Eselpreise auf Rekordniveau!

Ich gestehe, erstmal musst’ ich echt lachen: „… Hoher Ölpreis treibt die Eselnachfrage in ungeahnte Höhen. Preis pro Esel auf Rekord! Die steigenden Ölpreise treiben in der Türkei die Nachfrage nach Lastentieren in ungeahnte Höhen. Immer mehr Bauern lassen den Traktor stehen und steigen auf Esel um. Die Tiere sind in der Türkei nun heiß begehrt und knapp. Innerhalb eines Jahres stieg der Preis für einen Esel in Zentralanatolien von umgerechnet rund 26 Euro auf bis zu 180 Euro, wie die Zeitung «Zaman» berichtete. Die Zahl der verfügbaren Tiere wird immer knapper, was in Zukunft zu noch höheren Preisen führen könnte…“ (Quelle: www.mmnews.de).

Kurios, und doch so bitter. Der Eselpreis hat sich nahezu versiebenfacht, stellt Euch das vor! Hätte ich mal lieber in Esel investiert anstatt mein sauer verdientes Geld beim Wolfi an der Bar zu verprassen! Die Vorteile für so einen Esel liegen ja auf der Hand: er verbraucht nur etwa 4 Ballen Heu auf hundert Kilometer, hat ein enorm hohes Ladevolumen, ist steuerbefreit weil umweltschonend, hat eine endsstylishe Optik und so eine Vollkaskoversicherung für einen Esel kostet ja nun sicher auch nicht die Welt. Gut, er kackt Dir halt die Garage voll, das ist dann schon ein Nachteil. Aber hey, kannst ja alles trocknen, als Brennstoff nutzen und sparst Dir somit auch noch ne ganze Menge Heizöl!

Ich mach mich hier mal wieder lustig, dabei ist das Thema eigentlich bitterer Ernst. Ein jeder von uns spürt mittlerweile deutlich, dass alles teurer geworden ist. Egal wen du fragst, jeder jammert, dass am Ende des Geldes immer mehr Monat übrig ist. Ich selber ja auch. Aber wir Deutschen jammern halt auch so gerne. Wir können uns stundenlang drüber aufregen dass der Sprit nun wieder zwei Cent mehr kostet und im selben Atemzug bestellen wir bei der Resi noch a Maß Bier für acht Euro. Ein Liter schlecht eingeschenktes Helles für acht Euro! Hm, da regen wir uns komischerweise nicht auf. Der Liter Sprit ist da ja vergleichsweise ein Schnäppchen. Gut, im Normalfall kaufen wir auch ned 40 Maß auf einmal so wie das beim Benzin der Fall ist. Aber der Punkt ist noch ein anderer. Wir verzichten halt ungern. Und das nimmt inzwischen äußerst kuriose Ausmaße an. Wir sehen uns im Fernsehen Reportagen über Kinderarmut im reichen Deutschland an, und folgen den weinerlichen Schilderungen der vom Leben geplagten alleinerziehenden Hartz-IV- Mutti, während selbige sich gerade ihre siebenunddreißigste Kippe ansteckt. „Ja wenn ich mir meine Zigaretten nicht mehr leisten darf, dann kann ich mir ja gleich einen Strick nehmen!“ Gut, ich bin selber Raucherin und weiß eigentlich gar nicht warum. Würde ich das ganze in die Luft gepaffte Geld auf einen Haufen packen, hätte ich vermutlich schon die Anzahlung auf eine schöne Eigentumswohnung zusammen. Aber nee, Rauchen ist ja sooo entspannend. Unser kleiner liebgewonnener Pseudo-Luxus, den geben wir ungern her. Andererseits, ändert sparen was an der Situation dass mein Nettolohn immer weniger wird? Ich meine, jeder von uns geht mehr oder weniger hart arbeiten um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, darf er dann mit seinem sauer verdienten Geld nicht machen was er will? Klar darf er, nur darf er sich dann halt auch nicht beschweren wenns nie reicht oder später nix mehr da ist, wenn mal die Rente ansteht. Unser Oberfinanzguru stellt sich hin und sagt ganz einfach mal „ab 2011 haben wir keine Neuverschuldung mehr!“ Ja, klasse Ansage, wers glaubt wird selig. Was meint Ihr, wenn ich jetzt zu meiner Bank gehe und sage, „Du Herr Banker, ich borg mir mal eben ein paar hundert tausend Euro von Dir, versprech Dir aber, dass ich ab 2011 keine neuen Schulden mehr mache! Ganz großes Indianerehrenwort!“ Tja, der zahlt mir die letzten vierzehn Euro aus meinem Sumsi-Konto aus und dann lässt er mich wahrscheinlich einweisen. Naja, vorher dreht er mir noch nen Bausparer an, weil das versuchen sie ja immer. Du hast zwar keine Kohlen mehr um Deinen Dispo auszugleichen, aber Dein Banker rät Dir zum sparen, weil Vorsorge ist ja wichtig. Wenn du ihn dann fragst, worin der Sinn besteht, für 4% Sparzinsen 13% Überziehungszinsen auf Dich zu nehmen, grinst er nur blöd und drückt Dir eine bunte Broschüre in die Hand, die Dir „Wachturm“-gleich erklärt, wie furchtbar wichtig doch jetzt auch noch eine Kapitallebensversicherung für Dich als alleinstehende kinderlose junge Frau wäre. Manchmal kann man echt nur noch den Kopf schütteln und dann auf seinem Esel nach Hause reiten.

Eigentlich finde ich es ganz schön bitter, wenn in einem Land wie Deutschland Unwörter geschaffen werden müssen wie „Geringverdiener“, „Mindestlohndebatte“ oder „Niedriglohnsektor“. Die meisten von uns sind motiviert, halbwegs gut gebildet und würden gern was aus ihren Talenten machen. Aber die Motivation bleibt schnell auf der Strecke wenn Du nach hundert erfolglosen Bewerbungen den 5,50 €-Job im Supermarkt annimmst, weil keiner Deiner Wunscharbeitgeber mehr die Lohnnebenkosten für Dich finanzieren kann oder mag. Aber diese Diskussion würde jetzt zu weit führen, ich hab hier nach den Eseln schon wieder irgendwie den Faden verloren 😉 Sind wir mal lieber einfach froh, dass wir trotz Ebbe in der Kasse jeden Tag was zu tun haben, ein Dach über dem Kopf und uns eben ab und an den kleinen aber feinen Luxus gönnen können, sei er nun gescheit oder nicht. In so vielen Ländern der Welt siehts nämlich ganz anders aus, aber das brauch ich Euch ja ned erklären.

Und ab und an können so ein paar Monate im Niedriglohnsektor ja auch Spaß machen. Und zu schönen Freundschaften führen, gell lieber Leon? 😉

In diesem Sinne, verwirrte Grüße und ein fröhliches Ih-Ah!

Eure Sparpraline

P.S.: Ich werde meinem Chef jetzt dann vorschlagen, das Transportgewerbe an den Nagel zu hängen und auf Eselzucht umzusatteln. Weil bald boomt die Nachfrage nach Eseln sicher auch in Deutschland. Und dann steigen wir volle Lotte ins Esel-Leasing ein. Wenn Ihr also drüber nachdenkt, Euch einen Esel anzuschaffen, wendet Euch vertrauensvoll an mich! 😉

P.P.S.: Noch ein Fundstück: Die Landshuter Zeitung berichtet heute auch über den großen Inflationswahnsinn. Verglichen zum Vorjahresmonat ist Heizöl um 61,9% teurer, Diesel um 30%, Lebensmittel im Schnitt um 29%. Damit wir uns aber nicht aufregen, steht im Folgeabsatz aber gleich, dass auch die Superreichen leiden: Rennpferde kosten mittlerweile 14% mehr, ein mittelmäßiges Facelift 17% und ein handelsüblicher russischer Zobelpelzmantel 18%. Ja nee, dann bin ich ja wirklich beruhigt, dass es nicht immer nur „den kleinen Mann“ trifft 😉

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