?

Oder aber, und das halte ich für wesentlich wahrscheinlicher, bedeutet „Zweite Kompetenzstufe“ einfach nur, dass der Call-Center-Futzi am Telefon sich lediglich nicht zu helfen wusste und auf die Schnelle mit einem so beeindruckend klingenden Wort wie „Zweite Kompetenzstufe“ ( vergleichbar mit „Christkind“, „Osterhase“, „Weltfrieden“) von sich ablenken wollte und nun in aller Ruhe sein Halb-Zehn-in- Franken-Frühstück zu sich nimmt und mein DSL-Problem im Nirvana einer rosaroten Kläranlage verschwindet?

Wir werden sehen…. Falls es die sagenumwobene „Zweite Kompetenzstufe“ tatsächlich gibt, bin ich mal gespannt, wie kompetent die wirklich ist. Falls die es schaffen sollten das Problem heute noch zu lösen, dann wird ich all meine im Moment noch begründeten Zweifel über Bord werfen und künftig bei allen Problemen die „Zweite Kompetenzstufe“ zu Rate ziehen (kaputtes Auto, leeres Konto, meckernder Mann…. Hach, was wäre das für eine kompetente Welt…..) 😉

In diesem Sinne,

kompetenteste Grüße

Eure rosa Praline

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(K)ein unmoralisches Angebot

Ich weiß schon warum ich bei „Anrufer unbekannt“ nicht gern ans Telefon gehe. Ist nämlich in 99% aller Fälle irgendein Idiot, der mir was verkaufen will.

So wie heute. Ich hab mir vor kurzem bei einem großen deutschen Versandhandel einen Staubsauger bestellt. Ihr wisst ja, mit Haushaltsgeräten steh’ ich ja in letzter Zeit etwas auf Kriegsfuß, nur ohne Staubsauger kann ich nun mal nicht leben, also habe ich diese Investition tätigen müssen. Er wurde auch prompt geliefert, klein, leicht, wendig, 2000 Watt, Ferrari-rot, 99 €. Ein 1-A-Gerät. Die Kundin ist hoch zufrieden.

Nun klingelt heute mein Telefon, „Anrufer unbekannt“, und aus irgendeinem mir selbst nicht erklärlichen Grund bin ich dran gegangen. „Schönen guten Abend, mein Name ist blablabla von Ihrer blablabla-Kundenbetreuung!“ Ich zucke zusammen, verdrehe die Augen und schwöre mir selbst feierlich, niiiiieee wieder einen Anruf von unbekannt anzunehmen. „Ja, guten Abend?“ – „Frau Killerpraline, Sie haben bei uns vor kurzem Ihren neuen Staubsauger erworben?“ Hm, hab ich. Und Du Depp rufst jetzt mich jetzt an um Dir diese Info bestätigen zu lassen, oder was? – „Äh, ja? Und?“- „Nun, wir haben heute ein ganz besonderes Angebot für Sie als Premium-Vorzugskundin!“ Ich? Premium-Vorzugskundin? Ich, die ich immer tausend Sachen bestelle, neunhundertneunundneunzig davon wieder zurückschicke und mit den Dingen, die ich behalte, ständig im Zahlungsverzug bin? Premium-Vorzugskundin? Na gut, jetzt hat er mich dran, also hör ich mir seinen Senf halt mal an. „Aha. Und was für ein Angebot haben Sie für mich?“ Ganz begeistert über mein geheucheltes Interesse legt er los: „Wir bieten Ihnen heute die einmalige Chance den neuen Superstaubsauger der Marke MX Schießmichtot im Vorteilsangebot zu kaufen. Drei Stück zum Preis von zwei und ein Extra-Mikrofaserset gibt es gratis dazu!“ Ich muss lachen. Hallo, hab ich nicht eben gerade einen nagelneuen Staubsauger gekauft? Und selbst wenn nicht, warum bräuchte ich drei Staubsauger auf einmal? Ich stelle meinem persönlichen Premium-Vorzugskundenbetreuer diese Frage und er ergeht sich in seinem Plädoyer für den Staubsauger-Vorteilspack wie ein Staatsanwalt auf Speed. Hört gar nicht mehr auf zu labern. Ich könnte doch überall in meinem Haus einen deponieren, dann spare ich mir das Rumzerren des einen Geräts durch alle Etagen. Hm, ich wohne in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Das hieße ich hätte mehr Staubsauger als Zimmer. Ja aber, wenn das so ist, könnte ich doch die Staubsauger verschenken? Logisch. Dass ich da nicht von alleine drauf gekommen bin? Ich verschenk immer Blumen und Süßigkeiten und Bücher, dabei wäre es doch viel passender einfach Staubsauger zu verschenken! „Denken Sie an Weihnachten!“ sagt er. Hallo? Wir haben August? Und ganz abgesehen davon, wer wünscht sich zu Weihnachten schon einen Staubsauger? „Fragen Sie in Ihrer Familie, bei Ihren Freunden, Sie werden überrascht sein, wie viele Menschen gerade jetzt darüber nachdenken einen Staubsauger zu kaufen!“ Echt? Ja Du, wenn das so ist, ruf ich natürlich gleich mal meine 37 allerbesten Freundinnen an und mach sie zur Schnecke, warum sie mir nicht längst erzählt haben, dass sie einen Staubsauger brauchen. Ob’s wohl Mengenrabatt gibt, wenn ich sagen wir mal zehn Vorteilskundenvorteilspacks kaufe?

Ganze zehn Minuten meines Lebens hat mir der Penner mit seinem bekloppten Angebot heute gestohlen. Irgendwie wollte er es nicht begreifen, dass ich keine Verwendung für drei, bzw. mit meiner eigenen Neuanschaffung VIER Staubsauger habe. Ganz zum Schluss hat er sogar noch versucht mich mit den Gratis-Mikrofasertüchern zu ködern. Nee, is klar. Ich kauf für knapp 300 Euro drei Staubsauger nur um ein paar neue Wischlappen abzugreifen. Die Welt ist verrückt. Als er es endlich begriffen hat, dass er mit mir heute keinen Deal machen kann, fragt er noch, ob er mich denn bei anderen Angebotsaktionen wieder anrufen dürfe. Ich war versucht ihm zu sagen dass er sich gerne melden kann, wenn er mir mal drei Paar Buffalo-Stiefel zum Preis von einem Mikrofasertuch-Set anbieten kann, aber vernünftigerweise hab ich einfach gesagt: „Nein, bitte rufen Sie mich nicht mehr an. Und bitte vermerken Sie in Ihrer Datenbank dass ich keine Telefonwerbung wünsche. Guten Abend.“ Leider hab ich nicht mehr gehört, was er geantwortet hat, weil ich gleich aufgelegt habe. Hätte ein „blöde Kuh“ sein können. Vielleicht aber auch der erste Schluchzer in einer Serie von Heulkrämpfen über seinen frustrierenden Scheiß-Job. Ich weiß es nicht.

In diesem Sinne,

heute ganz speziell nur für Euch: Drei Grüße zum Preis von einem und ein Gratis-Bussi oben drauf!

Eure Premium-Vorzugspraline